30.03.2011, 11:27 Uhr
Jörg Kachelmann auf dem Weg zum Landgericht in Mannheim (Foto: dpa)
Das Landgericht Mannheim hat die bezahlten Presseauftritte von Ex-Geliebten des Wettermoderators Jörg Kachelmann erstmals öffentlich kritisiert. Richter Joachim Bock sprach am Dienstag von einer "Respektlosigkeit gegenüber dem Gericht". Es sei der Rolle eines Zeugen "nicht angemessen", sich zunächst in der Presse zu äußern.
Seit dem 6. September 2010 wird vor dem Landgericht Mannheim gegen Kachelmann verhandelt, weil er seine langjährige Freundin mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben soll. Der TV-Moderator bestreitet die Vorwürfe.
In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass eine Ex-Geliebte Kachelmanns 50.000 Euro für eine Titelgeschichte erhalten hatte. Das Interview war noch vor Beginn des Prozesses erschienen, zu dem auch die Ex-Freundin als Zeugin geladen war. Auch zwei andere Zeuginnen hatten sich nachweislich gegen Geld in den Medien geäußert.
Nach Vertragsschluss über 50.000 Euro mit der Illustrierten "Bunte" hatte die Zeugin dann im Oktober erstmals vor dem Landgericht Mannheim ausgesagt. Das Gericht schloss dabei die Öffentlichkeit aus, um ihre und Kachelmanns Intimsphäre zu schützen. Heute wurde die Vernehmung der Frau fortgesetzt.
Verteidiger Johann Schwenn beantragte, die Öffentlichkeit angesichts des bezahlten Interviews der Zeugin jetzt zuzulassen. Sie habe ihr Recht auf Persönlichkeitsschutz verwirkt. Richter Bock nahm das zum Anlass, das Verhalten dieser und anderer Zeuginnen öffentlich zu kritisieren, die gegen Geld über ihre frühere Beziehung zu Kachelmann in den Medien gesprochen hatten. Die Strafkammer wolle sich "nicht im Nasenring durch die Manege führen lassen".
Gleichzeitig wies Richter Bock darauf hin, dass die in der Illustrierten erörterten Fragen nicht die Fragen des Gerichts seien. "Hier sind Sachen erörtert worden, die gar nichts in der Öffentlichkeit zu suchen haben", so Bock. Deshalb gebe es gute Gründe, die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Kammer stehe nun vor dem Problem, die Zeuginnen trotz ihrer Medienauftritte nicht-öffentlich zu hören.
Staatsanwalt Lars Torben Oltrogge befürwortete ein Splitten der Zeugenbefragung der Ex-Geliebten. Zur Beziehung zu Kachelmann und dessen Kindern solle die Frau hinter verschlossenen Türen befragt werden. Fragen der Verteidigung zu ihrer "Medienstrategie" soll die Ex-Geliebte dann öffentlich beantworten. Auf den Vorschlag des Vorsitzenden Michael Seidling stimmte die Verteidigung dann dieser Aufteilung der Befragung zu.
Quelle: dapd
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