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Kabinett beschließt zentrale Neonazi-Datei

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Kabinett beschließt zentrale Neonazi-Datei

18.01.2012, 17:44 Uhr | dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Protest gegen Neonazi-Aufmarsch

Protest gegen Neonazi-Aufmarsch (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Als Reaktion auf die jahrelang falsch zugeordneten Morde von Rechtsterroristen hat die Bundesregierung eine zentrale Neonazi-Datei beschlossen.

Das Kabinett verabschiedete am Mittwoch in Berlin einen entsprechenden Gesetzentwurf. In der Datei sollen Daten von Bund und Ländern zu "gewaltbezogenen Rechtsextremisten" erfasst werden - auch die von Hintermännern und Drahtziehern rechtsextremer Gewalt. Verschiedene Politiker mahnten, die Datei könne nur der erste Schritt umfassenderer Konsequenzen sein, die aus dem Versagen der Behörden gezogen werden müssten.

Vor rund zehn Wochen war bekanntgeworden, dass der Mord an acht türkischstämmigen Kleinunternehmern und einem Griechen sowie an einer Polizistin auf das Konto der Rechtsterroristen geht. Bundesweit für Bestürzung sorgte vor allem, dass Polizei und Verfassungsschutz die Rechtsterroristen offensichtlich jahrelang nicht im Visier hatten. Die Neonazi-Datei soll die Kooperation der Polizeibehörden und Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern verbessern. Sie ist der zentrale Informationskern für das Abwehrzentrum von Bund und Ländern gegen Rechtsextremismus, das im Dezember gegründet wurde.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bezeichnete die Datei als "wichtigen Meilenstein" im Kampf gegen Rechtsextremismus. "Unsere Untergetauchten von damals wären heute in dieser Verbunddatei", sagte er zur Frage, ob das Zwickauer Neonazi-Trio in so einer Datei gespeichert worden wäre. Erfasst würden den Behörden bekannte Rechtsextremisten, die zur Gewalt aufrufen oder Gewalt unterstützen, sowie Kontaktpersonen, sofern der Kontakt nicht nur flüchtig sei. Abrufbar seien Grunddaten wie Name, Anschrift und Geburtsdatum. Auf weitere Daten - etwa Kontonummern, Internet- und Telefonanschlüsse und Haftbefehle - könnten Ermittler nach entsprechendem Antrag zugreifen, um Zusammenhänge zu erkennen. Diese Analysemöglichkeit ist zunächst auf vier Jahre begrenzt.

Das FDP-geführte Bundesjustizministerium und das CSU-geführte Bundesinnenministerium hatten mehrere Wochen über den Gesetzentwurf verhandelt. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sprach am Mittwoch von einem "guten Kompromiss", da keine Daten gespeichert würden von Menschen, die rechtsextreme Gewalt nur verbal befürworteten - es gebe keine "Gesinnungsdatei". Zugleich mahnte sie, die Aufklärung der Vorgänge zu dem Neonazi-Trio voranzutreiben. "Es müssen weitere Schritte folgen, nämlich umfassende Aufklärung und dann die Debatte über unsere Sicherheitsstrukturen in Deutschland, wie wir sie effektiver und effizienter machen können."

Deutschlands oberster Datenschützer, Peter Schaar, erklärte, es habe bei den Neonazi-Morden vor allem Probleme im Vollzug bestehender Gesetze gegeben. Vollzugsdefizite könnten aber nicht durch neue Gesetze behoben werden. Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, die Datei könne ein gutes Instrument im Kampf gegen den Rechtsextremismus sein. "Sie ist aber weder ein Wundermittel noch ausreichend." Der Linke-Innenexperte Jan Korte meinte: "Wer die Augen vor dem Terror von Rechts verschließt, dem hilft auch keine neue Neonazidatei."

Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass es in Deutschland rund 9500 gewaltbereite Rechtsextremisten gibt. Wie viele von ihnen in der Datei gespeichert werden könnten, lässt sich nach Angaben von Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm noch nicht absehen. "Eine Schätzung ist im Moment nur schwer möglich." Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte, die Möglichkeit, Zusammenhänge zu analysieren, auch für die seit 2007 bestehende Anti-Terrordatei einzuführen, die Islamisten speichert. Auch Friedrich sagte, er wünsche sich das für den islamistischen Bereich, wenn sich die Analysemöglichkeit als sinnvoll erweise.

Unterdessen gestalten sich die Ermittlungen zur Neonazi-Mordserie weiterhin schwierig, weil die Beschuldigten die Aussage verweigern. Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, verwies darauf, dass die Hauptverdächtige Beate Zschäpe noch immer nicht mit den Ermittlern rede. "Die anderen, die in Haft sind, sind auch sehr einsilbig", sagte der BKA-Chef. Neben Zschäpe, der einzigen Überlebenden des Neonazi-Trios, sind vier weitere Beschuldigte in Haft. Weitere Verdächtige hätten die Ermittler im Blick.


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Quelle: dpa

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Kommentare (2)

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Thema: "Kabinett beschließt zentrale Neonazi-Datei"

MIKQD schrieb: am 18. Januar 2012 um 18:27:29
(0) (0) es fehlt die Datei für :
Korupte Politiker und die die vor der Wahl gelogen haben,für korupte Banker,für gegen das Gesetz verstoßende
Jonbcentermitabeiter,für Firmen die die Kundschaft betrügen und all die anderen die Dreck am Stecken haben und das gemeine Volk bestrogen haben zum eigenen Vorteil !!!
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Harry schrieb: am 18. Januar 2012 um 18:14:42
(0) (0) Nutzt nichts
Wer ist denn so naiv zu glauben, dass diese Datei irgendetwas nützt. Sie verhindert nicht eine einzige Straftat, überführt
nicht einen einzigen Täter und schützt nicht einen einzigen Bürger. Aber sie taugt als Aktionismus. Es glaubt doch wohl nicht ein Einziger, dass dadurch die Zusammenarbeit zwischen den eifersüchtigen Behörden besser wird. Aber so eine Datei schafft politische Stellen. Das wars.
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