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Japan: Drastisch erhöhte Strahlung im Meerwasser vor Fukushima

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Drastisch erhöhte Strahlung im Meerwasser vor Fukushima

26.03.2011, 19:42 Uhr

Fukushima: Rauch steigt von dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima auf (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Rauch steigt von dem beschädigten Atomkraftwerk Fukushima auf (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Die radioaktive Verstrahlung der Küstengewässer vor dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat einen neuen Höchstwert erreicht. Die Belastung von Meerwasser nahe der Anlage mit Jod-131 übertraf den zulässigen Grenzwert um das 1250-Fache, teilte die Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) mit. Zuvor wiesen die 330 Meter südlich der Anlage entnommenen Proben lediglich eine 100 Mal so hohe Strahlenbelastung aus. Der AKW-Betreiber Tepco räumte ein, dass mit großer Wahrscheinlichkeit radioaktives Wasser aus den Atomkraftwerk ins Meer geflossen ist.

Internationale Reedereien vermeiden es aus Angst vor Strahlenbelastungen, die Häfen von Tokio und Yokohama anzulaufen. Wie die Zeitung "New York Times" berichtete, hätten mehrere große Reedereien den Frachtverkehr gestoppt oder eingeschränkt. Dagegen würden die von Fukushima weiter entfernten Häfen wie Osaka und Kobe weiterhin angelaufen.

Auswirkungen angeblich gering

Zu der stark radioaktiv verseuchten Meerwasserprobe sagte ein Sprecher der Behörde für Atomsicherheit, würde ein Mensch einen halben Liter Wasser mit einer solchen Jodkonzentration trinken, dann hätte er auf einen Schlag die Menge an radioaktivem Jod zu sich genommen, die er in einem Jahr aufnehmen könne. Am Dienstag hatte der Wert bei Messungen noch um das knapp 127-fache über der zulässigen Grenze gelegen.

Die Auswirkungen der deutlich angestiegenen Konzentration auf die Umwelt seien aber vergleichsweise gering, sagte der Behördensprecher. Sie müsse deutlich höher sein, um von Algen oder Meerestieren aufgenommen zu werden. Zudem betrage die Halbwertzeit von Jod 131 lediglich acht Tage. Ein Experte des französischen Instituts für Atomsicherheit warnte allerdings, die Konzentration könne auf einen beschädigten Reaktorbehälter hinweisen.

Unterdessen arbeiten die Helfer am AKW derzeit an zwei Fronten. Einerseits versuchen sie, das radioaktiv verseuchte Wasser aus den Reaktorgebäuden wegzuschaffen, um die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzen zu können. In den Reaktorblöcken 1 bis 4 war radioaktives Wasser mit teilweise 10.000-fach erhöhter Strahlung ausgetreten, das entweder aus dem Reaktorkern oder aus dem Abklingbecken für abgebrannte Kernbrennstäbe stammt. Das verstrahle Wasser in Block 1 des Atomkraftwerks Fukushima enthält hohe Mengen von Cäsium 137. Dieses radioaktive Isotop war auch nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor nahezu 25 Jahren in großen Mengen in die Umwelt gelangt.

Acht radioaktive Substanzen festgestellt

Die japanische Reaktorsicherheitsbehörde veröffentlichte am Samstag eine Analyse dieses Wassers, wobei acht radioaktive Substanzen festgestellt wurden. An der Spitze der Aktivität steht Cäsium 137 mit 1,8 Millionen Becquerel. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo steht das verstrahlte Wasser am Boden von Räumen in der Nähe des Reaktorbehälters in Block 3 anderthalb Meter hoch. In Block 2 sind es ein Meter, in Block 4 stehen 80 Zentimeter und in Block 1 wurden 40 Zentimeter gemessen.

Nachrichten
Japan: Mitschuld an Verletzungen?

