24.01.2011, 17:40 Uhr
Der Hamburger Mathias Mailänder ist Kachelmanns neuer Anwalt, neben Johann Schwenn und Andrea Combé (Foto: dapd)
Der wegen Vergewaltigung angeklagte Wettermoderator Jörg Kachelmann hat einen weiteren Verteidiger zum Landgericht Mannheim mitgebracht. Überraschend wurde am 24. Verhandlungstag der Hamburger Anwalt Mathias Mailänder präsentiert. Ob der Strafverteidiger den gesamten weiteren Prozess begleiten wird, ist allerdings noch unklar. Inzwischen ist Kachelmann mit einem Befangenheitsantrag gegen eine psychologische Sachverständige gescheitert.
Kachelmann hatte bereits im November überraschend seinen Hauptverteidiger gewechselt. Statt des Kölner Anwalts Reinhard Birkenstock wurde Johann Schwenn aus Hamburg verpflichtet. Neben Schwenn ist Andrea Combé aus Heidelberg von Beginn an Pflichtverteidigerin in dem Strafprozess. Mailänder trat am Montag als dritter Strafverteidiger auf.
Im Laufe des Prozesstages ist Schwenn mit einem Befangenheitsantrag gegen die psychologische Sachverständige Luise Greuel gescheitert. Greuel soll die Glaubwürdigkeit der Aussage von Kachelmanns Ex-Geliebter beurteilen. Das Landgericht Mannheim wies den Antrag zurück. Es sei nicht zu erkennen, dass die Sachverständige einseitig Partei gegen den Angeklagten ergriffen hätte, erklärte das Gericht. Zudem befragte das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit erneut den umstrittenen Trauma-Experten Günter Seidler.
In ihrem schriftlichen Gutachten war Greuel zu einem offenen Ergebnis gekommen. Ein "etwaiger Erlebnisgehalt" lasse sich nicht bestätigen. Kachelmanns früherer Verteidiger Reinhard Birkenstock hatte das Gutachten stets als entlastend interpretiert. Schwenn hatte es dagegen als spekulativ kritisiert. Die Schlussfolgerungen Greuels sei weder spekulativ, noch zeugten sie von einer "Jagdneigung" der Gutachterin, erklärte das Gericht.
Ein Comeback im deutschen Fernsehen wird es für Kachelmann vorerst nicht geben. "Wir werden das Prozessende abwarten, bevor wir uns dazu äußern", sagte eine Sprecherin der ARD-Programmdirektion. Eine Rückkehr auf die Fernsehschirme hatte Kachelmann im November selbst ausgeschlossen. Am Freitag war Kachelmann bei Radio Basel zu hören und damit das erste Mal seit seiner Festnahme wieder als Wettermoderator tätig.
Der Chefredakteur von Radio Basel, Christian Heeb, sagte, solange Kachelmann nicht verurteilt sei, gelte weiter die Unschuldsvermutung: "Wieso soll er auf seinen Job verzichten? Dies ist keine PR-Geschichte." Kachelmann moderierte um 12.40 Uhr am Freitag in feinstem Schweizerdeutsch das Winterwetter auf dem Sender, mit dem er seit eineinhalb Jahren einen Vertrag hat.
Ein Comeback als Radio-Moderator auch in Deutschland sei nicht auszuschließen, sagte der Sprecher des Wetterdienstes Meteomedia, Urs Knapp: "Man soll nie nie sagen."
Quelle: dapd , dpa
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