Drucken
"Fiat Panda von oben bis unten untersucht"
14.10.2009, 11:31 Uhr
Der Grenzübergang Sonnenallee (Archivbild: dpa)
Vor 20 Jahren fiel die BerlinerMauer - ein historisches Ereignis, dass das Ende der DDR und der Teilung Deutschlands besiegelte. t-online.de bat seine Leser, ihre persönliche Geschichte zum 9. November 1989 einzusenden. Von Vera Eber erhielten wir folgenden Beitrag:
"Am 9. November fuhren mein Mann und ich nach Ostberlin. Anlass war ein Friedhofsbesuch. An der Übergangsstelle Sonnenallee wurde unser Auto, ein Fiat Panda, von oben bis unten untersucht. Wir konnten uns das nicht erklären. Warum er das Auto so auseinander nehme, wollte mein Mann von dem jungen Vopo wissen. Wir könnten doch mit dem Wagen keinen Menschen schmuggeln. Nein, meinte der junge Mann, das nicht, aber er hätte solch einen Wagen noch nie gesehen und es interessiere ihn, wie der gebaut sei. Na, meinten wir, wir kommen ja wieder zurück, dann könnte er ihn noch einmal betrachten. Nein, nein, meinte er. Er hätte gleich Feierabend.
#
Alle lachten mich aus
Nach dem Besuch des Friedhofs besuchten wir noch Freunde. Wir saßen noch eine ganze Weile zusammen und quatschten. Ich saß ziemlich dicht neben dem Radio, was die ganze Zeit unsere Unterhaltung untermalte. Es kamen die Nachrichten, West natürlich, und ich hörte den Satz, dass die Ostdeutschen einen Reiseantrag stellen könnten, um in den Westen ausreisen zu können. Ich dachte, ich hätte nicht richtig gehört. Berichtete aber trotzdem von der Nachricht. Alle lachten mich aus. Das sei nicht möglich.
#
Dann lassen die uns nie wieder einreisen
Eine Stunde später - erneut der Satz. Wieder Protest der Umsitzenden. Also wurde beschlossen den Fernseher anzumachen. Und was kam? Schabowski, der die Ausreisemöglichkeit in den Westen verkündete. Die Diskussion unserer Freunde: Wenn wir eine Ausreiseantrag stellen, dann lassen uns die nie wieder einreisen. Ich: Nein, so hat er das nicht gesagt. Ihr könnt ein Visum beantragen und dann auch wieder zurückfahren. Nein, meine Auslegung wurde nicht angenommen.
Auf der Zaunkante standen Kerzen
Langsam wurde es Zeit, sich zu verabschieden. Die Frist unserer Besuchszeit lief ab. Auf zur Grenze. Dort erwartete uns eine kleine Überraschung. Der Vorplatz, sonst menschenleer, da es den Ostberlinern verboten war ihn zu betreten, war etwas gefüllt. Auf der Zaunkante standen brennende Kerzen und die jungen Leute hatten ein Bettlaken gespannt, auf das ein riesiges Herz gemalt war. Es war auch etwas darauf geschrieben, wie HERZLICH ... Ich habe es leider vergessen.
Der Vopo noch auf dem Kontrollpunkt
Rein in den Kontrollpunkt und was sehen unsere Augen - der junge Vopo befindet sich noch auf dem Kontrollpunkt. Über unsere Verwunderung angesprochen, meinte er: Na, sehen Sie denn nicht was hier los ist. Noch ein kurzer Wortwechsel, auch mit seinem Kollegen. Nein, wir hätten uns nicht verhört. Nein, hätten wir nicht.
Westberlin? NEIN!
Ganz schnell bekamen wir unsere Papiere zurück und wünschten den beiden noch viel Spaß später bei einem Besuch in Westberlin. Es kam ein ganz entschiedenes NEIN. Sie gehen bestimmt nicht nach Berlin West. Ich wollte noch die Papiere für die nächste Einreise am nächsten Kiosk mir aushändigen lassen. Der Vopo scheuchte mich davon.
Wir sollten unsere Ausweise zeigen
Wir fuhren auf unsere Kontrollposten zu und was noch nie passiert war - wir sollten unsere Ausweise und die Wagenpapiere zeigen und dazu noch aussteigen. Natürlich protestierten wir und ein Blick auf unser Westberliner Kennzeichen ließ den Polizisten sich entschuldigen: Er hätte gedacht, wir wären Ostberliner. Worüber wir wieder verwundert waren, denn mit uns kam kein Ostberliner durch die Grenze, noch nicht.
Reisen die Vopos wirklich nie in den Westen?
Zu Hause nahm ich mir den Duden vor und schaute mir die Sinngebung des von Schabowski ausgesprochenen Wortes an. Ich hatte recht. Sie konnten wieder zurück und am nächsten Abend standen unsere Freunde vor unserer Tür, ohne ein Visum beantragen zu müssen. Ich hätte in den vielen Jahren zu gerne gewusst, wie es den beiden Vopos ergangen ist und ob sie wirklich nicht den Schritt in den Westen ausführten.
Weitere persönliche Berichte im Mauerfall-Blog
#
#
Quelle: t-online.de