Kanzlerin Merkel will die G8 vergrößern (Foto: Reuters)
Kurz vor Beginn des G8-Gipfels in Italien glaubt Kanzlerin Angela Merkel nicht mehr an eine Zukunft des Treffens in der aktuellen Zusammensetzung. Die Diskussion globaler Fragen werde künftig unter dem Dach der Gruppe der 20 führenden Wirtschaftsnationen der Erde (G20) - also unter Einschluss von Ländern wie China und Indien - geführt werden, sagte Merkel.
Zugleich warnte die Kanzlerin vor überzogenen Erwartungen an die Klimaschutzvereinbarungen des Gipfels, rechnet aber dennoch mit Fortschritten. Nach Angaben aus Regierungskreisen wird der Gipfel im italienischen L'Aquila eine für die Exportnation Deutschland wichtige Absage an Beschränkungen des Welthandels beschließen.
G8 reicht nicht mehr
Nach Ansicht von Merkel spiegeln die G8-Industrienationen die Weltwirtschaft nicht mehr ausreichend wieder. Dies sei bei Beratungen der G20 anders, die für rund 85 Prozent der Wirtschaftskraft der Erde stünden. "Ich glaube, dass der internationale Zug sich in diese Richtung entwickelt hat", sagte Merkel.
Nicht mehr als zwei Grad
Im Ringen um weltweite Klimaschutzvorgaben erwartet Merkel noch keine raschen Verpflichtungen der wichtigen Schwellenländer. Die Bereitschaft dazu sei aber gewachsen. Nach Ansicht der Kanzlerin sollte der Gipfel festschreiben, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 mittel- und langfristig so weit zu vermindern, dass die globale Erwärmung zwei Grad Celsius nicht überschreitet. Zudem sollen nach Angaben aus Regierungskreisen möglichst erste langfristige Reduktionsziele in das Schlussdokument hingeschrieben werden.
Absage an Protektionismus
Angaben aus Regierungskreisen zufolge ist bereits vor dem Treffen mitten im italienischen Erdbebengebiet darüber Einigkeit erzielt worden, in die Abschlusserklärung eine Absage an Handelshemmnisse aufzunehmen. Die Staats- und Regierungschefs würden einen Stopp fordern, hieß es. In Berlin war zuletzt mit Sorge beobachtet worden, dass etwa in China zum Kauf einheimischer Produkte aufgerufen wird.
Irans Atompolitik steht im Zentrum
Auf dem G8-Gipfel wollen die Staats- und Regierungschefs am Mittwoch neben der Klimapolitik vor allem über die internationalen Krisen beraten. Im Zentrum stehen Diskussionen, wie der Bau einer iranischen Atombombe verhindert werden kann. Schon am zweiten Tag werden die Staats- und Regierungschefs der aufstrebenden Wirtschaftsmächte China, Indien, Brasilien sowie von Mexiko und Südafrika hinzukommen.
Großer Kreis am Freitag
Der Kreis wird dann noch einmal bei den Gesprächen über den Klimaschutz erweitert werden. Am Schlusstag kommen Vertreter vieler afrikanischer Länder hinzu, darunter Libyens Regierungschef Muammar al-Gaddafi, der lange international isoliert war und den Vorsitz der Afrikanischen Union innehat. Hier gehe es um einen neuen Kurs im Kampf gegen den Hunger. Die Unterstützung soll im Sinne der Bundesregierung mehr auf Hilfe zur Selbsthilfe umgestellt werden.
Merkel will klare Worte sprechen
Merkel will am Rande des Gipfels bei einem bilateralen Treffen mit Chinas Staatspräsident Hu Jintao auch die Unruhen in der chinesischen Uiguren-Provinz Xinjiang ansprechen. Es werde die Gelegenheit geben, mit dem chinesischen Präsidenten über die Situation zu reden, sagte sie. Es sei "vollkommen klar", dass China in der Frage seiner territorialen Integrität unterstützt werde. "Aber gleichzeitig muss es möglich sein, die Rechte der Minderheiten auch zu gewährleisten."