Ahmadinedschad zeigt sich grundsätzlich zu einem Kompromiss bereit - warnt den Westen aber vor "Verschwörung" (Foto: dpa)
Der iranische Staatschef Mahmud Ahmadinedschad hat sich in einer Rede im Atomstreit grundsätzlich zu dem von der internationalen Gemeinschaft vorgeschlagenen Atom-Kompromiss bereit erklärt. Die internationale Gemeinschaft habe lange vom Iran gefordert, sein Atomprogramm einzustellen, sagte Ahmadinedschad am Donnerstag in einer Rede im nordostiranischen Mesched, die im Staatsfernsehen übertragen wurde.
Unterdessen legte der Iran am Donnerstag auch seine offizielle Antwort auf den Kompromissvorschlag zur Anreicherung iranischen Urans vor. Der iranische Gesandte bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO in Wien, Ali Asghar Soltanieh, sagte der Agentur ISNA, dass Teheran positiv zu dem Vorschlag stehe, aber einige "wichtige technische und wirtschaftliche" Änderungen verlange. Die IAEA wollte den Erhalt eines iranischen Vorschlages am Mittag nicht bestätigen. Möglicherweise könne es am Nachmittag eine Stellungnahme der UN-Behörde in Wien oder New York geben, hieß es aus diplomatischen Kreisen in Wien.
Ahmadinedschad zur Zusammenarbeit bereit
Mittlerweile habe das Ausland hinsichtlich des iranischen Atomprogramms aber "den Austausch von Brennstoff, die Beteiligung am Bau von Reaktoren und Atomanlagen" akzeptiert, so der iranische Präsident in seiner Rede. Der Boden für eine Kooperation in den strittigen Nuklearfragen sei bereitet, und der Iran sei deshalb auch zur Zusammenarbeit mit der IAEA bereit.
Von "Konfrontation zur Kooperation"
Er begrüße den Austausch von Brennstoff und die angebotene Atom-Zusammenarbeit. Die Beziehungen seines Landes zum Westen würden sich damit von "Konfrontation zur Kooperation" wandeln.
Ahmadinedschad warnt Westen vor doppeltem Spiel
Zugleich bekräftigte Ahmadinedschad den Anspruch seines Landes auf ein eigenes Programm zur zivilen Nutzung von Atomkraft. Dies sei ein "absolutes Recht", von dem er "keinen Deut" abweichen werde. Der iranische Staatschef warnte den Westen zudem vor einem doppelten Spiel. "Wir ergreifen ehrlich jede ausgestreckte Hand, aber wenn dies mit Verschwörung und Lüge einhergeht, werden wir die gleiche Antwort geben wie wir sie (dem früheren US-Präsidenten George W.) Bush und seinen Komplizen gegeben haben", sagte Ahmadinedschad in seiner Rede.
Uran soll nach Russland und Frankreich geliefert werden
Nach dem Kompromissvorschlag soll der Iran rund 70 Prozent seines niedrig angereicherten Urans ins Ausland - vornehmlich nach Russland - verschiffen, wo es dann zu Brennstäben für Kernkraftwerke aufbereitet werden soll. Damit würde das Land nicht mehr über genügend Uran verfügen, um eine Atombombe bauen zu können. Auch vor der offiziellen Antwort am Donnerstag hatte Teheran bereits "bedeutende Veränderungen" an dem Vorschlag gefordert. Die USA und die EU haben dem Iran wiederholt mit verschärften Sanktionen gedroht, falls er im Streit über sein Atomprogramm nicht einlenkt.
UN-Inspektoren aus dem Iran zurückgekehrt
Unterdessen kehrte eine Delegation der IAEA nach ausgiebiger Inspektion einer neuen iranischen Atomanlage nach Wien zurück. Er werde IAEA-Generalsekretär Mohamed el-Baradei in Kürze ausführlich Bericht erstatten, erklärte Herman Nackaerts, der Leiter des Inspektoren-Teams. Er sprach von einer erfolgreichen Reise. Die Inspektoren überprüften eine im Bau befindliche Anlage zur Urananreicherung nahe der heiligen Stadt Kom südlich von Teheran. Die Existenz der unterirdischen Fabrik wurde erst Ende September bekanntgegeben, was internationale Kritik am Iran auslöste.