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Iraks Problemnachbarn: Terror-Import mit dem Packesel

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Iraks Problemnachbarn: Terror-Import mit dem Packesel

25.10.2010, 08:21 Uhr | Von Friederike Ott und Gregor Peter Schmitz

Brennendes Auto in Bagdad nach Straßenkämpfen zwischen Aufständischen und US-Streitkräften (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Welche Rolle spielten die Nachbarstaaten im Irak-Krieg? Die jetzt bekannt gewordenen US-Geheimprotokolle legen nahe, dass sich die Terroristen von Grenzen nicht aufhalten ließen. Aus Syrien gelangten Attentäter ins Land - aus Iran kamen Waffen.

Den irakischen Polizisten fällt der Mann vor der Sahra-Moschee in Kirkuk sofort auf. Seine Kleidung wölbt sich verdächtig über den Hüften. Eine Sprengstoffweste? Gerade strömen die Gläubigen zum Freitagsgebet, jetzt ist Eile geboten. Polizisten überwältigen den Mann. Er trägt tatsächlich einen Bombengürtel. Zünden kann er das Paket nicht mehr.

Das US-Militär hält den Zwischenfall vom 1. Mai 2009 im Nordirak in einem Feldprotokoll fest. Ein Anschlagsversuch, Routine, viele vergleichbare Dokumente finden sich in den von WikiLeaks enthüllten Irak-Geheimberichten von US-Soldaten. Außergewöhnlich an diesem Fall ist, dass der Attentäter auf seiner tödlichen Mission aufgehalten werden konnte. Dem Protokoll zufolge hat er es den Polizisten leicht gemacht. Offenbar vollgepumpt mit Drogen hat er die Bombe nicht richtig unter seiner Kleidung verborgen. "Man glaubt, dass der Attentäter mit Al-Kaida in Verbindung steht", heißt es in dem Feldbericht. Er habe mit syrischem Akzent gesprochen. Der Verdacht zwischen den Zeilen: Syrien könnte in den Terrorakt involviert gewesen sein. Syrien, das Nachbarland des Irak, das den USA seit Jahren verdächtig ist.

Vor allem unter Präsident George W. Bush haben die USA eine harte Strategie gegen Syrien verfolgt und den autokratischen Staatschef Baschar al-Assad mehrfach attackiert. Sein Regime unterstütze den Terror im Irak und in der gesamten Region, lautete der Vorwurf - die nun bekannt gewordenen Geheimprotokolle machen klar, welche Indizien das US-Militär für eine Syrien-Terror-Connection intern gesammelt hat. An mehreren Stellen wird eine mutmaßliche syrische Beteiligung an Selbstmordattentaten im Irak erwähnt. Auch von syrischen Finanz- und Trainingshilfen für Terroristen ist die Rede. Verifiziert sind die Angaben nicht. Es handelt sich wie bei den Hunderttausenden anderen Dokumenten um Protokolle von US-Soldaten, deren Hintergründe nicht zwingend ersichtlich sind.

Mini-Kamera für Selbstmordattentäter - plus Fernsteuerung

Nicht immer gehen die Zwischenfälle mit angeblicher syrischer Beteiligung so glimpflich aus wie jener vor der Moschee in Kirkuk. Ein US-Feldbericht schildert, wie am 14. August 2005 in der Stadt Mahawil ein Selbstmordattentäter seine Bombe zur Explosion vorbereitet und von Sicherheitskräften entdeckt wird. Als diese das Feuer auf ihn eröffnen, kann er noch den Sprengsatz zünden - er stirbt und reißt zwei Zivilisten mit in den Tod. Der Attentäter kommt dem Bericht zufolge aus Syrien.

Ein anderer Report vom 11. Juli 2007 schildert, wie US-Soldaten einen Mercedes-Bus sicherstellen, der von Syrien aus in den Irak fahren will. Darin finden sie 260 Gürtel für Attentäter, allerdings noch ohne Sprengstoff, 120 Gewehrkästen, 200 Kilogramm Munition, 40 Kilogramm Zündpulver, 100 Nachladegeräte für Patronen. Die US-Truppen hatten demnach zuvor eine "unbestätigte" Warnung bekommen, dass eine syrische Terrorgruppe 35 Selbstmordattentäter in den Irak senden will, darunter 15 Frauen. Sie sollten angeblich gefälschte Sicherheitsausweise erhalten, um auch in die Grüne Zone eindringen zu können, das schwer gesicherte Zentrum der US-Vertreter und der irakischen Regierung in Bagdad.

