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Indien: Boeing schießt über Landebahn

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Indien: Boeing schießt über Landebahn

22.05.2010, 18:29 Uhr | dpa, AFP, APN

Flugzeugabsturz in Indien: Feuerwehrleute am Unglücksort in Mangalore (Foto: dpa)

Bei einem Flugzeugunglück in Indien sind mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Die indische Passagiermaschine der Billig-Fluggesellschaft Air India Express mit 166 Menschen an Bord schoss am Samstag bei der Landung in der südindischen Stadt Mangalore über die Landebahn hinaus. "Das ist eine große Katastrophe", sagte der Innenminister des Unionsstaates Karnataka, V.S. Acharya. Nach Angaben des Air India Personalchefs waren zunächst acht Insassen lebend gerettet worden. Ein sieben Jahre alter Junge starb aber wenig später.

Die aus Dubai kommende Boeing 737 schoss bei der Landung gegen 6 Uhr über die Piste hinaus, durchbrach einen Begrenzungszaun und die Umgrenzungsmauer und stürzte schließlich in ein Tal. Der Flughafen liegt auf einem Plateau, das von Hügeln umgeben wird. An Bord waren 160 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder.

Flugzeug ging in Flammen auf

Es habe eine Erschütterung und wenig später eine Explosion gegeben, sagte ein Überlebender dem Sender CNN-IBN. Fernsehaufnahmen zeigten, wie Rauch über dem Flugzeug aufstieg. Rettungskräfte suchten nach Überlebenden und wurden dabei von Dutzenden Anwohnern unterstützt. Ein Feuerwehrmann trug ein verletztes etwa sieben Jahre altes Kind auf seinem Arm. Das Kind wurde wegen schwerer Verbrennungen im Krankenhaus in Mangalore behandelt.

Leichen aus dem Wrack geborgen

Mangalore ist eine Küstenstadt rund dreihundert Kilometer westlich von Bangalore. Das hügelige, mit Bäumen bewachsene Gelände erschwert die Arbeit der Rettungsmannschaften Der Polizeichef von Mangalore sagte der britischen BBC, die Chancen, noch Überlebende zu finden, seien nicht sehr hoch, da das Flugzeug größtenteils ausgebrannt sei. Wer überlebt habe, sei wahrscheinlich aus der Boeing gesprungen oder herausgeschleudert worden, berichtete ein lokaler Fernsehsender.

Pilot setzte kein Notrufsignal ab

Die Unglücksursache war zunächst unklar. Boeing kündigte an, die Ermittlungen der indischen Behörden zu dem Unglück zu unterstützen. Der Flug IX-812 habe kein Notsignal abgesetzt, sagte ein Vertreter von Air India. Pilot und Co-Pilot seien sehr erfahren gewesen. Starts und Landungen gelten bei Experten als relativ anspruchsvoll, da es wenig Spielraum gebe. Zu den Wetterverhältnissen am Unglücksort gab es unterschiedliche Angaben. Im US-Fernsehsender CNN berichtete, die Sicht sei schlecht gewesen, es habe geregnet. Andernorts hieß es, die Sicht sei ausreichend gewesen.

"Ich bin sofort herausgesprungen"

Die Aussagen der Überlebenden weisen darauf hin, dass die Boeing zunächst sicher landete, allerdings hätten sie dabei Geräusche gehört, möglicherweise sei ein Reifen geplatzt. Anscheinend sei das Flugzeug außer Kontrolle geraten, mit einem Hindernis zusammengeprallt, über die Landebahn hinausgeschossen und in das Tal gestürzt. "Ein Riss im Flugzeugkörper war da, wo ich saß", sagte ein Überlebender dem Sender NDTV. "Ich bin sofort herausgesprungen (...) Als ich weglief, war das Flugzeug von Flammen umgeben."

