07.04.2011, 18:11 Uhr
Japanische Polizisten suchen in Schutzanzügen nach weiteren Leichen in der 20-Kilometer-Zone rund um das havarierte AKW Fukushima (Foto: AP) (Quelle: AP)
Knapp vier Wochen nach dem Erdbeben und Tsunami in Japan suchen Bergungstrupps an der verwüsteten Nordostküste verstärkt nach Todesopfern. Hunderte Polizisten und Soldaten rückten am Donnerstag aus, um Leichname zu finden, bevor sie zur Unkenntlichkeit verwest sind. Vor allem in der Sperrzone um das havarierte Atomkraftwerk in Fukushima hatte radioaktive Strahlung die Suche bislang verzögert.
Bei der Katastrophe sind vermutlich bis zu 25.000 Menschen ums Leben gekommen. 12.500 Todesfälle wurden bislang bestätigt. Mehr als 14.700 Menschen werden noch vermisst. Die Zahlen überschneiden sich zum Teil, weil noch nicht alle geborgenen Toten identifiziert werden konnten.
Weil die Zeit allmählich knapp wird und die Strahlung aus dem Atomkraftwerk sich einigermaßen stabilisiert zu haben scheint, wurden die Bemühungen verstärkt, Tote zu bergen und zu identifizieren. "Wir müssen sie jetzt finden, weil die Leichen verwesen", erklärte Polizeisprecher Ryoichi Tsunoda in der Präfektur Fukushima. "Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Gefahr radioaktiver Strahlung." 330 Polizisten und 650 Soldaten in weißer Strahlenschutzmontur durchkämmten die Gegend. Sie konzentrierten sich dabei auf die evakuierten Gebiete im Umkreis zwischen zehn und 20 Kilometern um das Kraftwerk.
Nachdem das Leck im AKW Fukushima I gestopft werden konnte, durch das kontaminiertes Wasser ins Meer strömte, begannen Techniker mit der Einleitung von Stickstoff. Damit soll die Gefahr weiterer Wasserstoffexplosionen verringert werden, wie sie kurz nach dem Tsunami die Reaktorgebäude gesprengt hatten. Innerhalb der nächsten sechs Tage soll das Gas in alle drei problematischen Reaktorblöcke gepumpt werden.
Die Strahlenbelastung im Meer vor dem Atomkraftwerk Fukushima ist trotz des reparierten Risses weiter hoch. Wie der staatliche Nachrichtensender NHK meldete, ergaben Messwerte vom Mittwoch eine um das 140.000-fach erhöhte Belastung mit dem radioaktiven Jod-131. Mit 5600 Becquerel pro Kubikzentimeter sei die Strahlung aber nur noch halb so hoch wie am Vortag, hieß es unter Berufung auf Daten des Betreibers Tepco. Ein vorläufiger Höchstwert war am 2. April mit dem 7,5-Millionen-Fachen der zulässigen Strahlenbelastung gemessen worden.
Der seit Wochen aus der Öffentlichkeit verschwundene Chef von Tepco hat sich unterdessen zurückgemeldet. Wie der Energiekonzern mitteilte, kehrte Masataka Shimizu zur Arbeit zurück, nachdem er am 29. März mit Schwindelgefühlen und Bluthochdruck ins Krankenhaus gekommen war. Bei einer Pressekonferenz war der Tepco-Präsident am 13. März zum letzten Mal öffentlich aufgetreten - zwei Tage nach Erdbeben und Tsunami. Tepco prüft nun, ob Shimizu künftig wieder an Pressekonferenzen teilnimmt.
Die US-amerikanische Atomaufsicht, die die japanischen Kollegen berät, warnte derweil vor mehreren anhaltenden Probleme. So verstopfe das Salz des zur Notkühlung benutzten Meerwassers vermutlich Leitungen, was die Stabilisierung der überhitzten Brennelemente erschwere. Zudem könne das Gewicht des in die Reaktoren gepumpten Wassers das Risiko erhöhen, dass die Druckbehälter bei einem Nachbeben reißen könnten. Die japanische Atomaufsicht (NISA) räumte ein, dass die Behälter möglicherweise Schaden genommen haben könnten. "Wir wissen nicht, was mit den Druckbehältern passiert ist", sagte Sprecher Hidehiko Nishiyama.
Mit einem unbemannten US-Flugzeug will Japan nun die Strahlenbelastung über dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima I prüfen. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Regierungskreise. Das ferngesteuerte Flugzeug vom Typ "T-Hawk" solle vor allem im Umfeld der Wasserbecken, in denen Brennstäbe lagerten, Messungen anstellen. Die Nutzung des Flugzeugs sei Japan von der US-Regierung angeboten worden, hieß es in dem Bericht weiter.
Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt den möglichen Niederschlag, der Radioaktivität auf das Festland oder ins Meer tragen könnte, rund um Fukushima. zum Video
Um den Menschen in den Katastrophenregionen ihre Anteilnahme zu zeigen, will das japanische Kaiserpaar in den Nordosten des Landes reisen. Das gab das Haushofamt bekannt. Staatsoberhaupt Akihito und seine Frau Michiko wollten den Menschen persönlich Mut machen. Den beiden sei es dabei wichtig, dass sie mit ihrem Besuch niemandem zur Last fallen.
Zunächst soll das Kaiserpaar am Freitag ein Auffanglager in der Tokioter Nachbarprovinz Saitama besuchen. Dort sind rund 1200 Flüchtlinge aus Futaba in der Provinz Fukushima in einer früheren Oberschule untergekommen. In Futaba steht das zerstörte Kernkraftwerk Fukushima I.
Es ist das zweite Mal, dass das Monarchenpaar in einem Lager Opfern der Katastrophe in Zwiegesprächen Trost spendet. Nicht mit großen Worten, sondern mit kleinen Gesten zeigt sich die Kaiserfamilie derzeit mit ihrem gebeutelten Volk solidarisch. Am Mittwoch hatten der älteste Sohn des Kaisers, Kronprinz Naruhito, und dessen Gemahlin Masako bei einem Besuch in einer Notunterkunft in Tokio den Opfern ihre Solidarität bekundet.
Der Kaiser ließ auch Baderäume für Bedienstete in einer kaiserlichen Villa nahe der Unglücksregion für Flüchtlinge öffnen. Um die Bemühungen zum Energiesparen zu unterstützen, lässt der 77-jährige Akihito in seiner Residenz in Tokio jeden Tag für ein paar Stunden den Strom abschalten. Nach Medienberichten hat das Kaiserpaar zudem Geld in die Katastrophenregion geschickt.
Quelle: dapd , dpa
POLAK schrieb:
am 7. April 2011 um 15:50:23
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Physik ist eine Wissenschaft lehre!!!
Warum die „Atomexperten“ verbreiten „Germanpanick“ im Medien, statt im Physikbücher
nachzuschauen bleib für mich ein Geheimnis. Propaganda verdrängt Wirtschaftliche wissen. Im Japan und im Deutschland Physik regeln sind gleich. Ich habe schon lange nicht so viele physikalische Unsinn gelesen, wie letzte 3 Wochen von euren „Experten“.
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