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Irans Atomprogramm: Israels mörderische Sabotage-Strategie

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Israels mörderische Sabotage-Strategie

01.08.2011, 08:27 Uhr | Von Ulrike Putz, Beirut

Die Nulearanlage Buschehr in Israel (Foto: AFP)

Die Nulearanlage Buschehr in Israel (Foto: AFP)

Ein Nuklearforscher nach dem anderen fällt im Iran einer Mordserie zum Opfer. Will der Mossad so den Bau einer iranischen Atombombe sabotieren? Israel dementiert das nicht. Noch rigoroser wollen israelische Generäle vorgehen: Sie fordern immer vehementer einen Luftangriff.

Unschuld beteuert man anders: "Israel antwortet nicht", sagte Israels Verteidigungsminister Ehud Barak, als er Anfang dieser Woche gefragt wurde, ob sein Land in den jüngsten Mord an einem iranischen Atomwissenschaftler verwickelt sei. Das Lächeln, das dabei seine Lippen umspielte, dürfte wohlkalkuliert gewesen sein. Israel lässt den Verdacht, es stecke hinter einer Mordserie an Physikern des umstrittenen iranischen Atomprogramms, gern im Raum stehen.

Dass Israel hinter dem Anschlag auf Dariusch Rezaie in Teheran steckt, wird in der Schattenwelt der Geheimdienste kaum bezweifelt: "Das war die erste laute Aktion des neuen Mossad-Chefs Tamir Pardo", sagte ein Informant aus israelischen Geheimdienstkreisen zu "Spiegel Online".

Am vergangenen Samstag wurde Rezaie zum vorerst letzten Opfer einer mysteriösen Anschlagserie, mit der Unbekannte seit nunmehr 20 Monaten die Physiker-Elite der Islamischen Republik dezimieren. Der 35-Jährige wurde vor dem Kindergarten seiner Tochter im Osten Teherans von tödlichen Schüssen in den Hals getroffen. Iranische Medien sprachen von zwei Tätern, die auf einem Motorrad entkommen konnten.

Rückschlag für das iranische Atomprogramm

Wer war der Mann, der vor den Augen seiner Frau und Tochter erschossen wurde? Die Internationale Atombehörde (IAEA) in Wien hat inzwischen bestätigt, was vorher bereits israelische Medien berichtet hatten: Der promovierte Physiker habe an der Entwicklung eines Schalters gearbeitet, wie er in Zündern von Atombomben zum Einsatz komme. Er sei täglich in einem Forschungszentrum für Nuklearwissenschaften im Norden Teherans gesehen worden.

Dass Rezaies Tod das Atomprogramm Irans empfindlich trifft, ließ sich aus den offiziellen Reaktionen des Landes ablesen: Kazem Dschalai, Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrats des Parlaments, wetterte, der Mord an iranischen Physikern zeige die "Verzweiflung" der USA und Israels angesichts der nuklearen Ambitionen Teherans.

Rezaie ist seit Beginn 2010 der dritte iranische Atomphysiker, der seinen Beruf mit dem Leben bezahlt:

- Im Januar 2010 stirbt der Kernphysiker Massud Ali Mohammadi, als eine ferngezündete Motorradbombe neben seinem Auto explodiert. Nach westlicher Einschätzung gehörte Mohammadi Teil zur Elite der iranischen Nuklearforscher.

- Am 29. November 2010 verüben Unbekannte zwei Anschläge, bei denen Motorradfahrer während der Fahrt Sprengsätze an die Autos ihrer Opfer heften. Madschid Schahriari, Professor für Atomphysik mit dem für den Bau von Atombomben relevanten Spezialgebiet Neutronentransport, überlebt die Explosion seines Wagens nicht. Seine Frau wird schwer verletzt.

- Gleichzeitig wird Feridun Abbasi angriffen. Der Experte für Isotopentrennung bemerkt den verdächtigen Motorradfahrer jedoch und springt mit seiner Frau aus dem Auto. Die Detonation verletzt beide. Nach Abbasis Genesung ernennt Präsident Mahmud Ahmadinedschad ihn zum Chef der Atomenergiebehörde und zum Vizepräsidenten.

Iran vermutet die USA und Israel hinter den Attentaten

Iran sieht das "Dreieck der Niedertracht" hinter den Attentaten: Die USA, Israel und von ihnen bezahlte Handlanger steckten hinter den Attacken, heißt es in Teheran. Washington weist jede Schuld von sich: "Wir waren nicht darin verwickelt", sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums im Bezug auf den Tod Rezaies. Israel hingegen schweigt vieldeutig.

Die Tötungen sind Teil einer Kampagne, die das iranische Atomprogramm sabotieren oder zumindest verlangsamen soll, heißt es in israelischen Geheimdienstkreisen. Die Taktik beschränke sich dabei nicht nur auf Gewaltverbrechen. Auch der Cyber-Angriff mit dem Computervirus Stuxnet, der im Sommer 2010 weite Teile des iranischen Atomprogramms lahmlegte, soll Teil der israelischen Geheimoffensive gegen Iran sein.

Hardlinern im israelischen Militär sollen die verdeckten Aktionen jedoch nicht weit genug gehen: Der Ruf nach einer Bombardierung Irans werde vor allem bei Offizieren der israelischen Luftwaffe immer lauter, sagte der Informant zu "Spiegel Online". Es gebe eine hitzige Debatte darüber, wie effektiv solche Mordkampagnen seien und ob sie ihr Ziel erfüllten, berichtete auch Yossi Melman, Geheimdienstexperte der Zeitung "Haaretz". Hinzu kommt, dass Jerusalem für die die Anschläge seiner Agenten im Ausland bereits heftige Kritik einstecken musste.

Noch kann sich der Mossad mit seiner Strategie durchsetzen

Bislang konnten sich die Experten des Mossad mit ihrer Einschätzung durchsetzen, der Bau einer iranischen Bombe sei am besten mit Anschlägen auf Schlüsselfiguren und Atomanlagen zu verzögern. Doch wie lange Ministerpräsident Benjamin Netanjahu diesem Ratschlag noch folgen wird, ist fraglich: In Jerusalem ist bekannt, dass der Auslandsgeheimdienst durchaus auch eigene Interessen verfolgt, wenn er den Kampf gegen Iran allein von seinen Männern führen lassen will.

"So lange der Mossad im Kampf gegen die Bombe federführend ist, kriegt er die großen Budgets", so die Quelle. Ob es in der Zukunft einen offenen Angriff auf Irans Atomanlagen geben werde, hänge auch davon ab, welche israelische Institution den internen Machtkampf für sich entscheiden könne - das Militär oder der Geheimdienst. "Wie in allen Dingen geht es auch hier ums Prestige."


Von Ulrike Putz, Beirut  

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Kommentare (3)

zum Forum

Thema: "Irans Atomprogramm: Israels mörderische Sabotage-Strategie "

Herbert schrieb: am 1. August 2011 um 09:07:05
(6) (2) Freibrief
Mit einem deutschen und amerikanischen Freibrief kann man alles machen...

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Harry-B schrieb: am 1. August 2011 um 08:26:53
(8) (3) Testobjekt
Sollten die Israelis nicht als Testobjekt ihre eigene Produktionsstätte für atomare Massenvernichtungswaffen nutzen? So könnte
man den Nahen Osten frei von Atomwaffen bekommen.
mehr Kommentar melden

Tja schrieb: am 1. August 2011 um 08:23:18
(12) (1) Iran/Atom
...was wäre los, wenn den die Gegenseite so handeln würde?! Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht Dasselbe...

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