31.08.2010, 11:01 Uhr | Ein Kommentar von Sahar el-Nadi
Mit den Terroranschlägen 2001 schwand auch das letzte Vertrauen zwischen dem Islam und dem Westen (Foto: Massa)
Angst, Hass und Ignoranz – das sind die Worte, mit denen Muslime oftmals die Stimmung beschreiben, die ihnen im Westen entgegenschlägt. Der Islam wird verdammt und verteufelt, so der Eindruck vieler meiner Glaubensgenossen. So wird es immer komplizierter, interkulturelle Kommunikation voranzutreiben. Mit jeder rassistischen Äußerung, mit jedem religiös motivierten Verbrechen oder jedem Verbot von religiösen Kleidungs- und Gebetspraktiken wachsen auch die gegenseitig hochstilisierten Feindbilder.
Das war nicht immer so. Vor einigen Jahrzehnten noch war der westliche Lebensstil Standard unter den arabischen und muslimischen Bildungseliten. Demokratie, Freiheitsgedanken und Menschenrechte wurden als Steckenpferde der westlichen Zivilisation angesehen. Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Veränderung hat eingesetzt, als die stärksten Verfechter dieser Werte begannen, ihr eigenes Credo zu missachten. Der angebliche Krieg gegen den Terror ließ uns verdutzt fragen, ob denn der Unterschied zwischen Demokratie und Autokratie nicht ein rein kosmetischer sei.
Auch Muslime messen oft mit zweierlei Maß. Muslimische Immigranten werden teils zu Recht beschuldigt, religiöse Praktiken unreflektiert zu verteidigen und sich der Gesellschaft zu verschließen. Aber reagiert der Westen nicht auch defensiv? Keine Minarette in der Schweiz, kein Kopftuch in Frankreich, kein islamisches Gebetszentrum in Manhattan. Mit diesen rigiden Maßnahmen verbieten wir gleichzeitig die Pluralität und leisten gegenseitigem Hass und Misstrauen Vorschub. Wir Muslime wünschen uns manchmal, dass die Politik in Europa und den USA sich verstärkt darauf konzentrieren würde, politische Lügen, mediale Vorurteile und wirtschaftliche Flauten zu bekämpfen, anstatt uns vor unserer eigenen Kultur retten zu wollen. Was wir brauchen, ist einzig und allein etwas mehr Respekt für Diversität.
Das haben wir auf die harte Weise gelernt. Cordoba und Granada blühten unter muslimischer Herrschaft regelrecht auf, als Menschen verschiedener Hautfarben und Glaubensrichtungen ihre Ressourcen koordinierten und eine grandiose Zivilisation errichteten. Andalusien fiel, als Hass und Misstrauen diese Pluralität abwürgten und den Einzug der Inquisition ermöglichten: ein Albtraum, gebaut auf Angst und Ignoranz. Das Verbot multikulturellen Lebens ist die Todesglocke für jede Zivilisation.
In dieser geladenen Stimmung wird es immer schwieriger, Dialog zu vermitteln. Wer ist schon zu Gesprächen bereit, wenn die Medien das Bild einer islamischen Invasion zeichnen und Ängste schüren, Europa sollte ausgebeutet und unter das Recht der Scharia gestellt werden? Dann kann man es uns Muslimen auch nicht vorwerfen, dass wir manchmal denken: Und was ist mit Jahrzehnten der westlichen Kolonisation im Nahen Osten, inklusive Ausbeutung und kultureller Zwangsassimilation?
Modernisierung mit Verwestlichung gleichzusetzen ist genauso kurzsichtig, wie zu behaupten, Integration und Assimilation seien das Gleiche. Es ist doch naiv, dass der Verkäufer im Dönerladen sein Essen verkauft und gleichzeitig seine Kultur zu Hause lässt. Und es ist ungerecht, ihn aufgrund seiner muslimischen Glaubenswurzeln und seiner fremden Herkunft herablassend zu behandeln. Solange Muslime in Europa sich konstant mit solchen Vorurteilen auseinandersetzen müssen, trauen auch sie ihrer neuen Heimat nicht über den Weg. Dieses gegenseitige Misstrauen ist eine Gefahr für den sozialen Zusammenhalt und den politischen Frieden.
Während in den USA die Moscheebaudebatte tobt, ist der Imam des geplanten islamischen Cordoba-Kulturzentrums im Nahen Osten unterwegs. Ironischerweise hält er seine Vorträge zum Thema Wie es ist, ein Muslim in den USA zu sein. Können wir verhindern, dass Cordoba ein zweites Mal fällt? Damit auch dieser Imam noch die Möglichkeit hat, uns nicht von Vorurteilen zu erzählen, sondern von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten.
Ihre Karriere hat Sahar el-Nadi der interkulturellen Verständigung zwischen Muslimen und Christen gewidmet. Sie ist Initiatorin der Initiative "Don't Hate, Educate" und Beraterin für das Portal Islam Online. 2010 wurde sie von der Universität von Kalifornien für ihre Arbeit zu einer der "Women Leaders of the World" gewählt.
Ein Kommentar von Sahar el-Nadi
Kalle schrieb:
am 31. August 2010 um 19:19:25
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Vergangenheit
Vergleiche aus der Vergangenheit taugen nicht sonderlich für das hier und jetzt. Anpassung und Toleranz ist gefragt. Egoismus
vor allem bei den Zuwanderern ist fehl am Platz. Wer in Saudi Arabien das gleiche Verhalden an den Tag legt wie bei uns kommt nicht weit.
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gerecht schrieb:
am 31. August 2010 um 19:04:48
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kulturell
Ich habe nichts gegen Ausländer,aber wen ich in ein anderes Land auswandere muss ich auch ihre Sprache lernen und mich ihrer
Kultur anpassen.man hat in Detschland alsAusländer bessere soziale Versorgung als die eigene Bevölkerung .Und das ist nunmal nicht gerecht.es gibt bestimmt auch viele Ausländer die Arbeiten gehen,aber bei Musllime gehen viele Frauen nicht.und dafür zahlen wir und das ärgert viele.Bald werden mehr Ausländer hier Wohnen als Deutsche weil die Auswandern.unsere Politik muß si
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Paul schrieb:
am 31. August 2010 um 18:55:31
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Toleranz
Wenn schon Toleranz, dann bitte aber gegenseitig. Liebe mulimischen Mitbürger als Ihr euch entschlossen habt hie zu leben
wusstet
Ihr dass Deutschland zum christlichen Glaubenskreis gehört, wenn Ihr probleme damit habt solltet Ihr in eurem
Glaubenskreis bleiben.
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