Rettung nach 42 Stunden macht Rettern Hoffnung (Foto: AP)
Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in den mittelitalienischen Abruzzen suchen die Rettungskräfte weiter nach Verschütteten. Immer noch besteht die Hoffnung, Überlebende bergen zu können. So war am Dienstagabend eine 20 Jahre alte Frau aus den Trümmern in L'Aquila befreit worden - 42 Stunden nach dem Erdbeben.
Die junge Frau sei bei Bewusstsein und habe während der Rettungsaktion mit den Feuerwehrleuten gesprochen, hieß es. Sie war offenbar mit einem Bein unter Mauerwerk eingeklemmt, lag jedoch geschützt in einem Hohlraum unter eingestürzten Betonpfeilern. Ihr Gesundheitszustand wurde von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA als gut bezeichnet. Die 20 Jährige wurde mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen. Ungefähr 150 Erdbebenopfer wurden damit lebend geborgen.
Erschwert wurden die Rettungsarbeiten von immer neuen Nachbeben. Schon am Nachmittag hatte ein kräftiges Nachbeben der Stärke 5,3 bereits beschädigte Gebäude einstürzen lassen, darunter die Basilika in L'Aquila. Die Erschütterungen waren auch in Rom und im südlichen Kampanien zu spüren. Seit dem Erdstoß am Montag, dem folgenschwersten in Italien seit 1980, wurden insgesamt mehr als 280 Nachbeben gezählt. Immer wieder lösten diese Beben Panik in der Bevölkerung aus und richteten neue Schäden an.
"Wir lassen euch nicht im Stich"
Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sprach unterdessen Menschen in L'Aquila Mut zu. "Wir lassen euch nicht im Stich", sagte er zu den Opfern, denen vor allem sauberes Wasser und Strom fehlt. Die 17.000 Obdachlosen sind überwiegend bereits in Zelten untergebracht worden. Viele wurden in Unterkünfte an der Adria gefahren.
Das Erdbeben in Italien (Grafik: dpa)
Mindestens 260 Tote
Die Zahl der offiziell bestätigten Todesopfer stieg unterdessen auf 260. Die Retter befürchten, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigt - weil noch etliche Menschen verschüttet sind und weil immer wieder neu die Erde bebt. Mehr als 1000 Menschen wurden verletzt.
Diskussion über Bauweise
In die Diskussion über die offensichtlich nicht erdbebensichere Bauweise in Mittelitalien schaltete sich derweil auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf ein. Das Beben vom Montag habe das Hospital San Salvatore in L'Aquila zu 90 Prozent zerstört, sagte eine WHO- Sprecherin und unterstrich damit die Notwendigkeit katastrophensicherer Krankenhäuser. Auch in Italien kritisierten Fachleute von neuem die unzureichende Bauqualität, zumal auch zahlreiche jüngere Gebäude eingestürzt seien.
Das verheerende Erdbeben, das in der Nacht zu Montag in ganz Mittelitalien zu spüren gewesen war, hatte die Menschen um 3.32 Uhr überrascht. Ganze Wohnblocks in L'Aquila klappten wie Kartenhäuser zusammen. L'Aquila ist das Industrie- und Verwaltungszentrum der Region Abruzzen. Die Stadt hat 70.000 Einwohner. Betroffen sind auch 26 Ortschaften rund um L'Aquila. So wurde die Kleinstadt Onno praktisch dem Erdboden gleichgemacht.
Italien immer wieder von Beben heimgesucht
Das Beben war das schwerste in Italien seit fast 30 Jahren. Am 23. November 1980 wurden bei einem Erdstoß der Stärke 6,9 im Süden des Landes rund 3.000 Menschen in den Tod gerissen. Zuletzt wurde Italien am 31. Oktober 2002 von einem heftigen Beben heimgesucht. Bei dem Erdstoß der Stärke 5,4 wurden 28 Menschen in der Region Molise getötet. 27 von ihnen waren Kinder, deren Schule einstürzte.