Der AKW-Betreiber Tepco macht den drei verstrahlten Arbeitern am Unglückswerk Fukushima Vorwürfe. zum Video

Kühlung mit Meer- und Süßwasser

Zweiter Schwerpunkt bleibt die Kühlung der Reaktorblöcke 1 bis 3 mit Wasser von außen, um die drohende Überhitzung zu stoppen. Wegen der hohen Strahlenbelastung geschah dies nach einem Bericht des Fernsehsenders NHK aus größerer Entfernung als bisher.

Dabei wurde nun nicht mehr Meerwasser, sondern Süßwasser eingesetzt. Mehrere Experten, vor allem in den USA, haben sich besorgt über eine durch Meerwasser verursachte Verkrustung der Kernbrennstäbe mit Salz geäußert. Am Freitag kündigte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa an, es sei notwendig, sehr schnell die Umstellung auf eine Kühlung mit Süßwasser zu erreichen. Dazu habe die US-Regierung ihre Hilfe angeboten.

Nachrichten
Fukushima: Minuten nach dem Tsunami

Dieses Video zeigt das zerstörte Atomkraftwerk etwa 40 Minuten nach dem Erdbeben und dem Tsunami. zum Video

Die Lage im Atomwrack selbst hat sich nach Aussagen von Regierungssprecher Yukio Edano derweil nicht weiter verschlechtert. Es sei aber nicht möglich, genau zu sagen, wann die Atomkrise vorbei sei, sagte Edano. Am Samstag gab es wenigstens einen kleinen Fortschritt: Im Kontrollraum von Reaktor 2 brannte wieder Licht. Damit ist nun in drei Kontrollräumen das Licht wiederhergestellt.

Insgesamt 17 Arbeiter verstrahlt

Nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind noch viele Vorarbeiten nötig, bevor Ingenieure die vermuteten Lecks in den Reaktoren untersuchen und eventuell abdichten können. Der IAEA-Sicherheitssprecher Denis Flory erklärte, zunächst müssten die Reaktoren weiter gekühlt werden, um überhaupt erst eine Umgebung zu schaffen, in der Menschen innerhalb des Reaktors arbeiten und den Schaden beurteilen könnten. "In dieser Phase sind wir noch lange nicht", sagte Flory.

Foto-Serie: Satellitenbilder von Japan
6 Bilder von 8

Seit Beginn der Krise im Atomkraftwerk Fukushima wurden nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo vom Samstag 17 Arbeiter verstrahlt. Dabei wurden nur diejenigen Unfälle berücksichtigt, bei denen eine Radioaktivität von mehr als 100 Millisievert gemessen wurde - dies entspricht der maximalen Belastung für AKW-Arbeiter über ein ganzes Jahr hinweg. Allerdings hat das Arbeitsministerium diesen Grenzwert für Arbeiter in Fukushima jetzt auf 250 Millisievert heraufgesetzt.

Bei dem Unfall vom Donnerstag im Turbinengebäude von Block 3 wurden zwei Arbeiter ohne Schutzstiefel nach Informationen von NHK einer Strahlenbelastung von 2000 bis 6000 Millisievert ausgesetzt.

Anstieg des radioaktiven Jods in Deutschland

Die Konzentration des in Deutschland gemessenen radioaktiven Jods aus Japan ist leicht gestiegen. Die Dosis sei aber immer noch so gering, dass es keine gesundheitlichen Bedenken gebe, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. "Der leichte Anstieg war erwartet worden."

Messungen an der Station Schauinsland bei Freiburg hätten am Samstag einen vorläufigen Wert von 500 Mikrobecquerel je Kubikmeter Luft ergeben. Einen Tag zuvor waren es noch 58 Mikrobecquerel.

