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Internet-Botschaft wohl falsch - Ermittler unter Druck

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Internet-Botschaft wohl falsch - Ermittler unter Druck

13.03.2009, 21:04 Uhr

Ein Handy-Video zeigt Tim K. kurz vor seinem Tod (Foto: AP) Ein Handy-Video zeigt Tim K. kurz vor seinem Tod (Foto: AP)

In die Trauer über die Opfer des Amoklaufs von Winnenden mischt sich zunehmend Ärger über die Informationspolitik der Ermittlungsbehörden. Der Amokläufer von Winnenden hat seine Tat offenbar doch nicht vorab im Internet angekündigt. Der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) sprach von einer "schlimmen Falschmeldung", die "irgendein Verrückter" in die Welt gesetzt habe.

Bislang hätten sich lediglich zwei Personen gemeldet, die behaupteten, den Eintrag im Internet-Chat gesehen zu haben, sagte ein Polizeisprecher. Die Zeugen würden weiter vernommen. Zudem liefen Überprüfungen durch Spezialisten des Landeskriminalamtes. Ein Sprecher dementierte zugleich, dass die Ankündigung auf dem Computer des Amokläufers Tim K. gefunden worden sei.

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Ermittler suchen nach Laptop

Tim K. habe seinen PC in der Nacht auf Mittwoch um Mitternacht ausgeschaltet. Es könne bislang aber noch nicht ausgeschlossen werden, dass er die Botschaft, die nach bisherigen Erkenntnissen gegen 02.45 Uhr im Forum krautchat.net eingestellt wurde, von einem anderen PC aus versandt hat. "Ob der Täter ein Laptop hatte, wissen wir noch nicht", sagte der Waiblinger Polizeisprecher Klaus Hinderer.

"Nicht hundertprozentig durchermittelt"

Zur Informationspolitik der Behörden sagte der Sprecher, es habe möglicherweise einen Übermittlungsfehler gegeben. Die Polizei sei bemüht, schnell zu informieren. "Es ist möglich, dass noch nicht alles hundertprozentig durchermittelt war", räumte er ein.

Hilfe-Antrag in den USA gestellt

Hinderer sagte weiter, nur der Betreiber des Servers in den USA könne sagen, wer, was und ob etwas ins Netz eingestellt worden sei. Ein Rechtshilfeersuchen war laut Polizei bereits am Vorabend gestellt worden.

Chatroom-Betreiber reden von Fälschung

Auch auf der Startseite des betreffenden Chatrooms krautchan.net war von einer Fälschung die Rede. Der in den Medien zitierte Eintrag habe nie existiert, teilten die Betreiber des derzeit abgestellten Chatrooms mit. "Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können", hieß es.

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Forum-Eintrag nicht auf Tims Computer verfasst

"Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt", sagte Rech der "Süddeutschen Zeitung". Die Ermittler der Polizei hätten auf dem Computer von Tim K. festgestellt, dass der Forum-Eintrag nicht von dort verfasst worden sei. "Das muss wohl im Nachhinein konstruiert worden sein", sagte der Minister. Er wies Kritik zurück, die Ermittler hätten sich zu früh auf die Echtheit des Eintrages festgelegt. "Ich habe stets deutlich gemacht, dass es sich um den vorläufigen Stand der Ermittlungen handelt."

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Screenshot der mutmaßlichen Amok-Ankündigung bei www.krautchan.net. (Foto: dpa) Screenshot der mutmaßlichen Amok-Ankündigung bei www.krautchan.net. (Foto: dpa)

"Wie vor den Kopf gestoßen"

Rech hatte noch am Nachmittag bei einer Pressekonferenz gesagt, dass Tim K. in der Nacht zum Mittwoch im Internet geschrieben habe, es reiche ihm, er habe dieses "Lotterleben" satt. Er meine es ernst, er habe Waffen und werde am Morgen an seine frühere Schule gehen und "mal so richtig gepflegt grillen." Jetzt müsse erst einmal in Ruhe geprüft werden, was es mit dem Eintrag auf sich habe, sagte die Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft, Claudia Krauth, dem Berliner "Tagesspiegel". Die Ermittler seien "wie vor den Kopf gestoßen".

Jugendlicher gab Polizei den Hinweis

Die Polizei war durch den Hinweis eines 17-Jährigen aus Bayern auf den Internet-Chat gestoßen. Der Vater des Jugendlichen hatte sich laut Rech am Mittwochabend bei der Polizei gemeldet. Der Jugendliche habe die Ankündigung zunächst nicht ernst genommen. Der Amokläufer Tim K. hatte am Mittwochmorgen neun Schüler und drei Lehrerinnen seiner ehemaligen Schule erschossen. Auf der Flucht tötete er drei weitere Menschen und schließlich auch sich selbst.

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Zypries fordert Kontrolle von Schützenvereinen

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) forderte die Schützenvereine auf, ihre Mitglieder künftig besser zu kontrollieren. Die im Waffengesetz geregelten Aufbewahrungspflichten müssten unbedingt eingehalten werden, sagte sie der "Rheinischen Post". Ein Verbot, Waffen zu Hause zu lagern, lehnte Zypries ab. Schon nach dem Amoklauf in Erfurt im Jahr 2002 sei entschieden worden, dass es sicherer sei, die Waffen zu Hause aufzubewahren als in zentralen Lagern. Der Vater des Amokläufers besaß nach offiziellen Angaben als Mitglied eines Schützenvereins legal 15 Waffen. Auch der 17-jährige Tim K. hatte an Schießübungen des Vereins teilgenommen.

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SPD: Genauigkeit vor Schnelligkeit

Mit Blick auf Rech kritisierte die Südwest-SPD, man müsse nicht immer "mit sekundenschnellen Botschaften" an die Öffentlichkeit gehen. In einem solchen Fall gehe Genauigkeit vor Schnelligkeit, erklärte der Chef der baden-württembergischen SPD-Landtagsfraktion, Claus Schmiedel.

"Hatten Verpflichtung, zu berichten"

Rech selbst wies die Vorwürfe zurück und betonte, er habe nur den aktuellen Ermittlungsstand mitgeteilt. "Da der mögliche Internet-Chat schon vor der Pressekonferenz zahlreichen Medien bekannt war, hatten wir die Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit, über diesen Ermittlungsstand zu berichten. Man hätte uns sonst zu Recht vorgeworfen, wichtige und die Menschen bewegende Informationen zurückzuhalten", argumentierte der CDU-Politiker. Sollten sich die Zweifel an der Echtheit des Chateintrags bestätigen, "müssen wir uns sorgfältig mit den Konsequenzen auseinandersetzen", erklärte der Minister.


Quelle: dpa , dapd , AFP

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