Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad lenkt möglicherweise im Atomstreit ein (Foto: dpa)Die iranische Führung lenkt im Atomstreit mit dem Westen möglicherweise ein. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte in einem Interview des staatlichen Fernsehens überraschend an, seine Regierung sei bereit, das iranische Uran im Ausland anreichern zu lassen. Gegen diese Forderung aus dem Westen hatte sich der Iran bislang beharrlich gesperrt.
Der Iran sei bereit, einen Vertrag zum Uran-Austausch mit den Nuklearmächten abzuschließen, sagte Ahmadinedschad. Sein Land habe keine Probleme damit, das schwach angereicherte Uran in den Westen zu schicken und es einige Monate später auf 20 Prozent angereichert wieder zurückzubekommen.
"Wir sind nicht dagegen, unser niedrig angereichertes Uran ins Ausland zu senden, weil wir eine konstruktive Zusammenarbeit wollen und weil wir jederzeit das niedrig angereicherte Uran wieder im Iran produzieren können", sagte Ahmadinedschad. Für seine Abkehr vom bisherigen Standpunkt nannte er "technische Gründe". Wie weit die Konzessionen des Irans jedoch tatsächlich gehen, ist noch unklar. Die USA reagierten zurückhaltend.
Westen verdächtigt den Iran
Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran, eigentlich eine Atombombe bauen zu wollen. Aus diesem Grund fordert vor allem der Westen, dass der Iran auf eine eigene Urananreicherung verzichtet und diese im Ausland vornehmen lässt. Dazu soll niedrig angereichertes Uran (3,5 Prozent) auf einen Anreicherungsgrad von 20 Prozent gebracht werden, um dann als Brennstoff für einen Forschungsreaktor in Teheran genutzt zu werden.
Maß der Zugeständnisse noch unklar
Inwieweit der Iran tatsächlich auf die Forderungen des Westens eingeht, ist allerdings noch unklar. So ist der von Ahmadinedschad genannte Zeitraum von vier bis fünf Monaten relativ kurz bemessen. Der westliche Vorschlag sah vor, das angereicherte Uran nach etwa einem Jahr in Form von Brennstäben zurückzuschicken, die zwar in Kraftwerken, aber nicht für Atombomben genutzt werden könnten. Auch sagte Ahmadinedschad nichts dazu, ob der Iran sein gesamtes angereichertes Uran auf einmal außer Landes bringen will, so wie dies international gefordert wurde.
USA reagieren zurückhaltend
Das Weiße Haus reagierte zurückhaltend. Die USA hätten dem Iran in der Atomfrage ein faires und ausgewogenes Angebot gemacht, erklärte Sprecher Mike Hammer. "Wenn die Äußerungen von Herrn Ahmadinedschad eine aktualisierte iranische Position zum Ausdruck bringen, erwarten wir, dass der Iran die (internationale Atomenergiebehörde) IAEA informiert", sagte der Sprecher weiter. Die Außenministerien von Deutschland, Frankreich und Großbritannien nahmen zunächst keine Stellung zu der Entwicklung in Teheran.
Massiver Druck auf den Iran
Die EU und die USA hatten zuletzt mit massiven Wirtschaftssanktionen gedroht. Unter anderem wollten die USA Firmen bestrafen, die Kraftstoff oder andere Erdölprodukte an den Iran liefern. Das islamische Land ist trotz seiner reichen Erdölvorkommen dringend auf Treibstoff aus dem Ausland angewiesen, weil die Raffineriekapazitäten nicht ausreichen.