18.08.2011, 12:42 Uhr
Demonstranten protestieren in Neu-Delhi gegen die Korruption und die Inhaftierung des Bürgerrechtlers Anna Hazare. (Foto: ap)
In Indien wird jeder Bereich des täglichen Lebens von Korruption überschattet. Vom ranghohen Politiker bis zum kleinen Beamten, fast jeder scheint bestechlich zu sein. Nun haben viele Inder die Nase voll und prangern die korrupten Beamten in der Öffentlichkeit an. Zehntausende Demonstranten setzen die indische Regierung unter Druck.
Es war eine schreckliche Nacht für Vivek Pai. Ein Freund war bei einem Autounfall getötet worden. Nun brauchte der junge Ingenieur eine Bestätigung für die Einbalsamierung, damit der Leichnam nach Neu Delhi gebracht werden konnte.
"Ich musste im Krankenhaus Schmiergeld zahlen, damit jemand die Einbalsamierung vornahm. Danach musste ich einem Angestellten 500 Rupien (Acht Euro) für die Bestätigung bezahlen, damit die verzweifelten Eltern ihren Sohn ein letztes Mal sehen konnten", erzählt Pai. "Ich schäme mich für unser korruptes System."
In Indien zahlt man Schmiergeld, um eine Firma zu gründen, eine Wohnung zu registrieren, für einen Führerschein, Reisepass, sogar für den Universitätsabschluss. Die drittgrößte Wirtschaftsmacht Asiens hält Rang 87 von 178 Staaten auf dem Korruptionsindex von Transparency International. Laut einer Studie der Forschungsgesellschaft IndiaForensic hat die Korruption Indien in den letzten zehn Jahren etwa 240 Millionen Euro gekostet.
Korruption hindert arme Inder daran, am wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben. 2009 zahlte jeder Inder im Durchschnitt 2000 Rupien an Schmiergeld - 260 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.
Aber was zu viel ist, ist zu viel. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten gehen nun Menschen gegen die allgegenwärtige Korruption auf die Straße. Der prominente Anti-Korruptions-Aktivist Anna Hazare begann sogar einen Hungerstreik und wurde deshalb sogar vorübergehend festgenommen.
Mit seiner Aktion will Hazare ein strikteres Anti-Korruptions-Gesetz durchsetzen. Zehntausende Menschen waren am Mittwoch in der indischen Hauptstadt auf die Straße gegangen, um gegen die weitverbreitete Korruption zu demonstrieren. Das Ausmaß des Protests und weitere Demonstrationen in anderen Städten hatten die Regierung von Ministerpräsident Manmohan Singh unter Druck gesetzt.
Skandale wie die völlig verunglückte Organisation der Commonwealth Games, die Delhi im vergangenen Jahr zum internationalen Gespött machten, und eine 40-Milliarden-Dollar-Korruptionsaffäre um die Vergabe von Telefonlizenzen haben das Fass zum überlaufen gebracht und eine Anti-Korruptionskampagne ins Leben gerufen.
Korruption beginnt ganz oben, davon sind viele Inder überzeugt. Die Gelder fließen von Politikern und hohen Beamten dann in die Taschen ihrer Untergebenen. Parteien kaufen Stimmen, in dem Wissen, dass die erfolgreichen Kandidaten dann durch Missbrauch ihrer Ämter wieder Geld hereinbringen.
"Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Korruption und schlechter Staatsführung. Die Korruption hat die Demokratie unterminiert", sagt B.S. Batwa von Transparency International Indien.
Auf der Webseite "Ipaidabribe.com" ("Ich habe Schmiergeld bezahlt") können Inder korrupte Beamte bloßstellen; sie posten, wo man wieviel zahlen musste. Mit 13.000 Korruptionsfällen sei die Seite zum weltweit größten Sammelbecken für Opfer geworden, sagt einer der Koordinatoren des Angebots, T.R. Raghundan.
Jetzt scheint ein Showdown zwischen Bevölkerung und Politikern bevorzustehen. "Ich bin nicht optimistisch. Die Bewegung könnte gewalttätig werden, wenn die Regierung nicht schnell genug reagiert", sagt Soziologe Shiv Vishvanathan.
Er befürchtet, dass die Aktivisten es nicht mit den gewieften Politikern aufnehmen können, die alles tun werden, um die Anti-Korruptions-Bewegung zu unterdrücken. Wenn jedoch erst einmal mächtige Minister der Korruption überführt und verurteilt werden, könnte dies als Beispiel dienen, hofft Batwa.
Am wichtigsten ist jedoch, dass die Menschen beginnen, sich zu weigern, Bestechungsgelder zu zahlen. Rohit Singh aus Delhi ist einer von ihnen. "Meine Freunde und ich haben geschworen, kein Schmiergeld zu zahlen." Vor kurzem sollte er einen Polizisten bezahlen, um einer Verkehrsstrafe zu entgehen. "Ich habe darauf bestanden, die höhere Strafe zu bezahlen. Der Polizist war verwirrt und konnte nur verlegen lächeln", erzählt der Student.
Quelle: dpa , AFP
JOJO schrieb:
am 18. August 2011 um 16:35:38
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Aufstand
Die Aufstände der Menschen die unter soziale Ungerechtigkeit leiden steigt.Wann ist Deutschland an der Reihe??????Alle Multis
dieser Welt kommen nicht gegen die Massen der hungernden an.Und auf dem Mond ist das Leben noch nicht möglich.Und irgendwann wird auch der treuste und blindeste Soldat wieder sehen:Und dann???????????
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Rentner schrieb:
am 18. August 2011 um 16:02:22
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Armut müssen nicht sein
Die Welt kann das verordnete Armut nicht mehr ertragen. Die Protesten werde noch ausbreiten gegen diese ausbeutung
Politik in dieser Spekulanten Welt.
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Charly schrieb:
am 18. August 2011 um 16:00:49
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Korruption
Wenn die Inder mit ihrer Kampagne Erfolg haben können sie uns Deutschen doch mal ein paar Tipps geben!
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