05.08.2011, 18:47 Uhr
Kein Land ist so hart von der derzeitigen Hungerkatastrophe am Horn von Afrika betroffen wie Somalia. Was die Menschen in dem von Bürgerkrieg und Dürre gebeutelten Land durchmachen, ist für westliche Maßstäbe kaum zu begreifen. Viele haben in ihren Heimatdörfern alles verloren, laufen tage- ja manchmal wochenlang durch Gebiete, in denen sie ständig von wilden Tieren und Räubern bedroht werden. Hinzu kommen nun auch noch extrem starke Regenfälle. Nicht selten müssen die Familien schließlich hilflos mit ansehen, wie ihre Kinder an den Folgen von Unterernährung sterben.
Rahmo Ibrahim Madey ist Hunderte Kilometer weit aus dem von der radikalislamischen Al-Shabaab-Miliz kontrollierten Süden in die umkämpfte Hauptstadt Mogadischu gelaufen. Die junge Frau wollte ihre ausgezehrten Kinder retten. Aber der Kampf war vergeblich. "Ich habe zwei meiner Töchter an diese schreckliche Dürre verloren", sagt die 29-Jährige mit Tränen in den Augen. "Fadumo und Batulo sind beide vor meinen eigenen Augen gestorben." Es passierte unterwegs. Eine Tochter war ein Jahr alt, die andere vier Jahre.
Zu diesem furchtbaren Trauma kommt noch hinzu, dass Madey ihren ältesten Sohn Ahmed in ihrem Heimatdorf zurücklassen musste. "Ich besitze nur noch, was ich am Körper trage", sagt sie und deutet auf ihr rotes Kleid. "Ich habe keine Lebensmittel mehr, wenn ich diesen Haferbrei aufgegessen habe", fügt sie hinzu und zeigt auf eine kleine Schüssel.
Mittlerweile platzen selbst in Mogadischu die behelfsmäßigen Camps aus allen Nähten. Die Vereinten Nationen schätzen, dass bisher bereits mehr als 100.000 Binnenflüchtlinge Zuflucht in der Hauptstadt gesucht haben. Diese ist selbst seit Jahren Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen der Al-Shabaab-Miliz und der von der Afrikanischen Union unterstützen Übergangsregierung.
Situation in Somalia wird immer dramatischer. Nach Wochen der Dürre regnet es nun viel zu heftig. zum Video
Die Situation in den Lagern in und um Mogadischu ist düster. "Die Menschen haben nichts mehr, ihre Ernten sind vernichtet und das Vieh tot", sagt Andy Needham vom Flüchtlingskomitee UNHCR. Viele würden Wasser aus verdreckten Plastiktüten trinken, weil es keine Becher oder Wasserkrüge gebe.
Nicht umsonst ist Mogadischu samt Umland seit Mittwoch eine der fünf Regionen, in denen die UN bereits offiziell eine Hungersnot ausgerufen hat. "Die Menschen, die hier ankommen, sind alle in einem wirklich schlechten Zustand", sagt UN-Ernährungsexpertin Grainne Moloney.
Islamistische Rebellen schicken sie ins Dürregebiet zurück. Dadurch sind die Frauen oft schutzlos Übergriffen ausgesetzt. zum Video
Zudem leiden die Flüchtlinge seit Tagen unter extrem starken Regenfällen, was fast wie Ironie anmutet, sind sie doch auf der Flucht vor der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Für die Hungernden stellen die Wassermassen hingegen ein zusätzliches Drama dar, da es durch die behelfsmäßig aufgespannten Plastikplanen und Stofffetzen hindurch regnet. Ein paar Tage Regen reichen zudem natürlich nicht aus, um den ausgedörrten Boden in der Region wieder fruchtbar zu machen.
"Alle Zelte sind undicht", erklärt der 59-jährige Flüchtling Ey Sitey. "Wir brauchen Nahrung, schützende Unterkünfte und Toiletten." Denn trotz aller Bemühungen internationaler Organisationen fehlt es für die Binnenflüchtlinge in Mogadischu weiter am Nötigsten. "Und immer mehr Leute kommen hier jeden Tag an. Das wird sich wahrscheinlich auch nicht ändern", sagt Needham vom Flüchtlingskomitee UNHCR.
Da die meisten Ankommenden weder Feuerholz noch Kochtöpfe haben, verteilt das Welternährungsprogramm (WFP) unterdessen in Ernährungszentren der Stadt warme Mahlzeiten an die Hungernden. Aber diese Maßnahmen können immer nur kurzzeitig Linderung bringen - und sie reichen bei weitem nicht aus, um dem Ansturm Herr zu werden.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) arbeitet deshalb bereits an Langzeitlösungen für das gebeutelte Land. "Wir führen landwirtschaftliche Projekte durch, die darauf abzielen, dass die Menschen wieder pflanzen und ernten können, wenn die nächste Regenzeit kommt", sagt IKRK-Sprecherin Anna Schaaf.
Konto: 400 400 508
Postbank Köln
BLZ: 370 100 50
www.gemeinsam-fuer-afrika.de
Stichwort: "Ernährungskrise am Horn von Afrika"
Bank für Sozialwirtschaft
Konto: 97097
BLZ: 37020500
Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de
Stichwort: "Nothilfe Horn von Afrika"
Bank für Sozialwirtschaft
Konto 300000
BLZ 37020500
Internet: www.unicef.de
Stichwort: "Ostafrika"
Bank für Sozialwirtschaft
Konto 102030
BLZ 37020500
Internet: www.aktion-deutschland-hilft.de
Stichwort: "Dürre Ostafrika"
Sparkasse Köln Bonn
Konto 1115
BLZ 37050198
Internet: www.welthungerhilfe.de
Quelle: dpa
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