Ist kein anderes Futter greifbar, gehen Kohlmeisen auch auf Fledermausjagd (Foto: imago)
Normalerweise ernähren sich Meisen von Samen oder Insekten. In einer Höhle im Nordosten Ungarns erbeuten sie aber auch Zwergfledermäuse, wie Fledermausforscher Björn Siemers vom Max-Planck-Institut Seewiesen berichtete. Die Fledermäuse kommen immerhin auf ein Viertel des Körpergewichts der Vögel.
Die Meisen - in diesem Fall sind es Kohlmeisen - gehen nur im Winter auf Fledermausjagd. Dann fliegen sie in die Höhle und machen sich im durch eine große Öffnung einfallenden Dämmerlicht auf die Suche nach ihrer schlafenden Beute. Möglicherweise orientierten sie sich dabei auch an Geräuschen, die die Fledermäuse beim Aufwachen ausstoßen.
Angreifer brauchen höchstens eine Viertelstunde
"Es sind vermutlich Laute, die der Abwehr dienen sollen", sagte Siemers, "aber es erscheint möglich, dass sie von den Meisen zum Orten der Fledermäuse genutzt werden." Spätestens nach einer Viertelstunde wurden die Meisen so in der Höhle fündig und erbeuteten eine Fledermaus. Teilweise trugen sie die Tiere in ihrem Schnabel nach draußen und fraßen sie auf Bäumen in der Nähe (Hilfe für Fledermäuse in Haus und Garten).
Jagd kann auch gefährlich werden
Die Meisen greifen allerdings nur auf die Fledermäuse als Beute zurück, wenn sie kein anderes Futter finden. Boten die Forscher ihnen Körner und Speck als Alternative an, flogen sie nicht mehr in die Höhle. Vermutlich sei die Jagd dort anstrengend und auch gefährlich, sagte Siemers. Die Fledermäuse könnten ohnehin nur im Winterschlaf erbeutet werden, und wenn sie doch wach seien, könnten sie sich wehren und den Meisen Bissverletzungen beibringen.
Ähnliche Beobachtungen in Schweden und Polen
Die Forscher gehen davon aus, dass die Meisen der Gegend schon seit langem auf die Fledermäuse Jagd machen. Der Erstautor der Studie, Peter Estok, hatte vor der Höhle in Nordostungarn bereits vor zehn Jahren eine Kohlmeise beim Fressen einer Fledermaus beobachtet. Vermutlich werde das Verhalten von Generation zu Generation weitergegeben. Auch aus Schweden und Polen gibt es Beobachtungen, die auf ein entsprechendes Jagdverhalten der Meisen hindeuten.
Für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt
Eine Gefährdung für den Fledermausbestand schließt Siemers aber aus. Dafür fräßen sie die Meisen einfach zu selten. In 21 Beobachtungstagen hatten die Meisen die Höhle insgesamt 18 Mal aufgesucht. Außerdem könnten die Meisen nur in Höhlen auf die Jagd gehen, in die genug Licht falle. Meisen sind für ihre Anpassungsfähigkeit bekannt. In den 40er Jahren lernten Blaumeisen auf den britischen Inseln, vom Milchmann abgestellte Flaschen zu öffnen, um an die Sahne im Inneren des Deckels zu kommen.
Nicht immer friedfertig
Zudem sind die Kohlmeisen auch nicht unbedingt friedfertig: Teilweise töten sie auch andere Vögel, wenn diese ihnen Konkurrenz machen. Die Studie wurde im Fachmagazin "Biology Letters" am 9. September unter dem Titel "Great tits search for, capture, kill and eat hibernating bats" online vorab veröffentlicht.