08.06.2011, 12:48 Uhr | Das Interview führte Friederike Steinberg
Schon Jahre vor jetzigen EHEC-Welle hat ARD-Journalist Klaus Weidmann die deutschen Gesundheitsbehörden vor dem gefährlichen Keim gewarnt. 1999 warf er ihnen in einem Bericht "verheerende Verharmlosung und Gleichgültigkeit" im Umgang mit dem Darmkeim vor. Auch heute sieht Weidmann noch Nachholbedarf beim Infektionsschutz. Im Gespräch mit t-online.de nennt er Länder, in denen es besser läuft.
t-online.de: EU-Gesundheitskommissar John Dalli hat die Deutschen aufgefordert, sich in der EHEC-Krise vom Ausland helfen zu lassen? Welche Länder kommen dafür in Frage?
Klaus Weidmann: Die USA haben beispielsweise große Erfahrung mit EHEC-Infektionswellen. Dort gibt es eine zentrale Seuchenbehörde - das Center for Disease Control und Prevention (CDC) in Atlanta. Sobald dort Verdachtsfälle auftreten, schreitet diese Behörde sehr schnell ein und macht sich auf die Suche nach der Quelle. Hier hat man bereits viel mehr Erfahrung mit EHEC als in Deutschland. Aber ich glaube, es geht zunächst einmal darum, in Deutschland die Zuständigkeiten zu regeln - da geht offenbar Vieles durcheinander.
Was sollte Deutschland ändern?
Zunächst einmal muss man gewährleisten, dass Krankenhäuser und Ärzte bei Verdacht Patienten sofort auf EHEC untersuchen lassen. Wenn ein EHEC-Erreger gefunden wird, sollte dies nicht nur sofort an die örtlichen Gesundheitsämter gemeldet werden, sondern auch an das Robert-Koch-Institut in Berlin. Dort sitzen die entsprechenden Fachleute, die wissen, wie man damit umgehen kann. Also die Meldepflicht muss noch einmal verbindlich geregelt werden.
Und dann muss klar gemacht werden, wer sich auf Spurensuche begibt. Auch da wäre es sinnvoll, sich an die Fachkompetenzen - Wissenschaftler - zu wenden, die in Bereitschaft sind und sofort ausschwirren, um den Erreger ausfindig zu machen. Weiter muss auch klar geregelt werden, wer die Öffentlichkeit informiert. und auch das sollte meiner Meinung nach zentral geschehen.
Das ist bis jetzt nicht der Fall?
Es gibt Meldepflichten, aber offenbar ist es so, dass diese nicht wirklich immer greifen. Es gibt Wissenschaftler, die forschen, aber offensichtlich nicht immer die gewünschte Verbindung zwischen den wissenschaftlichen Instituten und dem Robert Koch-Institut in Berlin. Und was die Informationspolitik angeht, gibt es derzeit ein heilloses Durcheinander.
FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr hat es in der ARD als "typisch deutsch" kritisiert, dass "sofort wieder nach einer neuen Behörde und einer neuen Struktur gerufen" werde. Was sagen Sie dazu?
Gesundheitsminister Bahr hat ja auch am Sonntag gesagt, dass alles so wie es derzeit läuft in Ordnung ist. Ich glaube mittlerweile wissen wir alle, dass es so nicht in Ordnung ist und dass Handlungsbedarf besteht. Es kann nicht sein, dass verschiedene Länderbehörden unterschiedliche Angaben machen: Die Hamburger beschuldigen spanische Gurkenbauern, die Schleswig-Holsteiner beschuldigen einen Restaurant-Besitzer in Lübeck, die Niedersachsen einen Sprossenbauern. Und nachher wird alles wieder zurückgenommen.
Da muss Abhilfe geschaffen werden. Es müssen sicherlich auch Besitzstände aufgegeben werden, um das Ganze einheitlich zu regeln. Notfalls müssen in den Bundesländern Kompetenzen beschnitten werden. Aber der Verbraucher hat ein Recht auf - so gut es geht - gesicherte Information, und auch die Produzenten haben ihrerseits ein Recht darauf, dass ihre Existenzen nicht einfach wahllos kaputt gemacht werden.
Wird es weitere EHEC-Wellen geben?
Ja, ich bin fest überzeugt, dass es weitere EHEC-Wellen geben wird, weil es schon vor vielen Jahren und Jahrzehnten große EHEC-Epidemien gegeben hat, in Japan und in den USA, auch in Deutschland, die zum Teil nicht so wahrgenommen wurden. Der EHEC-Erreger ist gefährlich, er verändert sich und mutiert. Gerade hier ist es wichtig, die Fachkompetenzen zu bündeln und auch vielleicht tatsächlich vom Ausland zu lernen und sich beraten zu lassen, dass wir in Deutschland fachgemäß mit solchen Seuchen umgehen.
Das Interview führte Friederike Steinberg
Das Interview führte Friederike Steinberg
troll schrieb:
am 8. Juni 2011 um 19:23:31
(0)
(0)
Klaus Weidemann zu EHEC
Was dieser Mann vorschlägt hat Hand und Fuß. Bei uns läuft zu viel auf bürokratischer Verwaltungsebene, d.h. es
wird sich über verschiedene Ebenen behindert, anstatt die zu aktivieren, die fachlich der Lage gewachsen sind und dem Problem gezielt auf den Grund gehen. Nur so kommen Ergebnisse zustande, über die informiert werden. Aber doch nicht Vermutungen u. Geschwätz von Beamten, Politikern, die sich gerne reden hören.
mehr
Kommentar melden
Arnold schrieb:
am 8. Juni 2011 um 16:53:28
(0)
(0)
EHEC - Das Interview (II)
Es ist dreist, zu behaupten, "Existenzen würden WAHLLOS kaputt gemacht". In Güterabwägung gilt stets -
und gottseidank - der Schutz vor schwerster Erkrankung vor wirtschaftlichen Interessen. Und betroffene Anbauer haben einen Anspruch auf solidarische Hilfe, wie sie die EU auch plant. Es ist peinlich, mit anzusehen, wie hier allerorten Besserwisser ihre Stunde sehen. Auch neue Strukturen, etwa ein CDC-Analog, können keine Wunder wirken und wollen wir wirklich ein "Informationsministe
mehr
Kommentar melden
axel schrieb:
am 8. Juni 2011 um 16:27:59
(0)
(0)
Fleisch ???
EHEC kommt doch aus dem Darm von Schlacht-Tieren. Liegt da Fleisch nicht sehr nahe???
Kommentar melden
Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de
Höchste Qualität zum sagenhaft günstigen Preis: Hemden, Jacken u.v.m. von Daniel Hechter. mehr
Modische Multitalente für Business und Freizeit - für Frauen mit jedem Figur-Typ. zum XXL-Special
Entdecken Sie jetzt die modischen Hosen der Saison – in exzellenter Passform! von AtelierGS