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"Brutale Vergewaltigung im Gefängnis"
10.08.2009, 17:08 Uhr
Iranische Demonstranten protestieren in Teheran gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Ahmadinedschad. Einige politische Gefangene sollen in Haft vergewaltigt worden sein (Foto: dpa)
Im Iran hat Oppositionsführer Mehdi Karubi schwere Misshandlungen regierungskritischer Demonstranten angeprangert. Junge Frauen und Männer seien im Gefängnis brutal vergewaltigt worden, schrieb der unterlegene Präsidentschaftskandidat in einem Brief. Nach internationalen Protesten gegen die Prozesse gegen Demonstranten wies Teheran eine "Einmischung" in seine inneren Angelegenheiten zurück.
Einige der im Juni bei den Protesten gegen die Wiederwahl von Präsident
Mahmud Ahmadinedschad festgenommenen Demonstranten seien in der Haft brutal misshandelt und vergewaltigt worden, schrieb Karubi in einem Brief an den einflussreichen Ex-Präsidenten
Akbar Haschemi Rafsandschani. Die Betroffen litten seit den Übergriffen unter Depressionen und schweren körperlichen und seelischen Problemen. Der Brief ist bereits auf den 29. Juli datiert. Karubi zögerte die Veröffentlichung jedoch bis jetzt hinaus, um eine Antwort abzuwarten.
Kritik an Massenprozess
Bei den Protesten gegen die umstrittene Präsidentenwahl mit mindestens 30 Toten waren rund 2000 Oppositionelle festgenommen worden. Derzeit müssen sich gut hundert Demonstranten vor Gericht verantworten, darunter auch eine Französin sowie iranische Angestellte der britischen und französischen Botschaft. Westliche Regierungsvertreter kritisierten die Gerichtsverfahren als "Schauprozesse".
"Gegen Einmischung wehren"
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Hassan Ghaschghawi, wies die westliche Kritik zurück. "Wir werden uns gegen jede Einmischung entschieden wehren", sagte Ghaschghawi laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Der Prozess verlaufe im Einklang mit "internationalem Recht", die Reaktionen des Westen seien "illegal und verwunderlich".
Sarkozy setzt sich für Freilassung ein
Die französische Regierung verlangte dessen ungeachtet erneut die Freilassung der Universitätsdozentin Clotilde Reiss. Staatschef
Nicolas Sarkozy setze sich mehr als je zuvor für die Freilassung der Französin aus iranischer Haft ein, erklärte sein Büro. Der Präsident, der seit zehn Tagen in Südfrankreich im Urlaub ist, verfolge die Entwicklung des Falles "äußerst aufmerksam".
Kouchner vermutet erzwungenes Geständnis
Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner wiederholte, dass die Vorwürfe der iranischen Führung gegen Reiss haltlos seien. Die 24-Jährige hatte laut iranischen Angaben vor dem Revolutionsgericht in Teheran zugegeben, einen Bericht über die Proteste gegen die umstrittene Präsidentenwahl verfasst und sich an Demonstrationen beteiligt zu haben. Laut Kouchner wurde sie "wahrscheinlich" zu dem Geständnis gedrängt.
Fotos von Demos gemacht
Reiss war am 1. Juli verhaftet worden. Sie wurde zunächst der Spionage angeklagt, weil sie die Proteste mit ihrem Mobiltelefon fotografiert und die Bilder ins Ausland versendet haben soll. Teheran wirft ihr zudem vor, zu den Protesten nach der Wahl angestachelt zu haben. Außenamtssprecher Ghaschghawi sagte, die Französin habe bei den Protesten Fotos und Filmaufnahmen gemacht. Mit ihrer Lehrtätigkeit im Iran habe das nichts zu tun. "Wollte sie den Demonstranten Französisch beibringen?", fragte der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Paris bestätigte unterdessen, dass die französische Botschaft in Teheran im Juni die Anweisung hatte, hilfesuchende Demonstranten aufzunehmen. Eine entsprechende Aussage der angeklagten Botschaftsmitarbeiterin Nasak Afschar sei richtig, sagte Außenminister Kouchner der Zeitung "Le Parisien/Aujourd'hui en France".
Quelle: AFP