Die Polizei im Iran verstärkte ihre Präsenz (Foto: Reuters)
Der Machtkampf im Iran ist weiter eskaliert. Nach Berichten staatlicher Medien soll sich ein Selbstmordattentäter vor dem Mausoleum von Ajatollah Khomeini im Süden Teherans in die Luft gesprengt haben. Dabei soll der Mann einen weiteren Menschen mit in den Tod gerissen und acht andere verletzt haben. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es allerdings nicht.
Polizei und regierungstreue Milizen gingen zudem mit Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken gegen Anhänger der Opposition vor, die einem Demonstrationsverbot trotzten. Augenzeugen berichteten von heftigen Zusammenstößen in der Nähe des Revolutionsplatzes in Teheran. Rund 3.000 Demonstranten protestierten dort gegen das offizielle Ergebnis der Präsidentenwahl und riefen "Tod der Diktatur" und "Tod dem Diktator".
50 bis 60 Demonstranten seien so schwer verletzt worden, dass sie in das Imam-Chomeini-Krankenhaus gebracht werden mussten. Mehrere blutende Demonstranten seien von Mitstreitern weggetragen worden. Einige der Protestierenden hätten daraufhin Motorräder der Milizen in Brand gesteckt. Bereits in den vergangenen Tagen war es wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen, mindestens sieben Menschen kamen ums Leben. Das Vorgehen der Staatsmacht war aber offenbar das bislang härteste.
Hubschrauber kreisten über der Stadt, die Sirenen von Krankenwagen waren zu hören. Über der Stadt war schwarzer Rauch zu sehen. Auf dem Revolutionsplatz fuhren laut Augenzeugenberichten Feuerwehrfahrzeuge auf. Polizei und Milizen hätten außerdem die Straße zwischen Revolutions- und Freiheitsplatz abgeriegelt, um dort einen Massenaufmarsch zu verhindern, hieß es. Auch die Universität von Teheran wurde von Bereitschaftspolizei abgeriegelt.
Mussawi wird Verhaftung angedroht
Die iranische Regierung drohte am Samstag Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi mit Verhaftung, sollten Demonstrationen stattfinden. Der Sekretär des Sicherheitsrats, Abbas Mohtadsch, erklärte auf der Webseite des Innenministeriums, Mussawi werde "für die Folgen illegaler Versammlungen" verantwortlich gemacht. Der geistliche Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hatte am Freitag die Opposition aufgefordert, den offiziell erklärten Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad zu respektieren und die Proteste zu beenden. Andernfalls werde sie die Verantwortung für "Blutvergießen und Chaos" tragen müssen. Er wies die Vorwürfe des Wahlbetrugs zurück. Chamenei hat als oberster geistlicher Führer des Irans laut Verfassung eine praktisch uneingeschränkte Macht.
Wächterrat verkündet Neuauszählung
Im Konflikt um die Unstimmigkeiten bei der Präsidentenwahl in der vergangene Woche hat sich der Wächterrat des Landes indes dazu bereiterklärt, stichprobenartig zehn Prozent der Stimmen neu auszuzählen. Das berichtete der staatliche Rundfunk. Die Zweit- und Drittplatzierten bei der umstrittenen Wahl, Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi, kamen einer Einladung des Wächterrats zur Sitzung am Samstag nicht nach. Damit wollten die beiden nach Einschätzung von Beobachtern ihre bisherige Forderung nach Wiederholung der gesamten Wahl bekräftigen.