Kahler Kopf, wachsame schwarze Augen: Japans neuester Roboter, der Gefühle lernen soll (Foto: AFP)
Die kahlköpfige Kreatur im Kinderformat sitzt auf einem Stuhl und lässt die Beine baumeln. Ihre Schultern heben und senken sich mit jedem Atemzug, während die schwarzen Augen alle Bewegungen im Raum registrieren. Das Geschöpf ist kein Mensch, aber es nimmt alles auf. Unter der weichen, hellgrauen Silikonhaut verarbeiten Prozessoren laufend alle Daten. Willkommen bei den Maschinen von morgen: Der 130 Zentimeter große Android ist einer der höchstentwickelten Roboter Japans. Weil er dazulernen kann wie ein Kleinkind.
Beobachten und imitieren
"Babys und Kleinkinder haben sehr begrenzte Programme. Aber sie haben die Kapazität, mehr zu lernen", sagt Minoru Asada, Professor an der Universität von Osaka. Um soziale Fertigkeiten zu entwickeln, muss der "Kind-Roboter CB2 mit biomimetischem Körper" - also einem der Natur nachempfundenen Körper - mit Menschen umgehen und ihren Gesichtsausdruck beobachten und imitieren. Die 33 Kilogramm schwere Maschine soll nach dem Willen der Wissenschaftler wie ein Baby denken, das beispielsweise die zahllosen Gesichtsausdrücke seiner Mutter ergründet und sie in Kategorien wie Glück oder Traurigkeit bündelt. An dem Projekt arbeiten Roboteringenieure mit Hirnspezialisten, Psychologen und Experten anderer Disziplinen zusammen.
Mit 197 hauchdünnen Drucksensoren unter seiner gummiartigen Haut nimmt CB2 menschliche Berührungen wahr, beispielsweise wenn ihm jemand über den Kopf streicht. Mit den Kameras in seinen Augen registriert der Roboter laut Asada Emotionen bei seinem Gegenüber, prägt sie sich ein, verbindet sie mit körperlichen Empfindungen und speichert sie auf seiner Platine in sogenannten Clustern - in logischen Zusammenhängen - ab.
Laufen gelernt
Seit seiner ersten Vorstellung im Jahr 2007 hat das Maschinenkind nach Angaben von Asada einiges dazu gelernt. Demnach kann CB2 mithilfe eines Menschen inzwischen laufen. Dank 51 mit Druckluft gesteuerten Muskeln bewegt es sich recht gewandt durch einen Raum. In zwei Jahren soll der Roboter an die Intelligenz eines zweijährigen Menschenkindes herankommen und einfache Sätze sagen können.
Sexy Roboter auf dem Laufsteg?
Seit der Autohersteller Honda in den 90er Jahren mit den ersten Robotern vom Typ P2 die Welt verblüffte, hat sich auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz viel getan. Japanische Forscher stellten einen sprechenden Empfangsroboter vor, einen Wachmann und einen Grundschullehrer. Toshiba arbeitet an der Entwicklung eines Robo-Butlers, der alleinstehenden Senioren im Haushalt helfen soll. Bald könnte auch statt eines Models aus Fleisch und Blut ein Roboter-Mädchen über den Laufsteg schreiten, für Lächeln oder Schmollmund sind bei HRP-4C 42 Motoren im Gesicht zuständig.
Sekretärin wäre schon machbar
Schon um das Jahr 2020 herum könnten Tausende humanoide Roboter neben Menschen arbeiten, sagt Fumio Miyazaki, Professor für Ingenieurswissenschaft an der Universität von Osaka. Für eine Roboter-Sekretärin beispielweise brauche es "keinen größeren technischen Durchbruch mehr".
"Roboterfreundlich eingestellt"
Während im Westen düstere Science-Fiction-Szenarien wie Bladerunner oder Terminator das Image der Roboter trüben, ist Japan offener für künstliche Helfer. "Japaner sind roboterfreundlich eingestellt", sagt Takashi Yoshimi, der bei Toshiba forscht. Seiner Meinung nach hat das in der japanischen Kultur verankerte animistische Wertesystem wesentlichen Anteil an dem Glauben, dass menschenartige Maschinen eine eigene Seele haben könnten.
"Sie haben ein Herz"
"Roboter haben ein Herz", sagt zum Beispiel der Planungschef der Firma Kokoro, Yuko Yokoto. Die Tokioter Firma entwickelt lebensgroße, sprechende Roboter. "Wenn man einen Roboter herstellt, gibt es einen Moment, wenn seine Augen anfangen zu leuchten", erzählt er. "Dann wissen wir, dass unsere Arbeit getan ist."