12.07.2011, 12:53 Uhr
Forstwirte zerlegen im Kronwald (Mecklenburg-Vorpommern) eine gefällte, abgestorbene Esche. Der Schlauchpilz "Chalara fraxinea" rafft ganze Wälder dahin (Foto: dapd) (Quelle: dapd)
Nachdenklich setzt Ralph Wienholz die Kettensäge an den etwa 20 Zentimeter starken Stamm an. Kreischend fressen sich die rotierenden Stahlzähne ins Holz. Kurz danach kippt der Baum krachend zu Boden. "Da blutet das Förster-Herz", sagt der 49-Jährige achselzuckend. Mehr als 50 Bäume, die bis zu 140 Jahre alt sind, werden derzeit täglich in seinem Revier gefällt. Es sind todkranke Eschen, befallen von einem Pilz, der sich seit acht Jahren epidemieartig durch Mecklenburg-Vorpommerns Wälder frisst.
Die von Eschen bevorzugten mineralischen Feuchtwälder in Vorpommern, in denen Deutschlands letzte Schreiadler brüten, sind besonders betroffen. Allein im Kronwald zwischen Demmin und Loitz kommt für 74 Hektar Eschenwald jede Hilfe zu spät.
Im Bereich des Forstamts Poggendorf sind 470 Hektar, etwa ein Drittel des gesamten Eschenbestands, nicht mehr zu retten. Amtsmitarbeiter Wolfgang Behl zeigt auf kahle Baumwipfel und vertrocknete Eschentriebe soweit das Auge reicht - im Schnitt 400 Bäume pro Hektar. Zum Schluss bleibe nur noch die Rodung und anschließende Bepflanzung mit Erlen, Eichen und Bergahorn, sagt er. Auf der Ostseeinsel Rügen mussten schon 2010 etwa 20.000 Eschen auf 50 Hektar Wald aufgegeben werden.
Nach Schätzung der Landesforstanstalt in Malchin sind inzwischen 46 Prozent der Bäume in den rund 15.000 Hektar Eschenwäldern in Mecklenburg-Vorpommern befallen. Das entspricht knapp drei Millionen Bäumen. Zwar gebe es auch noch gesunde Bestände, die vielleicht resistent gegen das sogenannte Eschentriebsterben seien und Hoffnung machten, sagt eine Mitarbeiterin. Die dem Tod geweihten Bäume aber sollen bis 2013 größtenteils gefällt werden.
Die Zeit dränge, denn der Pilz fresse sich ziemlich schnell durch die Stämme. Oft tauge das Wertholz, das normalerweise für die Möbelproduktion, wegen seiner Elastizität aber auch für Turngeräte und Werkzeugstiele Verwendung findet, aber nur noch als Brennholz.
"Wenn es gut geht, decken die Einnahmen aus dem Holzverkauf die Ausgaben für die Wiederaufforstung", sagt Behl. Eine Alternative zur Rodung gebe es nicht. Die oft schon hohlen Eschen drohten beim nächsten Sturm zu brechen. "Außerdem dürfen wir die hochproduktiven Standorte nicht einfach verbuschen lassen, sondern müssen sie für nachfolgende Generationen wiederaufforsten."
Ein Gegenmittel existiert nicht. Ohnmächtig gegen den zerstörerischen Pilzbefall wurde die Neupflanzung junger Eschen inzwischen landesweit untersagt. Um wenigstens die letzten Eschenhölzer noch bestmöglich verwerten zu können, fördert der Bund ein Projekt zur Entwicklung moderner Holzerntetechnologien und neuer Werkstoffe aus Eschenfasern.
"Wir haben wirklich Angst, wie es mit der Esche weitergeht", sagt Behl auf Nachfrage gegenüber t-online.de. "Man weiß ja nicht mal, warum das passiert." Zum Beispiel könne man nicht sagen, ob ein Zusammenhang mit dem Klimawandel bestehe, so Behl. Bei dem Pilz handle es sich um einen "ganz normalen Schlauchpilz", der dafür sorgt, dass zu Boden fallende Blätter welken und sich zu Humus zersetzen, erklärt der Forstamtsmitarbeiter. Die Pilze vermehrten sich geschlechtlich und ungeschlechtlich. Letztere Art sei die gefährliche, so Behl. Die Sporen dieser Pilze dringen auch in das Holz ein, "sie verstopfen die Leitbahnen" und setzen dort Toxine (Gift) frei. Die Bäume sterben ab.
Den Kampf gegen das Eschensterben scheint die Wissenschaft zu verlieren. Das Phänomen habe sich längst vom Baltikum über Skandinavien bis nach Frankreich ausgebreitet, sagt der Göttinger Eschenspezialist Jörg Schumacher. In Deutschland seien vor allem Bestände in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern betroffen.
Auf einer Konferenz der Europäischen Pflanzenschutzorganisation EPPO in Oslo hatten sich Forscher vor einem Jahr darauf verständigt, sich auf die natürliche Resistenz zu konzentrieren. In fast allen Ländern seien etwa zwei bis drei Prozent der Bäume in den sterbenden Revieren gesund, sagt Schumacher. "Für sich genommen ist das zu wenig für die Arterhaltung und würde in den einzelnen Ländern zu einer genetischen Verarmung führen." Deshalb wolle die EU nun einen gemeinsamen Gen-Pool für Nachzüchtungen anlegen, für den jedes Land die Samen seiner noch gesunden Eschen beisteuern soll.
Quelle: tbo , t-online.de , dapd
Hotte schrieb:
am 11. Juli 2011 um 19:51:36
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Eschen fallen schlauchpilz zum Opfer
Da bringt aber das aufforsten mit Eiche auch nichts weil der Eichenprozessionsspanner auf dem Weg ist
rasant die Oberhand zu gewinnen, siehe kahlgefressene Eichenwälder und das Eichensterben dadurch. Erle ist ok da widerstansfähig, lärche wäre auch ne option da außerdem noch schnellwachsend und hochwertiges Holz.
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