Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Deutschland > Gesellschaft >

Joachim Gauck muss jetzt liefern

...

Jetzt muss Gauck liefern

21.02.2012, 12:16 Uhr | Björn Hengst und Yassin Musharbash, Spiegel-Online

Joachim Gauck (Quelle: dapd)

Der designierte Bundespräsident hat Stärken und Schwächen (Quelle: dapd)

Kann ja nicht schaden, ein bisschen die übergroßen Hoffnungen zu dämpfen, mag er sich gedacht haben. Also sagte Joachim Gauck kurz nach seiner Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten, man möge von ihm bitte nicht erwarten, "dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin".

Ach Gott, wie eitel, mögen Arglistige bei diesen Worten des 72-Jährigen gedacht haben - als ob da jemand ernsthaft erklären müsse, kein überirdischer Alleskönner zu sein! Aber vielleicht ist das im Fall von Gauck ein bisschen anders. Man muss dazu nur schauen, in welche Sphären der frühere Chef der Stasi-Unterlagenbehörde gerückt wurde, als er 2010 als Kandidat von SPD und Grünen für das höchste Staatsamt antrat und erst im dritten Wahlgang gegen Christian Wulff unterlag: Als "Lichtgestalt" wurde er gefeiert, als "Präsident der Herzen" und "Bürgerrechtler der Nation".

Video
Deutsche wollen Joachim Gauck im Schloss Bellevue

69 Prozent sprechen sich bei der Forschungsgruppe Wahlen für ihn als neuen Bundespräsidenten aus. zum Video

Seine Anhänger und Bewunderer haben ihm diesen Thron gezimmert, bis heute haben sie ihn davon nicht heruntersteigen lassen. Und jetzt erwartet Deutschland am 18. März eine Art Frühlingsmärchen: Der Mann, für den die "Bild am Sonntag" einst mit der Zeile "Yes, we Gauck" warb, der Mann, den die Mehrheit der Bürger im Fall einer Direktwahl schon 2010 ins Schloss Bellevue geschickt hätte, soll zum nächsten Bundespräsidenten gewählt werden - getragen von einer breiten Stimmenmehrheit aus Union, FDP, SPD und Grünen. Da wundert es nicht, wenn Gauck in seinem ersten Statement einräumt, "überwältigt und auch ein wenig verwirrt" zu sein.

Wer ist Joachim Gauck, was zeichnet ihn aus, womit könnte er sich selbst schaden? Eine Annäherung an den designierten Bundespräsidenten.

Seine Stärken

Die Vita: Schon als Neunjähriger habe er gewusst, "dass der Sozialismus ein Unrechtssystem war", hat der 1940 als Sohn eines Kapitäns in Rostock geborene Gauck einmal gesagt. Als Kind nämlich hat er die Willkür des Systems bitter erfahren: 1951 wird sein Vater von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet und zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, erst 1955 erfolgt die Begnadigung.

Der junge Gauck entzieht sich dem sozialistischen System so weit wie möglich: Bei den Jungen Pionieren und der Freien Deutschen Jugend macht er nicht mit, studiert später Theologie. Die Kirche erlebt er als einen Raum, in dem "Anpassung als dominante Verhaltensform" nicht toleriert wird. Gauck arbeitet als Pastor, gerät wegen seiner Kritik am SED-Regime ins Visier der Stasi. Im Herbst 1989 gehört er zu den Mitbegründern des Neuen Forums. 1990 wird er zunächst in die Volkskammer, später zum Beauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt. Mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit bleibt sein Name eng verknüpft. Demokratie und Freiheit, das sind die Lebensthemen Gaucks.

Seine Überparteilichkeit: Gauck gehört keiner Partei an. Das macht ihn für viele zu einem glaubwürdigen Kandidaten, der für die Interessen des Volkes steht - und eben nicht für bloße Parteiarithmetik. Er ist offenbar auch niemand, der von einer Gier nach öffentlichen Ämtern getrieben ist: Anfang 1990 war er als Anwärter für den Posten des Rostocker Oberbürgermeisters im Gespräch - Gauck lehnte ab. Er sagte auch Nein, als er 1999 in der CSU für die Bundespräsidentenwahl als Gegenkandidat von Johannes Rau gehandelt wurde.

Die Kraft der Rede: Gauck ist ein ausgesprochen guter Redner. Allein sein kurzes Statement am Sonntagabend zeigte, dass er mit wenigen Worten Menschen berühren kann. Die Kraft der Rede ist die wohl wichtigste Wirkungsmöglichkeit eines Bundespräsidenten. Richard von Weizsäcker, Johannes Rau und Roman Herzog haben dies in der Vergangenheit eindrücklich bewiesen - Horst Köhler und Christian Wulff blieben eher blass.

Seine Beliebtheit: "54 Prozent wollen Gauck", so schrieb es die "Bild am Sonntag" zuletzt, als noch nicht klar war, dass Gauck wenige Stunden später zum überparteilichen Kandidaten von Schwarz-Gelb und Rot-Grün gekürt wird. In der Emnid-Umfrage rangierten Thomas de Maizière (CDU) und Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit jeweils 34 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz, alle anderen potentiellen Kandidaten folgten mit noch größerem Abstand - Gauck ist damit vor allem auch dies: ein Kandidat, den sich die Bürger wünschen.

Weiter zu Seite 2: Gaucks Schwächen


Anzeige

Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Joachim Gauck muss jetzt liefern" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Joachim Gauck muss jetzt liefern" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (495)

zum Forum

Thema: "Joachim Gauck muss jetzt liefern"

VOLKER schrieb: am 21. Februar 2012 um 19:39:15
(23) (35) Zum Glück
besteht das Volk, was immer wieder herangezogen wird, nicht aus den 90% Kommentatoren, die seit ca. 16.00 Uhr ihre Anti Gauck
Linie unter die Leute bringen wollen, Leute so sieht eine linke Parteilinie aus.
mehr Kommentar melden

Sanus Labor schrieb: am 21. Februar 2012 um 19:35:10
(38) (15) Kaum zu glauben
Wullf wurde attackiert weil er Vorteile nutzte die jeder Privatmann auch annehmen würde. Gauck wird jetzt schon attackiert
weil er in"wilder Ehe" lebt. Westerwelle und Wowereit wegen ihrer Neigung anzugreifen wäre pol. unkorrekt, Merkel angreifen wegen ihrer Zeit in der FDJ Tabuthema. Weder das eine noch das andere sagt etwas über deren Qualifikation. Muß es uns gut gehen wenn wir keine anderen Sorgen haben! Macht euch lieber Gedanken über unsere Demokratie und die soziale Kälte im Land
mehr Kommentar melden

VOLKER schrieb: am 21. Februar 2012 um 19:25:48
(20) (20) Uwe,
kein alter Genosse, wahrscheinlich ein junger Genosse, der von nichts Ahnung hat, aber das Vokabular seiner Lehrmeister sicher
beherrscht. Ich dachte, dass "Sudel-Ede" seinen Geist aufgegeben hatte, aber viele hier schreiben in seinem Stil weiter, einfach nur erbärmlich.
mehr Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

UMFRAGE

Sind die Erwartungen an den kommenden Bundespräsidenten zu hoch?

Anzeige
Video
Politikerin posiert nackt auf Wahlplakat

Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Restposten-Verkauf
Frühlings Lieblinge: Frisch aus der neuen Kollektion bei neckermann.de

Lagerräumung mit bis zu 80% Rabatt.
von neckermann.de

Sexy Jeans-Röcke
Trend-Styles von Esprit

Der Trend im Sommer: jetzt in angesagten Waschungen. mehr


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige