10.04.2011, 12:19 Uhr | Von Christina Rath
Das japanische Kaiserpaar, Akihito und seine Frau Michiko, hat die Opfer der Katastrophe besucht (Foto: dpa)
Am Abend des Erdbebens in Japan wird im Fernsehen ein alter Mann interviewt. Er sagt, er habe seine Familie und sein Haus verloren. Und er lächelt. "Es ist ein trauriges, ein gequältes Lächeln", sagt Franziska Ehmcke, Professorin für Japanologie an der Universität Köln. "Wer genau hinschaut, kann das auch sehen."
Das Lächeln sei eine soziale Technik, die die Menschen in Japan von kleinauf gelernt haben, erklärt Ehmcke.
Mehrfach habe sie selbst etwa in Japan beobachtet, wie jemand einer Straßenbahn hinterherrennt und sie schließlich doch verpasst. Ein Deutscher hätte möglicherweise geflucht und gestikuliert, der Japaner dagegen lächelt. "Auch wenn es eher eine Grimasse ist."
Dahinter stehe eine Haltung, die in unseren Breiten oft nicht verstanden wird: Vorsichtig und rücksichtsvoll agieren, sich selbst zurücknehmen, nicht zu weit vorpreschen, abwarten. "Der alte Mann, der alles verloren hatte, wollte anderen sein eigenes Leid nicht aufbürden, sie nicht mit seinen eigenen Befindlichkeiten belasten", so die Japanologin.
Weltweit ist das japanische Nationalgericht ein Exportschlager. Doch die Fischindustrie leidet unter den Folgen der Atomkatastrophe. zum Video
Selbst als vor wenigen Tagen das japanische Kaiserpaar seinen Besuch im Katastrophengebiet ankündigte, betonte das Haushofamt, den beiden sei es wichtig, dass sie mit ihrer Anwesenheit niemandem zur Last fielen. "Sonst würde den Betroffenen zu viel Kraft und Energie abgesogen, die sie für andere Dinge brauchen."
Eine solche Haltung hat ihren Ursprung in sehr spezifischen Kommunikations- und Verhaltensregeln, die sich von den unseren in vielem unterscheidet, erklärt Ehmcke. Während bei uns die Erziehung zum Individuum im Vordergrund stehe, seien die Japaner sehr gemeinschaftsorientiert, sind sich der Gemeinschaft viel bewusster.
"Dabei wechselt diese Gemeinschaft ständig, mal ist es die Familie, der Ehepartner, sind es die Arbeitskollegen, die Freunde." Es werde immer mit bedacht, in welcher Gemeinschaft man sich gerade befindet, und danach werde das Verhalten, situationsbezogen, ausgerichtet.
Die Lage in dem Unglücksmeiler scheint schlimmer als gedacht. Ein Mitarbeiter beschuldigt die Regierung, die Gefahr zu verharmlosen. zum Video
Im Angesicht der Atomkatastrophe sei es eben die große Gemeinschaft aller Japaner, in der sich der Einzelne befinde. Diese Gemeinschaft gilt es zu schützen und so sind die japanischen Medien - zum Beispiel der öffentlich-rechtliche Fernsehsender NHK oder die Nachrichtenagentur Kyodo - angewiesen, diese nicht in Panik zu versetzen.
Dennoch würden die Japaner "nicht künstlich dumm gehalten", sie seien im Gegenteil sehr gut informiert, und wüssten genau um die Gefahren, in denen sie schwebten, betont die Expertin. Im Land gibt es neben der offiziellen Nachrichtenorganen auch andere, eher boulevardeske Medien, die viel offener berichten und auch deutliche Kritik üben. "Japan hat eben diese beiden Gesichter, das offizielle und das inoffizielle", fasst die Kulturwissenschaftlerin zusammen. Wie das lockere Geschäftsessen nach dem offiziellen Verhandlungstermin, bei dem das Atmosphärische, Vertraute zugelassen wird. "Und beide gehören zum Leben dazu."
Vor diesem Hintergrund werde auch klar, warum der Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima, Tepco, auf Pressekonferenzen gleich von mehreren Menschen gemeinsam vertreten wird. "So wird die Verantwortung auf mehrere verteilt."
Auch Entscheidungen werden in der Regel gemeinsam getroffen - "auch wenn es dann etwas länger dauert. Ein Japaner würde niemals sofort seine Meinung sagen", betont Ehmcke. Erst würde er die Meinung der anderen indirekt herausspüren, um dann vorsichtig seine eigene zu sagen. "Man will den anderen nicht verletzten, will Möglichkeiten offenlassen."
So kommt es im interkulturellen Austausch immer wieder zu Missverständnissen. In diesem Kontext sieht die Japanologin auch die Diskussionen darüber, dass Japan scheinbar zu stolz war, ausländische Hilfe ins Land zu lassen. "Japan ist ein hochindustrialisiertes, reiches Land", sagt Ehmcke. Japanische Helfer seien bei Katastrophen weltweit sehr angesehen. "Sie können unglaublich gut helfen."
Und nun, da in Japan selbst ein Unglück passiert ist, sei im Ausland der Wille zu helfen groß. "Doch man hätte vielleicht vorher viel mehr nachfragen müssen, ob Japan die Hilfe von außen überhaupt will", glaubt die Expertin. Vielleicht habe sich Japan ja zunächst selber helfen wollen, um dann gezielt andere Länder um Unterstützung bitten. "Es hat also weniger mit Stolz zu tun. Hier ist vieles unglücklich kommuniziert worden."
Quelle: t-online.de
Eine Japanerin schrieb:
am 17. April 2011 um 12:45:43
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Masafumi Uno
Meines Erachtens waren Nachrichten über Atomkatastophe von dt.Medien kein "Pnikmache". Aufgrnd mangelnder Information über
havarierten Reaktoren konnten und mussten Experten einfach die Situation einschätzen. Ich fande gut, dass man in Dtl. die Möglichkeit und "Freiheit" hat, verschiedene Meinung und Information zu erfahren.Wenigstens kann man sich daraus selber eigene Meinung bilden und sich auf Schlimmsten vorbereiten.
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Chriwowo schrieb:
am 14. April 2011 um 15:35:24
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Masafumi Uno:
Wer ist dieser Herr besserwisser Masafumi Uno, in der Sache Atomenergie wird so viel gelogen und vertuscht. Wo sollen denn die
ganzen Japaner hin? Es wird nun ein strahlendes Volk. Warten wir mal ab bis das der Wind dreht, was dann die Chinesen sagen. Geld ist nicht schmutzig, Geld wird strahlend. Sterben müssen wir alle, ob duch Dioxin, Oeldämpfe, Chemie, oder Atom. Bald werdet IHR merken, das man Geld nicht essen oder trinken kann.
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dos schrieb:
am 14. April 2011 um 14:39:05
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zwei Gesichter
@Lupo, "glauben" heisst "nicht wissen".
Ich war selbst über 3Jahre mit einer Japanerin zusammen und hab auch mehrere Monate
in Japan verbracht.
Der Artikel beschreibt äusserst treffend das japanische Verhalten, aus eigener Erfahrung kann ich das bestätigen.
Ansichten wie die Ihre stellen eine typische Fehleinschätzung aus Sicht eines Gaijin dar.
Unser eurpäischer Iindividualismus-Wahnsinn wirkt da eher "rückständig" als das japanische Gemeinschafts-Denken.
dos
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