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Die Kegelfahrt des Lebens
13.11.2009, 09:51 Uhr
(Foto: imago)
Vor 20 Jahren fiel die BerlinerMauer - ein historisches Ereignis, dass das Ende der DDR und der Teilung Deutschlands besiegelte. t-online.de bat seine Leser, ihre persönliche Geschichte zum 9. November 1989 einzusenden. Von Ilona Krause erhielten wir folgenden Beitrag:
"Es war am 10. November 1989 früh morgens um sechs Uhr. Mein morgendliches Ritual fängt damit an, das Radio einzuschalten, die Kaffeemaschine in Gang zu setzen und anschließend das Bad aufzusuchen. So auch an diesem Morgen - der allerdings ein besonderer war.
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Fahrt nach Berlin Monate vorher gebucht
Um acht Uhr sollte unsere Kegelfahrt nach Berlin beginnen, gebucht im April 1989! Im Radio begannen gerade die Frühnachrichten und ich traute meinen Ohren nicht. “Die Mauer ist offen, Hunderte von Trabis fahren in Richtung Westen!" Ich träume, dachte ich, aber man hatte ja Tage bzw. Wochen zuvor schon die Nachrichten verfolgt. Aber das es nun so schnell ging, konnte kaum einer ahnen.
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"Und Du live dabei"
Ich habe dann zunächst meinen noch schlafenden Mann geweckt; der mir natürlich nicht glauben wollte, als er es dann selbst gehört hat, war er natürlich hellwach und sagte nur "... und du live dabei!” (Unser Kegelverein bestand aus Kollegen, zu denen gehörte er leider nicht.)
"Seit April saß ich bei Honny"
Ich fuhr dann nach Hannover zum Treffpunkt, von dem es per Bus nach Berlin gehen sollte. Unser “Kegelvater” prahlte dann natürlich “seit April saß ich bei Honny und flehte ihn an, die Grenze zu öffnen; seht ihr, es hat geklappt”.
"Schnell die Pässe, ich will auch noch rüber"
Bereits an der Grenzübergang erfuhren wir die erste Besonderheit: Der Grenzer kam in den Bus, um unsere Pässe zu kontrollieren; jeder, der zu DDR-Zeiten drüben war, weiß, wie so etwas ablief. Nicht so an jenem Freitag: Der Grenzer kam rein und sagte laut: Schnell, schnell die Pässe her, ich will auch noch rüber … Die Situation war gleich entspannt.
Ku'damm voller Menschen
Auf der Gegenfahrbahn wimmelte es nur so von Trabis u.ä. Fremde Leute winkten uns zu, sogar Grenzsoldaten lachten und grüßten. Unser Wochenende selbst lief dann natürlich ganz anders ab, als geplant. Keine See-Sigthing-Tour (es fuhren keine Busse), die Lokale überfüllt. Der Ku'damm voller Menschen. Lange Schlangen vor den Banken. Aber es störte niemanden, dass alles zu Fuß erledigt werden musste.
Mauerstücke als Souvenir
Unser Hotel lag in der Meinekestraße und bis runter zur Mauer über die Straße des 17. Juni waren es etliche Kilometer. Und ein zwar sonniger, aber kalter Novembertag war es außerdem. Wir erlebten, wie die Medien dort ihre Übertragungszelte u.ä. aufbauten, sahen wie die Menschen versuchten auf die Mauer zu klettern, wie die Mauerspechte versuchten, kleine Stücke herauszuschlagen (drei davon habe ich auch als Souvenir mitgenommen). Es war der Wahnsinn pur.
Kräne hoben Mauerplatte heraus
Am Sonntag sollte dann unser Bus gegen elf Uhr zurückfahren. Wir baten dann unseren Busfahrer noch mal zum Potsdamer Platz zu fahren, dort sollte die Grenze an diesem Sonntagvormittag geöffnet werden. Wir konnten erleben, wie die Bagger bzw. Baukräne eine Riesenmauerplatte heraushoben und die Menschen und Autos durch diese Maueröffnung rüber in den Westen kamen. Meine Mitkegler und viele andere Menschen, die diesen historischen Augenblick erlebten, heulten wie die Kleinkinder und umarmten völlig fremde Menschen, als wären es die besten Freunde.
Die Kegelfahrt des Lebens
Gegen 13 Uhr mahnte dann unser Busfahrer, die Rückreise nun endlich anzutreten, weil auch die Verkehrsmeldungen entsprechend waren. Wir hörten von einer evtl. Rückreisedauer von Berlin nach Hannover von ca. neun Stunden! Unser Fahrer fuhr dann zurück über den Grenzübergang Gatow, so dass wir gegen 22 Uhr endlich in Hannover ankamen. Völlig erledigt, aber glücklich. Wer hat denn schon eine solche Kegelfahrt erlebt. Wohl kaum einer. Für mich ist es jedenfalls eine, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde.
Weitere persönliche Berichte im Mauerfall-Blog
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Quelle: t-online.de