Ein US-Soldat meldet in einem Protokoll am 17. November 2006, Terroristen erhielten im Nachbarland auch Training und Ausbildung. Er warnt vor "neuer Taktik, Technik und Verfahren" für Selbstmordattentate. Zur Ausrüstung gehöre künftig eine Miniaturkamera, die Selbstmordattentäter tragen sollen, um von einem zweiten Terroristen kontrolliert werden zu können. Sollte der Attentäter seine Bombe nicht hochgehen lassen, könne der andere das per Fernzündung übernehmen.

In einem Memo vom 17. August 2008 heißt es, ein Überläufer habe ausgesagt, er sei in einem Kaida-Trainingslager in Syrien sieben Monate lang ausgebildet worden. Im Juni 2008 ist gar von 90 Terroristen unterschiedlicher Nationalität die Rede, die im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Irak auf ihren Einsatz warten sollen. Ein Aufständischer, der 2009 im Irak festgenommen wird, hat laut Protokoll 15 Stempel aus Syrien in seinem Pass. Der neueste stammt vom 1. April 2009.

Syrien als Rückzugsraum für Kaida-Kämpfer?

Im Oktober 2008 flog das US-Militär einen Angriff - angeblich den ersten - gegen Ziele auf syrischem Boden. Dabei wurden acht Menschen getötet, darunter vier Kinder. Ziel war ein Terrorist namens Abu Ghadija, der als einer der wichtigsten Schleuser von Selbstmordattentätern in den Irak gilt. Die syrische Regierung protestierte damals heftig: "Die Amerikaner wissen genau, dass wir unsere Grenze mit dem Irak zu sichern versuchen."

Auch Experten glauben allerdings, dass sich Extremisten von Al-Kaida jahrelang in Syrien weitgehend frei bewegen und nach Anschlägen untertauchen konnten. Die Geheimdienste des Landes ließen kampfwillige Dschihadisten aus anderen Ländern ungehindert über den Flughafen Damaskus einreisen. Die zogen dann über die syrisch-irakische Grenze in den Heiligen Krieg gegen die US-Truppen. US-Soldaten stöberten 2007 in der Stadt Sindschar Akten zu 590 über Syrien eingeschleuste Terroristen auf. Ihre Auftraggeber von der irakischen Kaida unterschieden dabei sorgfältig zwischen designierten Selbstmordattentätern und aufständischen Kämpfern.

Syrien ist nicht das einzige Nachbarland, das in den jetzt bekannt gewordenen Dokumenten als Problem erwähnt wird. Das mit den USA verbündete Jordanien ist demnach ein beliebter Rückzugsraum für die vertriebene Familie des gestürzten Diktators Saddam Hussein und einige Granden seines Regimes. Aufständische schmuggeln mit Hilfe solcher Exilanten Flugabwehrraketen aus dem haschemitischen Königreich in den Irak. Waffen und Munition wurden ebenfalls über die etwa 800 Kilometer lange Wüstenpiste zwischen Amman und Bagdad transportiert.

Die Rolle Irans - Waffenlieferungen vom östlichen Nachbarn

Viele der Geheimdokumente beschäftigen sich mit der Rolle Irans. Auch von dort kamen offenbar Waffen ins Land, einige über den Seeweg. In den Berichten der US-Truppen wird deutlich, dass sie die Grenze zu Iraks östlichem Nachbarstaat mit besonderem Argwohn beobachten.

In einem Report wird vor einem khakifarbenen Boot gewarnt, das am 1. Februar 2007 in Basra liegen soll, wo der Schatt al-Arab in den Persischen Golf fließt. Das Schiff soll aus Iran kommen und offiziell Hühner und Eier geladen haben. Der Geheimdienst des irakischen Verteidigungsministeriums will jedoch erfahren haben, dass zwischen all den Eiern und gackernden Hühnern 80 Katjuscha-Raketen versteckt sind, steht in einem US-Protokoll.

