23.03.2011, 20:03 Uhr
Beim ersten Anschlag in Jerusalem seit etwa zwei Jahren sind rund 35 Menschen verletzt worden. Eine Frau kam ums Leben. Dies teilte der israelische Rundfunk mit. Der Sprengsatz explodierte nach Polizeiangaben in einer Tasche, die an einer Haltestelle nahe der zentralen Busstation abgestellt worden war.
Die Opfer wurden in Krankenhäuser gebracht. Mindestens zwei Menschen hätten schwere Verletzungen erlitten, hieß es. An der Bushaltestelle war eine große Blutlache zu sehen.
Der Sprengsatz detonierte an einer Haltestelle in der Nähe des Kongresszentrums Binjanei Hauma. Die Bombe war in einer Tasche versteckt, die an einem Kiosk abgestellt wurde, wie der Minister für innere Sicherheit, Jizchak Aharonovitch, sagte. Sie explodierte, als sich zwei Busse in der Nähe befanden. Jerusalems Polizeichef Aaron Franco sagte, die Bombe sei nahe einer Telefonzelle versteckt gewesen.
"Ich sah eine helle Flamme, und dann wurde der Bus durchgeschüttelt", berichtete ein Augenzeuge dem israelischen Rundfunk. "Ich hörte eine laute Explosion", berichtete ein Sanitäter, der sich zufällig bei einer Sitzung in der Nähe aufhielt. "Der ganze Tisch wackelte."
Bei der Bombenexplosion im jüdischen Teil der israelischen Hauptstadt werden mindestens 35 Menschen verletzt; eine Frau kommt ums Leben. zum Video
Die Wucht der Detonation erschütterte umliegende Gebäude bis in mehrere hundert Meter Entfernung. Ein Augenzeuge sah blutende Menschen am Boden liegen. Die Fensterscheiben von Bussen und Autos waren zerborsten. Sirenengeheul tönte durch die Stadt, als dutzende Krankenwagen und Feuerwehrautos zum Unglücksort eilten.
Hunderte von Schaulustigen drängten sich am Ort des Anschlags in der Nähe des Konferenzzentrums Binjanei Hauma und behinderten die Rettungsarbeiten.
"Es gab keine Hinweise auf einen geplanten Anschlag", sagte Polizeiminister Izchak Aharonovich. Die Gegend werde auf der Suche nach möglichen Tätern durchkämmt. Der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat sagte, man werde es Terroristen nicht erlauben, den Alltag in der Stadt zu zerstören.
Polizeiminister Aharonowich sprach von einem Terrorakt. Militante Palästinenser hätten den ein Kilo schweren Sprengsatz in einer Tasche am Bürgersteig platziert, sagte er. Innenminister Eli Jischai sprach sich für eine schnelle Vergeltung von Seiten Israels aus. "Bei diesen Mördern, diesen Terrororganisationen ... müssen wir reagieren, oder wir verlieren unsere Abschreckung", sagte er dem Fernsehsender Kanal 2. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Palästinensische Politiker im Westjordanland verurteilten die Bluttat. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will "aggressiv, verantwortlich und vernünftig" auf die jüngste Gewalt militanter Palästinenser reagieren.
Es war der erste Bombenanschlag in Israel seit drei Jahren und der erste Anschlag in Jerusalem seit zwei Jahren. Bei einem palästinensischen Selbstmordanschlag in der Stadt Dimona war im Februar 2008 ein Israeli getötet worden.
Bei dem letzten Anschlag eines Palästinensers in Jerusalem im März 2009 waren zwei Polizisten verletzt worden. Der Palästinenser hatte die Polizisten bei einer Amokfahrt mit einem Radlader angegriffen und war dabei erschossen worden. Es war der erste Bombenanschlag auf einen Bus in Jerusalem seit 2004. Davor gab es etliche Selbstmordanschläge auf Busse, bei den zahlreiche Israelis getötet wurden.
An der Grenze des Gazastreifens droht unterdessen der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern wieder zu eskalieren. Kein Staat würde andauernden Raketenbeschuss hinnehmen, und auch "Israel wird es offensichtlich nicht hinnehmen", erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Minister für Heimatschutz, Matan Vilnai, sagte im Militärrundfunk, eine militärische Konfrontation mit der palästinensischen Hamas sei "nur eine Frage der Zeit".
Israel reagierte am Mittwoch mit Luftangriffen auf Raketenangriffe militanter Palästinenser auf den Süden des Landes. Dabei wurde ein Mitglied des Islamischen Dschihads getötet, wie die Gruppe mitteilte. Nach Polizeiangaben wurde bei einem Raketenangriff auf die Stadt Beerscheva ein israelischer Zivilist verletzt.
Die im Gazastreifen regierende Hamas erklärte, Ministerpräsident Ismail Hanija habe sich an die Anführer militanter palästinensischer Gruppen gewandt, um die Gewalt nicht weiter eskalieren zu lassen. Die Hamas und die Regierung in Jerusalem haben sich seit dem Ende des Gaza-Kriegs im Januar 2009 weitgehend an eine Waffenstillstandsvereinbarung gehalten. Der Krieg kostete Hunderte palästinensische Zivilpersonen das Leben, zahllose Häuser wurden zerstört. Auf israelischer Seite gab es 13 Todesopfer.
Die Raketenangriffe seien ein Racheakt für den Tod von sieben Palästinensern am Dienstag bei einem israelischen Militäreinsatz, erklärte der Islamische Dschihad. Unter den Toten waren drei Kinder und ihr Onkel. Die Hamas erklärte den Mittwoch zum Tag der Trauer und rief alle Einwohner des Gazastreifens auf, sich an der Bestattung der Opfer zu beteiligen.
Quelle: dapd , dpa , AFP
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