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Juden und Muslime kritisieren Einbürgerungstest
11.07.2008, 09:31 Uhr
Der Einbürgerungstest erntet viel Kritik (Foto: imago)Die Kritik am geplanten Einbürgerungstest reißt nicht ab. So vermisst der Zentralrat der Juden eine Thematisierung der Nazi-Verbrechen und spricht von einem "seltsamen Geschichtsverständnis". Vertreter der Muslime halten einige Fragen des Tests für ideologisch gefärbt.
Die Bundesregierung bestreitet, dass Gewissensfragen gestellt würden. "Es gibt keine Gesinnungsfragen in diesem Test", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums in Berlin. t-online.de hat 33 weitere Fragen zusammengestellt, mit denen Sie testen können, wie schwer der Test wirklich ist.
Quiz 2: 33 neue Fragen aus dem Einbürgerungstest
Quiz 1: 33 Fragen aus dem Einbürgerungstest
Innenminister Wolfgang Schäuble verteidigte den von Wissenschaftlern erarbeiteten Fragenkatalog. "Da wird keiner überfordert", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" vom Mittwoch. Nach Einschätzung der Migrationsbeauftragten Maria Böhmer (CDU) können die Fragen bei entsprechender Vorbereitung beantwortet werden.
17 Antworten müssen richtig sein
Mit dem bundesweit einheitlichen Test sollen ab 1. September Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung nachgewiesen werden. Aus insgesamt 300 Fragen werden jeweils 33 ausgewählt. Bestanden hat, wer 17 richtig beantwortet. Der Test kann beliebig oft wiederholt werden.
Kein Bezug zum Holocaust
Der Zentralrat der Juden kritisierte, es werde zwar Wissen zur Geschichte Deutschlands abgefragt, aber im Fragenkatalog komme das Wort "Holocaust" kein einziges Mal vor. Sein Generalsekretär Stephan Kramer nannte es unerträglich, wenn zudem bei der Frage nach den prägenden Religionen im europäischen und deutschen Kulturkreis Hinduismus, Christentum, Buddhismus und Islam als Antwort angeboten würden, "das Judentum aber schlicht unterschlagen wird".
Muslime: Haltungen unterstellt
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland bemängelte, es würden den Befragten bestimmte Haltungen unterstellt und versucht, diese zu korrigieren. So werde als eine von vier Antwortmöglichkeiten auf die Frage zum deutschen Wahlsystem angeboten, dass der Ehemann für seine Frau wähle, kritisierte Generalsekretär Aiman Mazyek in Köln.
Ministerium will Fragen korrigieren
Berlins Innensenator Ehrhart Körting verteidigte den Test. Wer Deutscher werden wolle, müsse Grundkenntnisse über das Land haben, sagte der SPD-Politiker dem Fernsehsender N-TV. Im Laufe des Verfahrens könne man über die eine oder andere Frage noch nachdenken. Das Bundesministerium stellte in Aussicht, möglicherweise ungenaue Fragen zu korrigieren. In Niedersachsen wurde bereits ein Fehler reklamiert. Auf die Frage "Wo können Sie sich in Niedersachsen über politische Themen informieren?" soll offensichtlich "Landeszentrale für politische Bildung" als richtige Antwort gelten - die wurde aber 2004 aufgelöst. Je Land sind zehn spezifische Fragen formuliert.
"Grotesker Ankreuztest"
Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sprach von einem "grotesken Ankreuztest": "Detailfragen zur Hundesteuer haben nun wirklich nichts mit Einbürgerung zu tun." Auch die Linke und die Vertreter der Deutsch-Türken hatten den Test abgelehnt.