31.03.2011, 15:19 Uhr
Der Angeklagte schweigt an allen Prozesstagen - sowohl zu den Tatvorwürfen als auch zu Details aus seinem Privatleben (Foto: Reuters)
Im Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann ging es am 36.Verhandlungstag vor allem um die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers und um die angebliche Voreingenommenheit der Staatsanwaltschaft. So musste am Donnerstag Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge vor dem Landgericht Mannheim Rede und Antwort stehen.
Dabei bekräftigte der 36 Jahre alte Ankläger, er habe das mutmaßliche Opfer nicht zu einer belastenden Aussagen gegen den Moderator ermuntert. Die ehemalige Geliebte beschuldigt Kachelmann der Vergewaltigung. Der wiederum bestreitet die Tat und äußert sich nicht in der Sache.
Um zu klären, ob die Staatsanwaltschaft gewissenhaft ihrer Aufgabe nachgekommen ist, hatte Kachelmann-Anwalt Johann Schwenn die Zeugenbefragung der beiden Ankläger Oltrogge und Gattner beantragt. Außerdem hält Schwenn es für möglich, dass die beiden unzutreffende Protokollnotizen vorgelegt haben und Informationen an die Presse weitergegeben haben.
Allen Punkten widersprach Staatsanwalt Oltrogge mit Nachdruck. Er betonte, er habe das angebliche Vergewaltigungsopfer nicht im Sinne der Anklage beeinflusst. Im Gegenteil: er habe die 38 Jahre alte Radiomoderatorin eindringlich darauf hingewiesen, dass sie bei Falschaussagen "in Teufels Küche" kommen könne, also das ernste juristische Konsequenzen drohten.
Diese Bemerkung sei nicht grundlos gefallen, erklärte der Staatsanwalt. So habe das mutmaßliche Opfer während des Gesprächs eingeräumt, dass ein angeblich anonym verfasster Brief in Wirklichkeit von ihr selbst gestammt habe. In diesem Brief, den die Geliebte bei geeigneter Gelegenheit dem Moderator präsentieren wollte, seien Hinweise auf dessen Untreue niedergeschrieben gewesen. Allerdings hatte das Opfer diese Angaben selbst recherchiert und auch selbst zu Papier gebracht. Das, so Oltrogge, hätte die Untersuchung des Dokuments ergeben.
Der Brief habe außerdem Kopien von Flugtickets enthalten, die auf Kachelmann und eine andere Frau lauteten. Diesen Brief habe sie am 8. Februar erhalten, sagte das vermeintliche Opfer damals aus, also am Tag der behaupteten Vergewaltigung. Später revidierte die Radiomoderatorin ihre Aussage und gab zu, dass sie schon Monate vorher die Kopien der Tickets bekommen habe.
Dass die Radiomoderatorin ihre Angaben revidieren musste, sieht Kachelmann-Anwalt Schwenn als Indiz dafür, dass die gesamte Aussage des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers "in seiner Glaubwürdigkeit erschüttert ist". Zwar soll die Frau nach Angaben des Staatsanwalt glaubhaft versichert haben, dies sei die einzige Lüge gewesen. Aber daran will Schwenn nicht glauben. So habe es sich bei der "Brieflüge" eben nicht nur um eine Lüge gehandelt, "sondern um einen erheblichen manipulativen Vorgang", betonte er. Das gebe Aufschluss über die Radiomoderatorin.
Dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Jörg Kachelmann im vergangenen Jahr eröffnet hat, "obwohl das alles schon aktenkundig gewesen ist", sei ein Fehler gewesen. Er sieht diesen Umstand als "wesentliche Schwächung" der Anklage.
Staatsanwalt Oltrogge hingegen erachtet die sogenannte "Brieflüge" indes nicht als ausschlaggebenden Grund, an der Darstellung einer Vergewaltigung zu zweifeln. So habe das mutmaßliche Opfer während der Vernehmung beispielsweise geweint und gezittert.
Es sei auch ansonsten glaubwürdig gewesen. Die Beweisauswertung, die Spurensicherung sowie die medizinische Untersuchung hätten die Aussagen der Frau gestützt. Oltrogges Kollege, der Oberstaatsanwalt Oskar Gattner, soll auch noch als Zeuge vor dem Mannheimer Landgericht aussagen. Ob dies am Donnerstag noch geschieht, ist bislang aber unklar.
"Wenn sie nicht die Aussage korrigiert hätte, stand in der Diskussion, ob es nicht zu einer Haftentlassung gekommen wäre", sagte Oltrogge. So jedoch dauerte es noch mehr als drei Monate, bis Kachelmann auf Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe am 29. Juli 2010 freigelassen wurde.
Die Radiomoderatorin aus Schwetzingen wirft Kachelmann vor, sie in der Nacht zum 9. Februar 2010 nach einem Streit mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Der 52-Jährige bestreitet die Vorwürfe und spricht von einer Falschanschuldigung. An allen bisherigen Prozesstagen hat Kachelmann geschwiegen.
Quelle: dpa , dapd
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