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Fahrtgast enthauptet schlafenden Sitznachbarn
01.08.2008, 07:57 Uhr | pad, Spiegel Online
Die kanadische Polizei hat den Tatort rund um den Greyhound-Bus abgesperrt (Quelle: dpa)Plötzlich stach er auf den Mann ein - während der Fahrt, ohne Warnung, ohne erkennbares Motiv: Ein Passagier hat an Bord eines Greyhound-Busses in Kanada seinen Sitznachbarn mit Dutzenden Messerstichen getötet. Danach enthauptete er Zeugen zufolge sein Opfer. Die anderen Fahrgäste sahen hilflos zu.
Die grausige Tat ereignete sich Augenzeugen zufolge an Bord eines kanadischen Busses mit 37 Passagieren, der unterwegs von Edmonton nach Winnipeg im Zentrum des Landes war. Wie die Polizei bestätigte, tötete ein Passagier einen anderen Fahrgast mit einem Messer. Mindestens zwei Zeugen schilderten der Nachrichtenagentur Canadian Press und kanadischen Fernsehsendern, dass der Täter sein Opfer außerdem enthauptet habe.
VideoBus-Passagier ersticht und köpft Sitznachbarn
"Blut in den Adern gefror"
"Man hörte einen Schrei, der einem das Blut in den Adern gefrieren ließ", sagte Fahrgast Garnet Caton. Er saß im hinteren Teil des Busses, direkt vor Täter und Opfer, und las gerade ein Buch.
Keine Vorwarnung
Das Opfer, das als "junger Mann" und "ungefähr 19 Jahre alt" beschrieben wird, habe mit Kopfhörern auf den Ohren geschlafen, als sich der neben ihm sitzende Täter plötzlich auf ihn gestürzt habe. Es habe keine Vorwarnung gegeben, und das Opfer habe sich auch nicht gewehrt.
"Wie ein Roboter"
"Der Schrei - das war so eine Mischung aus Hundegeheul und weinendem Baby. Das wird mich noch eine ganze Weile verfolgen", sagte Augenzeuge Caton. "40- oder 50-mal", so Caton, habe der Angreifer mit einem großen Messer auf sein Opfer eingestochen. "Während er ihn angriff, war er ruhig wie ... - es war, als wäre er gerade am Strand. Er war total ruhig, er sagte nichts. Da war keine Wut oder ... - oder irgendwas. Er war einfach wie ein Roboter, der diesen Typen niedersticht." "Nach sechs, sieben Stichen hörte man nichts mehr", offenbar sei dann die Luftröhre durchtrennt gewesen.
Bis zur Tat völlig normal
Bis zu der plötzlichen Attacke habe der Mann auf die anderen Passagiere "völlig normal" gewirkt, sich in einer Rauchpause mit einer jungen Passagierin unterhalten. Die Polizei wollte sich bislang nicht zu Einzelheiten äußern. Er habe versucht, die anderen Passagiere zu wecken, so Caton weiter. Die meisten hätten ebenfalls geschlafen. Der Täter habe den Fahrgästen dann befohlen auszusteigen, und alle hätten dies getan.
"Er hat versucht uns anzugreifen"
"Und dann sahen wir, wie dieser Typ dem jungen Mann den Kopf abschnitt", sagte Caton der Canadian Press zufolge. Der Mann habe sein Opfer danach sogar "quasi ausgeweidet". Ein anderer Zeuge, Cody Olmstead, bestätigte die Enthauptung. Als der Täter gesehen habe, dass er beobachtet wurde, habe er den Fahrer aufgefordert, die Tür zu schließen, sagte Caton. Die Tür habe sich nicht gleich geschlossen, "und der Typ hat sein Messer rausgeholt und versucht uns anzugreifen". Dabei habe er sein Messer durch den Türspalt gesteckt.
Bus fahruntüchtig
Der Busfahrer habe den Bus dann fahruntüchtig gemacht, und die Passagiere hätten sich von außen gegen die Tür gestemmt, berichtete Zeuge Caton. Der Täter habe dann den Kopf nach vorne gebracht und auf den Boden fallen lassen. Danach hätten die Passagiere und herbeigeeilte Trucker den Mann im Bus mit provisorischen Waffen wie Schraubenschlüsseln und Brecheisen in Schach gehalten.
Belagerung bis in die Morgenstunden
Der Vorfall ereignete sich Nachrichtensendern zufolge schon am späten Mittwochabend Ortszeit 20 Kilometer westlich der Stadt Portage la Prairie. Die Belagerung des Busses durch die Polizei habe jedoch bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstag angedauert. Polizisten verhandelten mit dem Mann. Wie es ihnen schließlich gelang, den Mann zu überwältigen, ist bislang nicht bekannt.
In Polizeigewahrsam
Mittlerweile befindet er sich den Berichten zufolge in Polizeigewahrsam. Caton sagte, er habe sein Opfer offensichtlich nicht gekannt und sei erst in Manitoba zugestiegen. Weitere Details wurden zunächst nicht bekannt. Eine "Greyhound"-Sprecherin bestätigte, dass es "einen Vorfall" an Bord eines der Busse des Unternehmens gegeben habe - wollte aber keine Einzelheiten nennen, "um die Ermittlungen nicht zu beeinträchtigen".
pad, Spiegel Online