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Innenminister überprüfen Alkoholverbot in Regionalzügen

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"Es gibt ganz eindeutig Alkoholexzesse"

03.12.2009, 15:27 Uhr | von Matthias Armborst, AP

Alkoholexzesse in Regionalzügen - die Innenminister prüfen jetzt ein Alkoholverbot (Foto: Imago) Die Innenminister prüfen ein Alkoholverbot in Regionalzügen (Foto: Imago)Verdreckte Toiletten, überquellende Mülleimer, stinkende Bierpfützen, Vandalismus: Besonders an Wochenenden sind Fahrten in vielen Regionalzügen kein Spaß. "Es gibt ganz eindeutig Alkoholexzesse, gerade rund um Fußballspiele", klagt Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Er spricht von "unhaltbaren Zuständen". Dagegen wollen die Innenminister vorgehen: Auf ihrer Herbsttagung diskutieren sie über ein Alkoholverbot und eine verstärkte Videoüberwachung in Zügen.

Mit einer Notbremse in Sachen Alkohol hat ein privates Bahn-Unternehmen schon gute Erfahrungen gemacht: "Die allermeisten Kunden reagieren absolut positiv auf unser Verbot, viele bedanken sich bei den Zugbegleitern", sagt Tatjana Festerling, Sprecherin der Eisenbahngesellschaft Metronom.

"Metronom alkoholfrei"

Diese ist mit ihren Regionalzügen im Raum Hannover-Hamburg-Bremen unterwegs. An den Türen prangen jetzt Aufkleber mit der Aufschrift "Metronom alkoholfrei": Wer mit Schnaps, Sekt oder Bier erwischt wird, zahlt 40 Euro. Wer sich weigert, fliegt raus.

"Sitze aufgeschlitzt, Fenster mit Graffiti überzogen"

Weshalb hat sich Metronom zu diesem drastischen Schritt entschlossen? "Es gab drei Gründe: Die vielen Fahrgastbeschwerden, die Angriffe auf unsere Zugbegleiter und die hohen Vandalismusschäden", sagte Festerling. Manchmal habe es wie in Katastrophengebieten ausgesehen. Von Pendlern, die wochentags saubere Zügen gewohnt seien, habe sie gehört: "Wir fahren an den Wochenenden nicht mehr, weil wir nicht wollen, dass unsere Kinder traumatisiert werden." Und: Einige Fahrgastbetreuer seien von Angetrunkenen so hart angegriffen worden, "dass sie nicht mehr in den Beruf zurückkehren können". Die Kosten für zusätzliche Reinigungseinsätze und Reparaturen - eine halbe Million Euro pro Jahr allein bei Metronom - hätten außerdem in keinem Verhältnis mehr gestanden. "In den Bahnen wurden Sitze aufgeschlitzt, Deckenplatten zerhauen und Fenster mit Innengraffiti überzogen. Es wurde alles verbogen und abgebrochen, was die Leute in die Finger kriegen konnten."

"Das ist Belästigung"

Dann ist da noch die Belästigung von Fahrgästen durch Fußballfans, aber auch durch Junggesellenabschiede: "Inzwischen fahren die Leute ja nicht einfach mit der Bahn in die City und feiern dort. Die Feierei hat ja längst auf die Zugfahrt übergegriffen", sagt Festerling. Und Pendler wollten einfach nicht länger bei jeder zweiten Fahrt einen Schnaps unter die Nase gehalten bekommen. Das ist Belästigung."

Mehr Personal in Zügen

Eine Befragung der Metronom-Fahrgäste im Frühjahr habe schließlich eine überwältigende Mehrheit für ein Alkoholverbot gebracht. "Und das haben wir dann in mehreren Schritten eingeführt: Ab Mitte November gab es eine Gelbe Karte für Verstöße, ab dem 1. Dezember wird durchgegriffen." Dafür habe man auch mehr Personal an Bord: bis zu drei Fahrgastbetreuer plus Sicherheitspersonal. Dass aber auch gegen das Alkoholverbot verstoßen wird, räumt Festerling ein: "Es gibt nun einmal Fangruppen oder andere Leute, bei denen Konfrontation und Zerstörung zur eigenen Identität gehören." Diese seien ein Fall für die Polizei.