In einem anderen Memo wird geschildert, wie an der Grenze Waffen beschlagnahmt werden. Am 17. April 2008 kommt es demnach zu einem stundenlangen Schusswechsel zwischen Schmugglern und Sicherheitskräften. Die Iraker können die Waffenhändler vertreiben, sie fliehen laut Protokoll in Richtung Iran und lassen ihre schwer bepackten Esel zurück. Die Tiere bleiben an der Grenze stehen - beladen mit 163 panzerbrechenden Minen.

Raketenwerfer-Bausatz in Bananenkisten

Einem Bericht vom 13. Oktober 2006 zufolge kauft die schiitische Mahdi-Armee eine große Zahl Katjuscha-Raketen aus Iran, pro Stück für etwa 500 Dollar, und lagert sie in einer Moschee im irakischen Basra. Später werden die Geschosse demnach in Sanitätsfahrzeugen zu verschiedenen Stützpunkten rund um die Stadt transportiert. Kurz darauf warnt die Miliz die Einwohner von Basra, sie werde eine Offensive am Ende des Ramadan starten, wenn die britischen Streitkräfte - die damals die Region Basra kontrollierten - nicht abzögen.

Ebenfalls in Basra wird bei einer Routinepatrouille am 13. Dezember 2009 laut einem Protokoll ein Versteck mit 14 Kisten Maschinengewehrmunition gefunden, Kaliber 12,7. Auch sie sollen aus Iran stammen. Am 31. August 2009 entdecken Sicherheitskräfte einem Dokument zufolge im Industriegebiet von Amara, einer Stadt im Südosten des Irak, 17 Stahlschienen, dazu mehr als 1000 Wagenheber, versteckt in Bananenkisten. Schiitische Milizen basteln aus solchen Einzelteilen ihre Raketenwerfer.

Die Hinweise auf eine Iran-Connection sind eher sporadische Funde. Dass die USA so intensiv auf Belege für Waffenlieferungen aus dem Nachbarland geachtet haben, wirkt eher wie eine angestrengte Suche nach Beweisen dafür, dass Iran zu den Hauptunterstützern der schiitischen Milizen im Irak gehört.

Die Geheimprotokolle legen nahe, dass es Waffenlieferungen gegeben hat. Doch eines geben sie nicht her - einen Beweis, dass der Handel von der iranischen Regierung zentral gesteuert wurde.


Quelle: Spiegel Online

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Kommentare (31)

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Thema: "Iraks Problemnachbarn: Terror-Import mit dem Packesel"

Maxi schrieb: am 24. Oktober 2010 um 16:33:06
(0) (0) islam. Terror
Jedenfalls hat sich die USA/der Westen keinen Gefallen mit den Irak/Afghanistan-Einsätzen getan; mit der dekadenten
Lebensweise - wie radikale Moslems annehemen - ein Nährboden für Terrorismus und Christenverfolgung. Hinzu kommt ein Minderwertigkeitskomplex. Wenn der Westen nicht aufpaßt, fordern demnächst radikaler auch die hungernden Entwicklungsländer-Bewohner einen gerechten Anteil an der Weltwirtschaft. Da braucht nur ein Demagoge zu kommen.
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Max schrieb: am 24. Oktober 2010 um 16:04:34
(0) (0) USA die wahren Terroristen
was hatte den Irak mit den 9/11 zu tun USA hat den WEltweiten Terror gefördert und nun bekommen sie den
herbeigerufenen gespehnst nicht mehr weg selbst schuld solange ein Ami fuß in irak oder so is so lange wird es terror geben die menschen tuhen sich blos gegen die Besatzter verteidigen ich nenne es nicht Terror sondern Verteidigung
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Fredi schrieb: am 24. Oktober 2010 um 15:52:41
(0) (0) Irak-Terror
Für den Einmarsch in den Irak müßte G.W. Bush vor das Kriegsgericht in Den Haag. Diese vorgeschobenen Gründe - es ging nur
ums Öl, nicht um Menschenrechte. Auch der Afghanistan-Krieg hat keine humanen Gründe. Warum wird nicht im Sudan, Simbabwe oder Somalia interveniert? Weil diese Länder strategisch und wirtschaftlich uninterssant sind.
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