Eine Demonstrantin zeigt bei einer Iran-Demonstration in New York das Siegeszeichen (Foto: Reuters)
Die iranische Polizei ist gewaltsam gegen eine Trauerfeier für ums Leben gekommene Demonstranten vorgegangen. Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi wurde von den Sicherheitskräften gezwungen, den Friedhof Behescht-e Sahra im Süden der Hauptstadt Teheran zu verlassen, berichteten Augenzeugen. Polizei und Demonstranten lieferten sich gewaltsame Auseinandersetzungen.
Mussawi gelang es Augenzeugenberichten zufolge nach seiner Ankunft an dem Friedhof, aus seinem Auto auszusteigen und bis zu dem Grab der Studentin Neda Agha Soltan zu gehen, die bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad erschossen wurde. Nach wenigen Augenblicken wurde Mussawi jedoch von Polizisten umstellt und wieder in sein Auto geführt. Nachdem die Sicherheitskräfte Demonstranten vertrieben hatten, die den Wagen umringten, fuhr der Oppositionspolitiker davon.
Trauerfeier verboten
Mussawi und der Oppositionspolitiker Mehdi Karubi wollten die Gräber der Demonstranten besuchen, die bei den Protesten gegen den Ausgang der Präsidentenwahl vom 12. Juni getötet wurden. Eine eigentlich angedachte zentrale Gedenkfeier für die Toten der Demonstrationen hatten die Behörden verboten, obwohl nach dem Willen Mussawis und Karubis lediglich Koran-Verse verlesen werden sollten.
Demonstranten auseinandergeknüppelt
Vor Beginn der Veranstaltung am Donnerstag war die mit einem Großaufgebot angerückte Polizei mit Knüppeln gegen die Menschen vorgegangen, die sich an dem Friedhof versammelt hatten. Zudem wurden nach Angaben von Augenzeugen mehrere der rund 2000 erschienenen Oppositionsanhänger festgenommen. Nachdem Mussawi zum Verlassen des Friedhofs gezwungen wurde und die Polizei den angekommenen Karubi einkesselte, warfen Demonstranten demnach Steine auf die Sicherheitskräfte.
Chatami: Schließung wegen Todesfällen
Der frühere iranische Präsident Mohammed Chatami warf den Justizbehörden Verbrechen gegen inhaftierte Regierungsgegner vor. Die Schließung eines Gefängnisses sei nicht wegen mangelnder Hygiene angeordnet worden, erklärte der reformorientierte Politiker auf seiner Internetseite. "Nein. Es wurden Verbrechen begangen. Menschenleben gingen verloren", fügte Chatami hinzu.
Gefängnis geschlossen
Am Montag hatte der oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei angeordnet, ein Gefängnis im Süden der iranischen Hauptstadt Teheran wegen nicht erfüllter "Standards" zu schließen. Am Wochenende hatte es Berichte darüber gegeben, dass zwei Demonstranten im Gefängnis ums Leben gekommen seien.
Erster Prozess
Nach Berichten amtlicher Medien wurden bei den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zwischen 1000 und 2000 Menschen verhaftet, die meisten von ihnen wurden jedoch inzwischen wieder freigelassen. Rund 250 sind nach offiziellen Angaben weiter im Gefängnis. Am Samstag soll der erste Prozess gegen 20 Inhaftierte starten. Ihnen werden unter anderem Gewalt gegen Sicherheitskräfte und Waffenbesitz vorgeworfen.