Nach der großen Feier im italienischen Bagnone, rätseln die Einwohner nun, wer der glückliche Lotto-Gewinner sein könnte (Foto: AP)
Der italienische Super-Jackpot ist geknackt, doch die Spannung bleibt. Die Identität des glücklichen Gewinners von gut 147 Millionen Euro bleibt weiterhin unbekannt. "Italien auf den Spuren des Millionärs von Bagnone", titelte die Turiner Tageszeitung "La Stampa". In der Bar "Biffi" des kleinen Ortes Bagnone in der Toskana war die Zahlenkombination des Millionengewinns für gerade mal zwei Euro angekreuzt worden.
Seit Samstagabend steppt in dem mittelalterlichen Dorf der Bär. Zwischen Spumante und Spekulationen bejubeln die Einwohner den Lotto-Gewinn. Dass wahrscheinlich keiner der Feiernden gewonnen hat, stört dabei niemanden. Die Neugier, wer der Glückspilz ist, steigt jedoch weiter an.
Name bleibt anonym
Dabei ist es eher unwahrscheinlich, dass man seinen Namen jemals erfahren wird. Lottogewinner bleiben auch in Italien anonym. Über den Gewinner des vorherigen italienischen Rekord-Jackpots von 100,7 Millionen Euro im vergangenen Oktober war nur bekanntgeworden, dass er Sizilianer war oder zumindest dort das Ticket gekauft hatte. Nur der Ort, in dem der Schein ausgefüllt wurde, wird bekanntgegeben.
Gerüchteküche brodelt
"Ich bin hierhergekommen, um mir mit eigenen Augen anzusehen, wie eine Bar aussieht, wo man 147 Millionen Euro gewinnen kann", erklärt ein älterer Mann aus Mailand im italienischen Fernsehen. Er gehört zu den Hunderten, die seit Samstagabend unablässig nach Bagnone pilgern, um zu feiern, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen. Es ist, als hätte das 2000-Seelen-Dorf im Nordosten von La Spezia eine andere Bedeutung erhalten. Die Gerüchteküche brodelt unterdessen weiter.
Maurer als Glückspilz?
Einer der Besitzer der Bar, Vanni Simonetti, hatte schon am Wochenende wissend und verschwörerisch verkündet, der Gewinner habe ihn angerufen und sich bedankt. "Er ist jung und großzügig", behauptete er. Der Bürgermeister des Ortes, Gianfranco Lazzeroni, warnte, Vanni sei ein Pilz-Sucher, "die lügen praktisch von Natur aus". So ist man sich nur über eines einig in Bagnone: Der Gewinner kommt aus den eigenen Reihen. Laut "Corriere della Sera" gibt es fünf Hauptverdächtige. Alle gehören sie zu den Stammgästen der Bar - darunter auch der Maurer Ugo Verni, der allerdings bisher abstreitet, der Glückspilz zu sein.
Auch Touristen tippen
Tatsächlich lassen die patriotischen Dörfler eine andere Möglichkeit völlig außer Acht: So gingen in italienischen Wettlokalen in den vergangenen Wochen auch Tausende sogenannter Lotto-Pilger und Touristen im Tipp-Fieber ein und aus. In der Hoffnung auf den großen Reibach war in 86 Ziehungen in Folge der Wahnsinn um den Rekord-Jackpot bei Glückssuchern aus dem In- und Ausland riesengroß geworden. Bei den jeweils drei Ziehungen wöchentlich stieg die Spannung ständig an. Dass bei dem notwendigen richtigen Sechser aus Zahlen von 1 bis 90 die Gewinnchancen dabei bei 1 zu 623 Millionen liegen, störte offenbar keinen.
Vielleicht letzter Jackpot in dieser Höhe
Trotz der geringen Gewinnchancen wurden seit Ende Januar etwa 2,2 Milliarden Euro für "Superenalotto"-Scheine ausgegeben. Etwa die Hälfte davon floss in Italiens Staatskasse. Was der Staat mit diesen "Nebeneinnahmen" anfängt, ist dabei im Unterschied zu Deutschland nicht festgelegt. Die Summen können je nach Bedarf und Entscheidung der Regierung verwendet werden. Die Gelder werden zentral verwaltet. Nur die süditalienische Inselregion Sizilien hat ein direktes Anrecht auf 12,25 Prozent der dort eingenommenen Lotto-Steuern. Auch könnte es sich bei dem italienischen Super-Jackpot um den letzten des Stiefelstaates gehandelt haben. Denn nach einer Beschwerde des Verbraucherverbands Codacons soll nun gerichtlich entschieden werden, den Höchstbetrag eventuell bei 100 Millionen festzulegen.
Schon höhere Einzelgewinne
Europas Lotto-Höchstgewinn hatte bis zum jetzt geknackten Jackpot bei 126,2 Millionen Euro gelegen. Ein Spanier hatte diese Summe im Mai eingestrichen. Weltweit gab es jedoch schon höhere Einzelgewinne. Der höchste deutsche Einzelgewinn (37,7 Millionen Euro) ging im Oktober 2006 an einen Krankenpfleger aus Nordrhein-Westfalen.