14.10.2010, 08:17 Uhr
Mission erfüllt: Die historische Rettungsaktion in Chiles San-José-Bergwerk hat ein Happy-End. Am späten Mittwochabend fuhr der letzte der 33 verschütteten Kumpel aus dem Stollen auf, in dem die Minenarbeiter 69 Tage lang in mehr als 600 Metern Tiefe gefangen waren. Die perfekt organisierte Rettungsaktion dauerte 22 Stunden und 39 Minuten. Zweieinhalb Stunden danach kam auch der letzte von sechs Erstrettern wieder nach oben.
Als letzter Kumpel entstieg der Schichtführer und "Boss" genannte Bergarbeiter Luis Urzúa Iribarren der Phönix-Rettungskapsel. Er hatte in der Tiefe entscheidend zum Zusammenhalt der Gruppe beigetragen. Urzúa wollte erst alle Männer gerettet wissen, bevor er sich selbst auf den Weg nach oben machte. Er wurde mit frenetischem Jubel empfangen und vom sichtlich ergriffenen Präsidenten Sebastián Piñera umarmt. "Sie haben Ihre Aufgabe erfüllt", sagte Piñera. Der Staatschef harrte die ganze Zeit am Ausgang des Rettungsschachtes aus und begrüßte die Kumpel mit den Worten: "Willkommen zurück im Leben."
Die im Schacht verbliebenen Retter hielten Minuten nach der Bergung des letzten Kumpels ein Schild in die unterirdisch installierten Kameras. Darauf stand: "Mision cumplida. Chile" (Mission erfüllt. Chile). Auf der Oberfläche knallten derweil die Sektkorken, und die Menschen sangen die Nationalhymne. Als letzter Retter kam Manuel Gonzalez um 0.32 Uhr Ortszeit glücklich aus dem Schacht.
Piñera dankte den Kumpeln für ihre Ausdauer und den Rettern für deren unermüdlichen Einsatz. "Chile ist heute nicht mehr das gleiche Land wie vor 69 Tagen", sagte er. Das Land sei heute geeinter und stärker und werde in der Welt mehr respektiert und geschätzt. Die Bergleute hätten ein leuchtendes Beispiel von Mut, Loyalität und Kameradschaft gezeigt. Piñera fügte aus ganzem Herzen hinzu: "Viva Chile!" (Es lebe Chile).
Der als 27. Bergmann befreite Franklin Lobos Ramírez war in sichtlich guter Verfassung, als er oben ankam. Chiles Ex-Fußballstar wurde nach der Ankunft von seiner Tochter bestürmt und umarmt. Sie hatte ihm einen Ball mitgebracht, den Lobos auch sofort mit dem Fuß empor kickte. "Er hat das wichtigste Match seines Lebens gewonnen", kommentierte das chilenische Fernsehen.
Jede Ankunft wurde von den Familien gefeiert. Dabei spielten sich bewegende Szenen ab. Viele Kumpel dankten Gott für ihre Rettung und trugen T-Shirts mit der Worten "Gracias Senor, thank you Lord" (Danke Herr). Dann folgte ein Auszug aus Psalm 95 der Bibel: "In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge" und zum Schluss: "Ihm gehören Ehre und Ruhm."
Für die Bergleute ging damit ein langes Leiden zu Ende. 69 Tage schwankten sie und ihre Familien zwischen Angst und Hoffnung. Nie zuvor mussten Bergleute so lange unter Tage ausharren. Die Kumpel wurden nach ihrer Auffahrt in einem Feldlazarett kurz medizinisch untersucht und dann per Hubschrauber ins Krankenhaus der Stadt Copiapó geflogen. Dort wurden die Untersuchungen fortgesetzt.
Der chilenische Schriftsteller Antonio Skármeta rief dazu auf, nach der glücklichen Rettung der Bergleute mit der gleichen großen Anteilnahme auch anderen Notleidenden auf der Welt zu helfen. "Bildlich gesprochen möchte ich sagen, dass es noch viele Menschen in vielen Teilen der Welt gibt, die verschüttet sind, und die wir nicht sehen", sagte Skármeta. "Wir könnten ihnen helfen, wenn wir eine Ethik hätten, wie sie die Welt gegenüber den paar chilenischen Bergleuten entfaltet hat."
Weltweit verfolgte die Öffentlichkeit mit Spannung das Schicksal der Verschütteten. Nach Schätzungen des Internationalen Verbands der Bergbaugewerkschaften kommen jedes Jahr mindestens 12.000 Kumpel weltweit bei ihrer Arbeit ums Leben. Die 33 Chilenen hatten seit dem 5. August in der Kupfer- und Goldmine in der Atacama-Wüste rund 800 Kilometer nördlich der Hauptstadt Santiago festgesessen.
Um mit den knappen Ressourcen auszukommen, aßen die Kumpel in den ersten Tagen lediglich alle zwei Tage zwei Löffel Thunfisch. Erst nach 17 Tagen konnte die Gruppe ein Lebenszeichen absetzen und wurde danach durch enge Röhren mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Kleidung, elektronischen Geräten und Klappbetten versorgt. Nach der rettenden Auffahrt beginnt für die Kumpel und deren Familien nun der schwierige Weg zurück in ein normales Leben.
Quelle: dpa
DerMattes schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 15:23:54
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Chile
Endlich mal wieder eine wirklich erfreuliche Nachricht. Was diese Männer ausgestanden haben, kann sich wohl niemand vorstellen. Ich
hoffe nur, dass diese Männer jetzt weiterhin ihr Auskommen haben, denn einfahren wird bestimmt keiner mehr von denen. Es wäre schön, wenn sich die Polotiker jetzt nicht alle auf die Schulter klopfen würden und nach dem ersten Rumel die Menschen vergessen hätten.
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Gottlieb schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 12:13:18
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@UVo
heutzutage meist nur noch gedankenlos dahin gesagt: GOTT SEI DANK!
Sollte man sich mal ein Bischen mehr darauf besinnen. Bringt einem
innere Ruhe, Ausgleich für das unmeschlich hohe Lebenstempo, was wir heute meinen zu brauchen. Deine Worte sind richtig und Mahnung zugleich, UVo.
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Soraya schrieb:
am 14. Oktober 2010 um 11:58:08
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Gott-sei-Dank
Nach ewiger Berichterstattung über Mord, Totschlag, Krieg und Terror endlich einmal eine gute Nachricht. Hier haben fremde
Menschen gebangt und mit den Kumpeln gehofft, bei der Rettung geweint und sich gefreut. Die Menschen sollten dieses Gefühl beibehalten und sich ihr Mitgefühl bewahren, dann wäre unsere Welt nicht so von Neid, Habgier und Hass zerfressen. Diese 33 Männer haben das Gefühl vieler Nationen für 69 Tage geeint. Ihnen wünsche ich alles Gute für die Zukunft.
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