Aggressiv und clever: Rhesusaffen auf Beutezug in Indien (Foto: AFP)
Wildhüter in Indien wollen die Affenplage im Bundesstaat Punjab auf ungewöhnliche Weise in den Griff bekommen: Besonders freche Tiere, die Menschen generalstabsmäßig überfallen und Kühlschränke ausräumen, müssen auf einer Art Affenschule Manieren lernen.
Hanuman heißt der Affengott - und er wird im hinduistischen Indien von Millionen Menschen verehrt. Der besondere religiöse Status hat sicher auch dazu beigetragen, dass sich die Tiere in den vergangenen Jahren zu einer regelrechten Plage für die Bewohner indischer Städte entwickelt haben. Weil immer mehr Wälder verschwinden, streunen immer mehr Makaken, in erster Linie Rhesusaffen, durch die Städte.
Ohne Pardon
Auf der Suche nach Essbarem kennen die Tiere kein Pardon. Ein offenstehendes Fenster und ein paar Minuten reichen für eine Horde, um die Küche zu plündern und die gesamte Wohnung zu verwüsten. Schranktüren werden aufgerissen, Bettlaken zerrissen und Vorhänge heruntergezerrt.
Auch Angriffe auf Menschen
Auch vor Büros machen die cleveren Kletterkünstler nicht halt: Angeblich klauen sie sogar Akten, um das Papier zu vertilgen. Selbst wiederholte Angriffe auf Menschen sind dokumentiert - die Bisse der kleinen Rhesusaffen sind äußerst schmerzhaft. Drakonische Gegenmaßnahmen, etwa der massenhafte Abschuss, sind aus religiösen Gründen ausgeschlossen.
Auf die Schulbank
Der Bundesstaat Punjab will der Affenplage nun mit einer ungewöhnlichen Maßnahme begegnen. Wildhüter wollen besonders aggressive Tiere einfangen und ihnen eine Art Rehabilitation ermöglichen. Etwa 100 Makaken könnten eines Tages die Affenschule besuchen.
Eine Art Pilotprojekt
"Es gab mehrere Bissangriffe auf Menschen", sagt R. K. Luna, der oberste Wildhüter in Punjab. Die Population habe die Zahl von 50.000 erreicht, um die Stadt Patiala herum lebten 10.000 Tiere. "Um das Problem zu lösen, wollen wir ein Rehabilitationszentrum neben dem kleinen Zoo von Patiala eröffnen", sagte Luna der Nachrichtenagentur Press Trust of India. Es handle sich um das erste derartige Zentrum in Indien. Zunächst sollten dort 20 Tiere betreut werden.
Hoffnung der Wildhüter
Die Affen sollen medizinisch versorgt und in gutem Verhalten trainiert werden. Es handle sich um eine Art Benimmschule, hieß es. Luna sprach gegenüber der BBC von "wissenschaftlichen Methoden, die das soziale Verhalten der Tiere ändern". Die Wildhüter hoffen, dass die Tiere nach dem Training weniger aggressiv auftreten.
Languren verlagern Problem
Eine Methode, um die marodierenden Affenhorden zumindest zu vertreiben, sind domestizierte Languren. Vertreter dieser Affenart können bei entsprechendem Training Häuser vor den kleineren Rhesusaffen beschützen. Das Problem wird so allerdings nicht gelöst, sondern nur verlagert. Denn die vertriebenen Makaken weichen bei ihren Beutezügen einfach in andere Viertel aus, wie Wildhüter schon vor Jahren in Neu-Delhi beobachtet haben. Die indische Armee hatte die Languren zum Schutz von Militärobjekten eingesetzt - sehr erfolgreich, aber zum Nachteil der Bewohner angrenzender Stadtteile.