15.10.2011, 09:50 Uhr | Von Christoph Sator, dpa
"Mister Hamas": Wer ist der BND-Agent, der im Fall des israelischen Soldaten Gilad Schalit so erfolgreich verhandelt hat? Klarer Fall: Das ist geheim (Quelle: t-online.de)
Ein Foto von ihm gibt es nicht - wie sich das für einen ordentlichen Geheimdienstler gehört. Er soll den israelischen Soldaten Gilad Schilat aus den Fängen der Hamas herausgehauen (besser: herausverhandelt) haben. Aber auch das ist geheim. Immerhin hat der BND jetzt erstmals bestätigt, dass die Deutschen im Fall Schalit erfolgreich vermittelt haben.
Da wäre schon mal die Sache mit dem Namen. Gerhard mit Vornamen, aber dann: Konrad oder Conrad? Mal wird der deutsche Geheimdienstler, der für den spektakulären Gefangenenaustausch zwischen Israelis und Palästinensern vermittelte, mit K geschrieben, mal mit C. Aber was soll's: Getrost darf man davon ausgehen, dass der Mann vom Bundesnachrichtendienst in Wahrheit ganz anders heißt.
Überhaupt umgibt den Vermittler - oder Facilitator (auf deutsch Förderer, Erleichterer), wie das auf Englisch vielleicht besser beschrieben wird - eine Aura der Geheimniskrämerei. Bis heute existiert von dem BND-Mann, der schon seit vielen Jahren im Nahen Osten aktiv ist, kein einziges Foto. Aber das gehört in seinem Job natürlich dazu.
Auch das Aussehen wechselt: Zur Zeit trägt Konrad (oder Conrad) Schnauzbart und Brille, das Haar grau meliert. Er ist um die 50, etwa 1,85 Meter groß, kräftige Statur, verheiratet mit einer Frau, die ebenfalls beim BND ist. Bei offiziellen Terminen kleidet er sich mit Anzug und Krawatte. Eher der Typ Manager als Geheimdienst-Beamter.
Im Austausch sollen 1027 palästinensische Gefangene aus der Haft entlassen werden. zum Video
Der BND-Mann hat in Heidelberg Islamwissenschaften studiert. Er spricht perfekt Arabisch, Französisch und Englisch. Dann arbeitete er an den deutschen Botschaften in Syrien und im Libanon. Seit zehn Jahren ist er offiziell in der BND-Zentrale angesiedelt, als "Mann für die besonders schwierigen Fälle", wie das die "Süddeutsche Zeitung" nennt.
Schon 2004 war er dabei, als zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah ein Häftlingsaustausch ausgehandelt wurde. Bekannt wurde er vor zweieinhalb Jahren: 2008 wurden die Leichen zweier israelischer Soldaten gegen fünf in Israel inhaftierte Hisbollah-Männer sowie 200 Leichen von Kämpfern der Miliz ausgetauscht. Ein Papier aus dem Kanzleramt listete damals 700.000 Flugkilometer für ihn auf. Seither trug er den Namen "Mister Hisbollah".
Jetzt war das Schicksal des in den Gazastreifen entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit wieder so ein besonders schwieriger Fall. Offiziell wird von deutscher Seite mit der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas überhaupt nicht gesprochen. Konrad (oder Conrad) war deshalb zwischen beiden Seiten mit persönlichem Mandat unterwegs. Was ihn aber nicht daran hinderte, höchste deutsche Regierungsstellen regelmäßig zu informieren.
Der BND hat in der Region einen guten Ruf - was auf der Welt nicht überall so ist. Die Deutschen gelten als ehrlicher Makler, die keine Seite übervorteilen. Nur einmal - im vorigen Sommer - kündigte ein Hamas-Sprecher die Zusammenarbeit auf, weil der Vermittler einseitig israelische Positionen übernommen habe. Der Hamas-Statthalter im Gazastreifen, Mahmud al-Sahar, entschied jedoch, Konrad (oder Conrad) im Spiel zu lassen. Nun nennt man den Deutschen auch "Mister Hamas".
Die Hauptarbeit leistete wohl Ägypten. Aber bei der Bekanntgabe von Schalits baldiger Freilassung dankte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ausdrücklich nicht nur Kanzlerin Angela Merkel, sondern auch dem "deutschen Vermittler" - ohne einen Namen zu nennen. Über die Details schweigen sich die deutschen Stellen hartnäckig aus. Das "Allerwichtigste" sei jetzt, dass Schalit endlich freikomme, heißt es in der Spitze des Auswärtigen Amts.
BND-Chef Ernst Uhrlau bestätigte am Freitag im ARD-"Morgenmagazin" aber immerhin erstmals, dass der deutsche Auslandgeheimdienst beteiligt war. Die bevorstehende Freilassung sei ein "großer Erfolg" - "und wenn Deutschland und der BND dort einen Anteil hatten, dann macht uns das auch stolz".
Quelle: dpa
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