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Paul Potts überrascht Leipziger mit Live-Auftritt
09.11.2009, 11:51 Uhr
Von Evelyn Bongiorno-Schielke, Leipzig
Paul Potts überraschte die Leipziger mit einem Live-Auftritt im Hauptbahnhof (Foto: Tribal DDB)Eine gewisse Spannung liegt in der Luft. Mehrere Grüppchen von jungen und älteren Leuten schlendern scheinbar ziellos durch die Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs. Sie tuscheln, checken ihre SMS. Plötzlich strömen innerhalb weniger Minuten noch mehr Menschen herbei. Einige Reisende reagieren erstaunt, als sie mit ihrem Gepäck kaum durch die Menge durchkommen. „Meine Güte, was ist hier denn heute los?“, sagt ein Vater mit seinen drei Kindern im Schlepptau. "Irgendwas passiert hier gleich“, erwidert eine Frau. "Ein Flashmob oder wie das im Internet immer heißt“.
Plötzlich erhebt sich mitten aus dem Getümmel die Stimme eines Mannes, der sich singend an den Leuten vorbeischlängelt. Neugierig wenden die Leute die Köpfe. Der ältere Herr mit grauen Haaren, rotem Hemd und dunkler Strickjacke erkämpft sich schließlich einen Platz oben auf der Treppe und begrüßt die Menschen mit einem "Hallo, wie geht’s?“ Dann schmettert er: "Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, Wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum." Es ist der britische Chorleiter James Wood, der die Leute mit enthusiastischen Armbewegungen auffordert, mit ihm zu singen und dieses Lied spontan einzuüben.
Paul Potts singt in Leipzig:
VideoReaktionen auf den Chor ohne Grenzen
Video Zeitzeugen erinnern sich
Menschen stimmen ein
Erst zögernd und ganz sacht, dann immer lauter stimmen die tausend anwesenden Menschen in diesen Chor ein. Jung und alt, Menschen aus Ost und West wiegen sich schließlich zu dem von Beethoven vertonten Schiller-Gedicht "Ode an die Freude" - der inoffiziellen Hymne der Deutschen Einheit. Es ist ein Dank an die Bürger Leipzigs, der Stadt der Helden. Mit ihren mutigen Montagsdemonstrationen trugen sie maßgeblich dazu bei, dass vor 20 Jahren eine friedliche Revolution in der DDR stattfinden konnte und die Mauer fiel.
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"Ja, so cool ist Leipzig"
Eine Rentnerin mit rotem Samtkäppchen singt fleißig mit und bekennt frei heraus: "Schiller und Beethoven, die hatten es einfach druff.“ Zwei junge Frauen umarmen sich, singen voller Inbrunst mit und fotografieren sich, um diesen einzigartigen Moment festzuhalten. "Wir haben uns seit zwanzig Jahren endlich wieder gesehen und jetzt stehen wir plötzlich hier und alle singen", sagen sie ungläubig. Ein junges Mädchen muss sich beeilen, um zu ihrem Zug zu kommen, sie sprintet quer durch die singende Schar und ruft den Leuten zu: "Ja, so cool ist Leipzig.“
Paul Potts als Überraschungsgast
Plötzlich recken die Menschen die Köpfe. Eine Frau flüstert ihrem Begleiter zu: "Da ist ja
Paul Potts, da, da vorne.“ Der britische Tenor kommt die Treppe hinunter. Zwischen den vielen Menschen scheint er erstmal in der Menge unterzugehen. Doch kaum stimmt er die "Ode an die Freude" an, ragt er stimmgewaltig heraus und zieht alle Blicke auf sich. Schließlich stimmen alle zusammen in ein fulminantes Finale ein und beenden die Hymne mit dem Satz "alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt“ und begeistertem Applaus.
"Zum Greifen nah"
Doch so schnell, wie die Menschen sich zusammengefunden hatten, strömen sie wieder auseinander. Die Halle leert sich in Minuten. Paul Potts ganz lässig in Jeans, blau-weiß gestreiftem Hemd und schwarzem Sakko posiert noch für ein Foto, mehrere Fans folgen ihm, doch schon ist er abgeschirmt von den Sicherheitsleuten verschwunden. Eine Frau mit ihrer Tochter blickt ihm erstaunt hinterher und bekennt: "Wahnsinn, ich kenne ihn nur aus dem Fernsehen und plötzlich ist er zum Greifen nah.“
"Immer noch eine Gänsehaut"
"Das war viel zu kurz“, sagt eine Leipzigerin sichtlich enttäuscht, dass der ganze Zauber nach rund zwanzig Minuten schon wieder vorbei ist. "Ich habe immer noch Gänsehaut“, sagte ihre Nachbarin. "Es ist toll, so etwas miterleben zu können.“ Ein älteres Mann findet es schade, dass nur eine Strophe der Ode gesungen wurde. "Ich hätte am liebsten alle drei gesungen", fügt er hinzu. Sein kleiner Enkel sagt ganz stolz: "Ich habe die Melodie des Liedes gleich erkannt". Kein Wunder, der neunjährige Johannes singt in einem Kinderchor.
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"Und plötzlich stand Paul Potts neben mir“
Fünf junge Leipzigerinnen stehen nach dem Event zusammen und notieren sich die Termine, wann das von der Deutschen Telekom initiierte Konzert im Fernsehen übertragen wird. Man merkt ihnen sofort an, dass sie alle noch unter Strom stehen. "Wir waren ganz oben auf der Treppe und haben alle mitgesungen, als plötzlich wie aus dem nichts Paul Potts die Stufen herunterkam und sich direkt neben uns stellte“, erzählt eine der Frauen, Janina Wöckner mit noch immer erstaunten Augen. "Damit haben wir nicht gerechnet - das ging unter die Haut." "Man kennt solche Aktionen ja sonst nur aus dem Internet, aber wenn man selbst dabei ist, ist das doch etwas ganz anderes“, sagt ihre Freundin Susanne Weyhausen. "Plötzlich singen alle zusammen und da entsteht so ein Gemeinschaftsgefühl, genau wie es in dem Lied heißt: alle Menschen werden Brüder."
Leipziger Spontankonzert auch im Fernsehen
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