Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Deutschland > Gesellschaft >

Integrationsdebatte: Kritik an türkischem Ministerpräsidenten Erdogan

...
Drucken Drucken

Harsche Kritik an türkischem Ministerpräsidenten Erdogan

28.02.2011, 16:29 Uhr

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnt seine Landsleute in Deutschland vor Assimilation (Foto: Reuters)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnt seine Landsleute in Deutschland vor Assimilation (Foto: Reuters)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat für seine Äußerungen zur Integration seiner Landsleute in Deutschland teils harsche Kritik geerntet. Der Politiker forderte während einer Rede in Düsseldorf, dass Kinder aus türkischen Familien zuerst ihre Muttersprache lernen sollten. Zudem warnte Erdogan vor kultureller Verschmelzung: "Niemand wird in der Lage sein, uns von unserer Kultur loszureißen", rief er am Sonntag seinen rund 11.000 Zuhörern im ISS-Dom zu. Zahlreiche deutsche Politiker wiesen die Forderungen von Erdogan teils scharf zurück.

"Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen", sagte der türkische Premier bei seiner Rede.

Zugleich wandte er sich erneut gegen eine "Assimilation", eine völlige Anpassung. Mit einer ähnlichen Position hatte Erdogan schon bei seinem Deutschlandbesuch vor drei Jahren Streit ausgelöst.

Westerwelle: "Sprache ist Schlüssel zur Integration"

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wies die Forderung Erdogans zurück, Kinder türkischer Migranten sollten zuerst ihre Muttersprache erlernen. Die Bundesregierung bewertete die Äußerungen Erdogans zurückhaltend.

Westerwelle bezeichnete das Erlernen der deutschen Sprache als "Schlüssel zur Integration" von Migranten in Deutschland. "Die Kinder, die in Deutschland groß werden, müssen zu allererst Deutsch lernen", erklärte er in Berlin. Ohne die deutsche Sprache "kommen sie in der Schule nicht mit und haben später schlechtere Chancen als andere".

CSU-Generalsekretär fordert Einbestellung des Botschafters

Schärfere Töne schlug CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt an: Es sei ein bemerkenswerter Vorgang, wenn ein ausländischer Staatschef nach Deutschland komme und die Gelegenheit wahrnehme, um seine Landsleute "aufzuwiegeln", sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung in München.

Zugleich forderte er die Bundesregierung auf, den türkischen Botschafter einzubestellen. Erdogang habe die Türkei als Schutzmacht für die in Deutschland und Libyen lebenden Türken bezeichnet. Dieser Vergleich Deutschland-Libyen deute auf etwas hin, "was absolut unzulässig ist", sagte Dobrindt. Deshalb sei eine Unterredung "dringend geboten".

Erdogan warnt vor Ausländerfeindlichkeit

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe wies Erdogans Warnung vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland und einer Assimilation der türkischen Migranten scharf zurück. Der türkische Premier tue so, als ziele deutsche Integrationspolitik darauf ab, kulturelle Wurzeln von Migranten zu kappen. "Damit schürt er unnötig Misstrauen", sagte Gröhe. "Der Ministerpräsident wäre besser beraten, stärker für die Vorteile einer gelingenden Integration zu werben."

Erdogan hatte vor einer wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland gewarnt. Eine solche Entwicklung werde in der Türkei "mit großer Beunruhigung" verfolgt. Deutsche Politiker sollten diese Feindlichkeit mit ihren Äußerungen "nicht weiter aufbauschen". Auch eine zunehmende negative Stimmung gegen den Islam kritisierte der türkische Premier. "Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, genauso wie Rassismus", erklärte Erdogan.

"Türken sind nationale Minderheit"

Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner kritisierte die Aussagen des türkischen Regierungschefs. Es sei "merkwürdig", wenn Erdogan den Eindruck erwecke, dass es sich bei den aus der Türkei Zugewanderten um eine "nationale Minderheit" handele, sagte Lindner in Berlin. "Tatsächlich geht es um Menschen, die wir in unser Land integrieren wollen." Die Rede des Regierungschefs habe daher einen "verstörenden Charakter".

Nach Ansicht der Bundesregierung war die Rede Erdogans allerdings ein "unmissverständlicher Aufruf zur Integration". Regierungssprecher Steffen Seibert sagte vor Journalisten in Berlin, Kinder mit nur bruchstückhaften Deutschkenntnissen hätten in der Schule einen Nachteil, den sie oft sehr mühsam oder gar nicht mehr aufholen könnten. Daher sollte das Deutsch lernen dem Türkisch lernen "zumindest gleichgestellt" werden.

Die migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, erklärte, die Integrationsprobleme türkischer Migranten hätten in erster Linie soziale Ursachen. Sie ließen sich deshalb nicht durch das Erlernen der deutschen Sprache allein lösen.

Erdogan sagt Besuch bei der EU ab

Erdogans Deutschlandbesuch wurde auch von der Debatte über einen möglichen EU-Beitritt der Türkei überschattet. Der Vorsitzende des Auswärtigen Bundestagsausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), widersprach einer Forderung von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu stoppen, wenn nicht sofort die volle Religionsfreiheit in der Türkei gewährt werde. Davon halte er nichts, sagte Polenz der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" vom Montag.

Einen für Dienstag geplanten Besuch bei der EU, bei dem es um die stockenden Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei gehen sollte, sagte Erdogan wegen der Beerdigung des früheren türkischen Regierungschefs Necmettin Erbakan ab. Der türkische Regierungschef wollte am Montagabend gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Hannover die Computermesse CeBIT eröffnen, bei der die Türkei in diesem Jahr das Partnerland ist.


Anzeige

Quelle: dapd , dpa , AFP

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Integrationsdebatte: Kritik an türkischem Ministerpräsidenten Erdogan" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Integrationsdebatte: Kritik an türkischem Ministerpräsidenten Erdogan" gefallen hat.

 

Anzeige
Video
Politikerin posiert nackt auf Wahlplakat

Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video

Augenblicke
Fotos des Tages
Ein verletzter Bulle rächt sich an einem mexikanischen Matador und wirft ihn in die Luft. (Quelle: Reuters\Olivier Anrigo )

Tierische Rache an einem Matador. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Restposten-Verkauf
Frühlings Lieblinge: Frisch aus der neuen Kollektion bei neckermann.de

Lagerräumung mit bis zu 80% Rabatt.
von neckermann.de

Sexy Jeans-Röcke
Trend-Styles von Esprit

Der Trend im Sommer: jetzt in angesagten Waschungen. mehr


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige