31.05.2010, 08:54 Uhr
Bei der ersten Predigt Margot Käßmanns nach ihrem Rücktritt war die Marktkirche hoffnungslos überfüllt (Foto: dpa)
Bis auf die Treppenstufen vor dem Altar drängen sich die Gläubigen bei Margot Käßmanns erster Predigt in Hannover drei Monate nach ihrer verhängnisvollen Alkoholfahrt. Die beliebte Theologin predigt am Sonntag über Schuld und Vergebung und die Möglichkeit eines Neuanfangs - dabei spricht sie auch ihr persönliches Schicksal an und erntet Applaus in der mit 1500 Besuchern überfüllten Marktkirche.
Einen Neuanfang Käßmanns wünschen sich etliche Kirchenmitarbeiter, die mit Handzetteln für ihre Rückkehr als Bischöfin werben. Dieser ist zwar theoretisch möglich - allerdings höchst unwahrscheinlich, so routiniert Käßmann auch in ihrer langjährigen Heimatkirche den Gottesdienst leitet.
"Gottes Wege bleiben unbegreiflich", sagt Käßmann in ihrer Predigt. "Ich habe da inzwischen so einige Erfahrungen gemacht in den letzten Monaten, da verstehst du einfach nicht, wie so etwas passieren kann." Käßmann war am 24. Februar von ihren Spitzenämtern in der Landeskirche Hannover und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurückgetreten, weil sie nach dem Überfahren einer roten Ampel mit 1,54 Promille am Steuer ihres Dienstwagens gestoppt worden war.
"Schuld kann vergeben werden, (...) es kann einen Neuanfang geben", sagte die 51-Jährige. Oft könne man sich eigene Fehler und Verfehlungen am wenigsten vergeben, aber "wenn Gott vergibt, wie könnten wir dann nicht vergeben", sagt die ambitionierte Theologin - möglicherweise auch mit Blick auf die eigene Position.
Käßmanns weiterer Weg ist noch ungewiss, auch wenn Kirchenvertreter sie gerne wieder in verantwortlicher Position sehen und die Massen sie auf dem Ökumenischen Kirchentag vor etwa zwei Wochen in München fast wie einen Star feierten. Von August bis Dezember geht Käßmann zunächst für einen viermonatigen Studienaufenthalt in die USA an die Emory-University in Atlanta. Nach ihrem Rücktritt als Bischöfin von Hannover und EKD-Ratsvorsitzende ist Käßmann einfache Pastorin, zunächst ohne eine Gemeinde oder einen speziellen Auftrag. Die hannoversche Landeskirche erwartet sie Anfang 2011 als Pastorin in einer noch nicht bekannten Funktion zurück.
Zunächst wird Käßmann von der Synode der Landeskirche in dieser Woche als Bischöfin verabschiedet - mehr als zehn Jahre hatte sie an der Spitze von Deutschlands größter evangelischer Landeskirche gestanden. Unterdessen hat die Kandidatensuche für ihre Nachfolge begonnen. Der Kirchensenat wird ein bis drei Kandidaten für das Amt vorschlagen, die Wahl ist dann auf der Herbstsynode Ende November geplant. Die Mitarbeitervertretung hat den Kirchensenat zwar aufgefordert, auch die zurückgetretene Theologin für eine zweite Amtszeit vorzuschlagen. Käßmann selber hat sich dazu aber nicht geäußert.
Im vergangenen Herbst noch war mit Käßmann erstmals eine Frau zur Spitzenrepräsentantin der rund 25 Millionen Protestanten in Deutschland gewählt worden. Ihre Nachfolge trat vorübergehend der rheinische Präses Nikolaus Schneider bis zur Neuwahl im Herbst an. Dabei gilt er als aussichtsreichster Kandidat.
Quelle: dpa
Paul schrieb:
am 31. Mai 2010 um 14:41:18
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Frau Käßmann
man spricht nach jeder politischen Wahl davon, wie klug die Wähler wieder mal entschieden haben. Wenn Frau Käßmann beliebt
und damit "erwählt" ist, dann soll das weniger gelten? Das hat mit Inhalten und nicht! mit "einlullender Rhethorik zutun. Außerdem, niemand wurde geschädigt und vor allem, sowas wird ihr nie wieder passieren, damit ist sie gefestigter denn je. Doch insgesamt dann gut so, oder? Übergriffe sind doch viel verwerflicher!
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geroellheim schrieb:
am 31. Mai 2010 um 14:14:08
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käßmann
Für mich ist und bleibt Frau Käßmann eine eitle Selbstdarstellerin.
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Sealord schrieb:
am 31. Mai 2010 um 13:37:15
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Käßmann
Gute PR-Show - selten gewordenen: überfüllte Kirche dank eines gefallenen Engels - alle Achtung für das Management.
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