"Keine Warnung an die Passagiere"

Ein anderer Überlebender sagte der Nachrichtenagentur PTI, er sei den Flammen mit lediglich leichten Verletzungen entkommen. "Es gab keine Warnung an die Passagiere und die Landung schien zunächst normal", sagte er. Als die Maschine den Boden berührt habe, sei sie ins Schleudern geraten und sei wenige Augenblicke später gegen etwas gestoßen. "Dann ist sie in der Mitte auseinandergebrochen und hat Feuer gefangen."

"Ich kann nicht glauben, dass ich überlebt habe"

Ein weiterer berichtete, er habe einen seiner Mitreisenden in die Flammen stürzen sehen. Ein anderer sei mit ihm zusammen aus der Maschine gekrochen. Sie seien dann 20 Minuten durch den Dschungel gelaufen, bevor sie auf Einheimische trafen, die ihnen halfen. Er sagte, etwa zehn Minuten nach dem Absturz habe es eine Explosion gegeben. "Ich kann nicht glauben, dass ich überlebt habe."

Passagiere waren Inder, Pilot war ein Brite

Stunden nach der Katastrophe waren Helfer immer noch damit beschäftigt, verkohlte Leichen aus den qualmenden Trümmern zu bergen - manche von ihnen waren noch auf ihren Sitzen angeschnallt. Das Cockpit war zertrümmert. Sämtliche Passagiere waren Inder, unter ihnen 19 Kinder und vier Babys. Der Pilot wurde als ein Brite identifiziert, der seit zwei Jahren für Air India flog.

Fluglinie bietet Billigflüge in Golfstaaten an

Air India Express ist eine Tochterfirma der staatlichen Air India und bietet Billigflüge nach Dubai und zu Zielen am Persischen Golf an. Viele Menschen aus Karnataka verdingen sich dort als Bauarbeiter, Hausangestellte oder in anderen Niedriglohnjobs. Sie schicken ihren Familien einen Großteil ihres Gehalts und kommen für ihren Jahresurlaub nach Indien zurück.

Schwerstes Unglück seit 1996

Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh sprach den Angehörigen der Überlebenden sein Beileid aus und sagte ihnen finanzielle Entschädigung zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelte Singh telefonisch ihr Beileid, wie eine Regierungssprecherin in Berlin mitteilte. Auch Außenminister Guido Westerwelle sprach den Opfern sein Beileid aus. Das Unglück ist möglicherweise das schwerste in Indien seit November 1996. Damals wurden beim Zusammenstoß einer saudischen Maschine und einem Frachtflugzeug aus Kasachstan 349 Menschen getötet.



Quelle: dapd , dpa , AFP

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Kommentare (54)

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Thema: "Indien: Boeing schießt über Landebahn "

popel schrieb: am 22. Mai 2010 um 16:18:23
(0) (0) @flybot
Die gefahr mit dem flugzeug abstuzürzen is WESENTLICH geringer als beim auto fahren zu sterebn!zählt man alleine mal die
jährlichen tödlichen autounfälle in deutschland zusammen,kommt da schonm einiges bei rum. natürlich ist es ein gewisses risiko,was man beim fliegen eingath,aber im großen und ganzen gesehen ist fliegen nicht so gefährlich wie autofahren.
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Duetto schrieb: am 22. Mai 2010 um 16:15:21
(0) (0) Fliegen ist ja so sicher!!
Es werden werden ja immer die Flugkilometer bei der Berechnung der Unfallstatistik zu Grunde gelegt. Wie würde es
denn aussehen wenn nur Kurzstrecke geflogen wird? Oder die Unfallstatistik nach Starts und Landungen berechnet wird. Ich glaube soo sicher ist fliegen nicht.
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flybot schrieb: am 22. Mai 2010 um 16:07:52
(0) (0) unglück
Fliegen der sicherste Verkehrsmittel?und mit dem Auto braucht ihr garnet erst vergleichen, so viel wie ich in mein Leben mit dem
Auto gefahren bin,und weiter fahre,wäre ich mit dem flugzeug schon längst unten,dann müsste ich ja eben zum Bäcker auch mit einem Flugzeug hin,so ein Quatsch! Ich würde nur in Notfällen Fliegen wenn es sein muss,selbst da habe ich bedenken.
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