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Integration: "Steht die CSU unter 40 Prozent, geht es gegen die Ausländer"

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"Steht die CSU unter 40 Prozent, geht es gegen die Ausländer"

18.10.2010, 11:26 Uhr | Von Manfred Rey, dapd

CSU-Chef Seehofer und CDU-Chefin Merkel: FDP und Opposition zufolge wollen sie mit ihrem Integrationsvorstoß vor allem ihre Umfragewerte verbessern. (Foto: Reuters)

CSU-Chef Seehofer und CDU-Chefin Merkel: FDP und Opposition zufolge wollen sie mit ihrem Integrationsvorstoß vor allem ihre Umfragewerte verbessern. (Foto: Reuters)

In der Kontroverse um Zuwanderung und die Integration von in Deutschland lebenden Ausländern wird der Ton schärfer: Vor allem bei den Grünen stießen Forderungen von CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vom Wochenende nach einer härteren Gangart bei der Integration auf scharfe Kritik.

Grünen-Chefin Claudia Roth warf Seehofer Hetze gegen Menschen vor, denen Deutschland eine Heimat geworden ist. Zuvor hatte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärt, Seehofer bereite den Boden für Rechtsextremismus. Seehofers ablehnende Haltung zur weiteren Zuwanderung ausländischer Arbeitnehmer löste auch bei FDP-Generalsekretär Christian Lindner Widerspruch aus.

Roth sagte mit Blick auf Seehofer: "Statt sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen, hetzt die CSU mit ihrem Sieben-Punkte-Plan gegen Menschen, denen Deutschland und Bayern eine Heimat geworden ist." Alle Migranten würden in ein Klischee gepresst und "zur Rechtfertigung ihres eigenen Daseins" gezwungen.

Wulff soll sich bei Türkei-Reise von Seehofer distanzieren

Seehofer verfahre nach dem alten konservativen Reflex: "Steht die CSU unter 40 Prozent, geht es gegen die Ausländer." Grünen-Fraktionschefin Renate Künast wies die Äußerung von Bundeskanzlerin Merkel vehement zurück, "Multikulti" sei gescheitert. "Mit solchen Aussagen versucht Merkel nur von den Problemen ihrer Partei abzulenken", sagte Künast, die darin den Versuch sieht, die Grünen als Feindbild aufzubauen, weil das konservative Lager in einer Identitätskrise stecke.

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte Bundespräsident Christian Wulff auf, er solle seinen an diesem Montag beginnenden Staatsbesuch in der Türkei nutzen, konstruktiv über Integration zu reden und sich von "Rechtspopulisten" wie Seehofer distanzieren.

Veit: Panikmache angesichts abwandernder Migranten

Wulff sollte deutlich machen, "die Integrationsdebatte in Deutschland wird nicht von den Rechtspopulisten Seehofer und Sarrazin dominiert, sondern von einem parteiübergreifenden Interesse an einer rationalen Debatte um die beste Integrationspolitik".

Der integrationspolitische Sprecher der SPD, Rüdiger Veit, sagte: "Angesichts der unverständlichen Äußerungen von Horst Seehofer sollte Wulff den Türken sagen, dass sie hier in Deutschland willkommen sind." Die derzeitige Integrationsdebatte werde nicht auf Basis von Fakten geführt, kritisierte Veit: "Eine Panik vor einem Zuviel an Zuwanderung ist unangebracht, wenn man sieht, dass die Zahl der Türken, die von Deutschland in ihre türkische Heimat zurückgegangen ist, im letzten Jahr um 9000 Personen höher lag als die Zahl der Türken, die nach Deutschland gekommen sind."

FDP-Generalsekretär: Seehofer sucht "Lufthoheit über den Stammtischen"

FDP-Generalsekretär Christian Lindner sieht in der ablehnenden Haltung Seehofers zur weiteren Zuwanderung einen "Versuch, die Lufthoheit über den Stammtischen von Thilo Sarrazin zurückzugewinnen". Pauschalurteile und kulturelle Abschottung seien falsch. Entscheidend für die Zuwanderung seien nicht das religiöse Glaubensbekenntnis oder die private Lebensführung, sondern die Akzeptanz der Rechtsordnung in Deutschland und die Bereitschaft zur Integration in Wirtschaft und Gesellschaft.

Linke-Parteichef Klaus Ernst sagte, Seehofer vergifte die politische Debatte und schrecke Menschen ab, sich in Deutschland zu engagieren. "Es ist eine Schande, dass solche Worte ausgerechnet vom Ministerpräsidenten eines Landes kommen, das so sehr vom Export lebt wie Bayern. Seehofer schadet Bayern, als Land und als Wirtschaftsstandort."

"Wir sind ein Auswanderungsland"

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt stellte sich an die Seite Seehofers. Statt einer "ungezügelten Zuwanderung" müssten Integrationsdefizite abgebaut werden. Bei drei Millionen Arbeitslosen in Deutschland brauche das Land "eine Qualifizierungsoffensive und keine Zuwanderungsoffensive".

Dem widersprach der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klaus Zimmermann. "Es gibt massive Handlungsnotwendigkeiten", sagte er. "Im Augenblick kommen 700.000 Menschen pro Jahr rein, aber mehr als 700.000 Menschen verlassen uns auch wieder. Wir sind ein Auswanderungsland." Das sei eine gefährliche Entwicklung, die in den nächsten 20 bis 30 Jahren zu erheblichen Anpassungsschwierigkeiten führen werde, sagte Zimmermann. Nötig seien "jährlich 500.000 Menschen netto mehr im Land".

Nach Angaben des CSU-Innenpolitikers Hans-Peter Uhl will die Koalition noch in diesem Monat ein Gesetzespaket für ein härteres Durchgreifen gegen Integrationsverweigerer auf den Weg bringen. Danach sollen die Träger von Integrationskursen gesetzlich verpflichtet werden, den Sozial- und Ausländerbehörden sofort zu melden, wenn Migranten Kurse trotz Teilnahmepflicht fernbleiben. Die Koalitionspläne zielen nach Angaben des Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestag, Wolfgang Bosbach (CDU), zudem darauf ab, Zwangsehen unter Strafe zu stellen und Scheinehen einen Riegel vorzuschieben.


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Quelle: dapd

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