Video
Niederschlag in Japan

Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt den möglichen Niederschlag, der Radioaktivität auf das Festland oder ins Meer tragen könnte, rund um Fukushima. zum Video

"Es ist so kalt, dass wir nichts machen können"

Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt behinderten am Samstag die Aufräumarbeiten im Katastrophengebiet im Nordosten der japanischen Hauptinsel Honshu. "Es ist so kalt, dass wir nichts machen können", sagte ein Überlebender dem Fernsehsender NHK, der zusammen mit seiner Frau in sein beim Erdbeben beschädigtes Haus zurückkehrte. In einigen Orten unterstützten Freiwillige die Betroffenen, ihr Hab und Gut in zerstörten Häusern zu sichern.

Langsam läuft die Bereitstellung von Behelfsunterkünften an. Das sind einfache Häuser aus Holz, die individuell genutzt werden können. Die mit am schwersten getroffene Stadt Rikuzentakata in der Provinz Iwate nahm am Samstag als erste Gemeinde Anträge für solche Häuser entgegen.

Video
Windverteilung AKW Japan

Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt, wie sich radioaktive Partikel - sofern vorhanden - über den Wind verteilen könnten. zum Video

Besorgt äußerte sich die EU-Kommissarin für Humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa. Die Menschen in der Katastrophenregion benötigten schnellere Informationen zur radioaktiven Verseuchung ihrer direkten Umgebung, sagte sie nach einem Besuch in der Region. Viele wüssten nicht, wie es in ihrer jeweiligen Gegend aussehe.

Bei dem Erdbeben der Stärke 9,0 und dem dadurch ausgelösten Tsunami kamen nach offiziellen Angaben mindestens 10.489 Menschen ums Leben. Als vermisst gelten noch 16.621 Menschen, so dass die Behörden eine weiter steigende Zahl von Todesopfern erwarten.

Der Tsunami hatte eine Fläche von rund 470 Quadratkilometern entlang der Küste überflutet, berichtete die japanische Geodaten-Firma Pasco, die dafür Satellitendaten ausgewertet hatte.


Quelle: AFP , dapd , dpa

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Kommentare (365)

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Broken Earth schrieb: am 27. März 2011 um 12:30:19
(0) (0) Atomkraft !
Ich denke am ende sind , nein stehen wir alle vor dem Problem , Ohne Atomkraft wird alles Teuerer ! Mit Konventioneller Energie
, es muss nur was schlimmes passieren, Bei Windkraft bricht ein Flügel und fliegt in eine Meute von ??? ! Die aufregung ist groß und dann heisst es " Weg mit der WK " Braunkohle sehen wir selbst ! Gas = Sehen wir auch , Peng und wieder ein Loch!!!! Und nun Bio !!! Wo Bio drauf steht steckt doch niemals 100% Bio hinter ! Also lassen wir so wie´s ist ! Atom ja bitte !
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Broken Earth schrieb: am 27. März 2011 um 12:18:35
(0) (0) End of....
Also warum regt ihr euch alle bloss auf ???? Wenn man jetzt alle Schalter abstellen wurde , was ist dann??? Da wo nichts
passierte wo waren da all die leute die sagten Atomkraft Nein danke ??? Ich habe keine auf den Strassen gesehen !!!! Ich sage Atom Kraft Ja warum nicht ! Aber wenn dann macht es Halbwegs Sicher ! Glaubt ihr denn das Windkraft besser ist ?? Nein dann regen sich wieder welche auf wegen Lärmbelästigung und Kohle "Hallo CO2" ist also auch keine Lösung! Solar ??? auch net!
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VerstehNix schrieb: am 26. März 2011 um 19:29:55
(0) (0) Japan
Was kommt nach Japan ? Der Super-GAU in Tschernobyl verseuchte weite Gebiete in Russland, Weißrussland und der Ukraine radioaktiv und
machte sie zum Teil unbewohnbar. Der Unfall brachte großes Leid über viele Menschen in den betroffenen drei Staaten. Die Folgen sind weithin bekannt: Viele Tausend Menschen starben und sterben noch an den Folgen der Strahlung. 350.000 Menschen mussten evakuiert und umgesiedelt werden. Regionen sind für Generationen unbewohnbar.
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