Deutsche Bahn legt sich nicht fest

Dem Fahrgastverband Pro Bahn gehen totale Alkoholverbote zu weit: "Wenn man dem Feierabendpendler sein Bierchen und dem Kegelclub seinen Piccolo verbietet, verliert die Bahn einen wichtigen Vorteil gegenüber den anderen Verkehrsmittel", meint ihr Sprecher Karl-Peter Naumann. Ihm schwebt eher ein Alkoholverbot an bestimmten Tagen und zu bestimmten Zeiten vor. Auch der FDP-Innenexpertin Gisela Piltz ist gegen ein striktes Nein zu Alkohol. Eine Kontrolle sei nahezu unmöglich: "Man muss sich schon fragen, ob künftig die Schaffner an jeder Wasserflasche die Schnupperkontrolle machen sollen, ob nicht doch Alkohol drin ist." Es müsse darum gehen, Exzesse zu verhindern, und nicht den Genuss derer zu unterbinden, "die sich die Reise mit einem Gläschen Sekt versüßen".

"Wir stehen der Diskussion offen gegenüber"

Tatjana Festerling von Metronom widerspricht: "Gerade die Damenkränzchen sind total einsichtig, wenn man denen die neue Regelung erklärt." Schließlich drehe sich die Diskussion ja um Regionalzüge, in denen kaum jemand länger als 60 Minuten sitze. "Und so lange sollte jeder verzichten können. Wer das nicht kann, braucht eine Suchtberatung." Die Deutsche Bahn äußert sich bisher nicht eindeutig zu Schritten gegen exzessiven Alkoholkonsum. "Wir stehen der Diskussion offen gegenüber", sagte ein Sprecher lediglich. Die Bahngewerkschaft GDBA glaubt allerdings nicht an eine Durchsetzbarkeit: "Der Dumme ist letztlich der Zugbegleiter, der im Zweifel einer Horde alkoholisierte Jugendlicher gegenübersteht und das Verbot durchsetzen muss", sagt ihr stellvertretender Bundeschef Peter Tröge.

"Eine Kamera ersetzt keinen Polizisten"

Und wie steht es mit Kameras für mehr Sicherheit in Zügen? "Videoüberwachung kann in besonderen Gefahrenlagen ergänzend sinnvoll sein, aber eine Kamera ersetzt keinen Polizisten, der eingreift, wenn jemand bedroht oder angegriffen wird", betont Piltz. Vielmehr müssten die Landesregierungen "in ihre Polizisten und so in die Sicherheit der Menschen in den Ländern investieren".


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Quelle: dapd

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Kommentare (3)

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Thema: "Innenminister überprüfen Alkoholverbot in Regionalzügen"

Großvater schrieb: am 28. März 2010 um 10:03:03
(0) (0) es ist nicht nur der Alkohol
Wenn schlaftrunkene Kleinkinder vielerorts morgens aus den Autos ihrer berufstätigen Mütter vor den Türen der
Verwahranstalten abgeliefert werden, oder wenn man diese einige Jahre später in Bussen und Bahnen wie Schlachtvieh zu den Schlen transportiert, muß man sich nicht wundern wenn in der Entwicklung unseres Nachwuchses eine ganze Menge schief läuft.
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chrissi schrieb: am 9. März 2010 um 13:26:49
(0) (0) Alkoholverbot in Zügen
ich plädiere auch für ein Alkoholverbot ,nach dem Rauchverbot, der Dreck kommt aber nicht nur durch Alkohol,es wird
durch die Zerstörungswut vieler Jugendlicher aber auch jungen Erwachsenen in Bahnhöfen,Zügen wird alles dreckig ,oder kaputtgemacht,beschmiert,mit Schuhen auf den Sitzen,ich bin für mehr Präsenz durch Zugbegleiter die auch mal eine Mahnung bzw.Ordnungsstrafe auszusprechen,das Problem ist generell ,wie es nach der Disco nach Hause geht,Mülltonnen,Lampen,Blumenkästen,alles s
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Peter schrieb: am 4. März 2010 um 17:48:04
(0) (0) Alkoholverbot DB
Hier macht es im vergleich zu anderen Stellen Sinn. Selbst ich fahre gelegentlich noch mit Zügen der DB selbst miterlebt
habe ich solche Alkoholexzesse auch schon, und dies nicht im Rahmen von Fussballspielen. Die Bahn trägt da allerdings in meinen Augen eine erhebliche Mitschuld, es waren mal mehr Zugbegleiter in den Zügen vorhanden. Heute Sieht es so aus dass sich diese alle 30 Minuten mal blicken lassen Fahrscheine Kontrollieren das wars. Ich nehme am liebsten nur noch im Bordbistro Platz.
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