04.08.2011, 15:54 Uhr
In den kenianischen Flüchtlingscamps sterben immer mehr unterernährte Kinder aus Somalia. "Doch auch die Kinder, die überleben, werden vermutlich für immer chronisch krank sein", sagte Susanne Anger, Sprecherin des Bündnisses "Gemeinsam für Afrika", zu t-online.de.
Durch die lang anhaltende Mangelernährung verzögere sich auch die geistige und körperliche Entwicklung sowie die Lernfähigkeit der Kinder, sagte Anger. "Chronische Folgekrankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen schädigen ganze Generationen", warnt sie. Die Hilfsorganisationen schicken deshalb verstärkt Spezialnahrung, High-Energy-Riegel und Erdnusspaste in die Flüchtlingslager. "Die Kinder bekommen Infusionen, um sie möglichst schnell wieder aufzupäppeln", sagte Anger.
Ein weiteres Problem sei, dass viele Mütter sterben und ihre Kinder zu Waisen werden, sagte Anger. "Meist trifft es die älteste Schwester, die sich dann um ihre Geschwister kümmern muss." In den Lagern gebe es aber auch eine immer größer werdende Zahl an Kindern, die gar keine Bezugsperson mehr haben. "Wir bemühen uns verstärkt, Bereiche für diese Kleinen einzurichten, in denen sie dann betreut werden."
Die USA schätzen, dass die Hungersnot in Somalia in den vergangenen 90 Tagen mehr als 29.000 Kinder unter fünf Jahren das Leben gekostet hat. Das sagte die Regierungsbeamte Nancy Lindborg vor einem Ausschuss des US-Kongresses. Die US-Schätzung ist die erste genauere Zahlenangabe seit Beginn der Krise.
Situation in Somalia wird immer dramatischer. Nach Wochen der Dürre regnet es nun viel zu heftig. zum Video
Nach den neuesten Erkenntnissen der Vereinten Nationen ist die Quote der Kinder unter fünf Jahren, die die Hungersnot nicht überlebten, zuletzt von 1,2 auf 1,8 pro 1000 Kinder gestiegen. Diese Zahlen beziehen sich jedoch ausschließlich auf Todesfälle in den medizinischen Zentren in dem Lager Dadaab in Nordkenia. Dabei sei kaum abzuschätzen, wie viele Kinder täglich in anderen Teilen des Camps ums Leben kämen.
Gleichzeitig seien die Zahlen akut unterernährter Menschen in Dadaab mittlerweile "alarmierend hoch", berichtete das Flüchtlingskomitee UNHCR. Allein im Juli seien 40.000 Hungernde angekommen - das sei die höchste Zahl seit 20 Jahren. Täglich kämen durchschnittlich 1300 weitere verzweifelte Somalier hinzu. Obwohl die Organisation bereits tausende Notunterkünfte aufgebaut habe, seien 45.000 weitere Zelte nötig, um dem Ansturm zu begegnen. In Dadaab leben derzeit fast 400.000 Menschen; die meisten von ihnen stammen aus dem Bürgerkriegsland Somalia. Ursprünglich war das Lager für 90.000 Menschen gebaut worden.
Die Lage im äthiopischen Flüchtlingszentrum Dolo Ado sei ähnlich kritisch. "Immer neue Flüchtlinge kommen geschwächt und ausgemergelt vom Hunger und dem langen Fußmarsch aus ihren Dörfern an", hieß es. "Eins von drei Kindern, das in Dolo Ado ankommt, ist unterernährt."
Drei Camps in der Region haben ihre Kapazität bereits erreicht. Ein weiteres Lager, Hilaweyn, soll voraussichtlich Anfang kommender Woche eröffnet werden. Es bietet Platz für 60.000 Menschen.
Auch innerhalb Somalias, wo die Menschen am meisten unter der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren leiden, sei die Zahl der Unterernährten extrem hoch, berichtete das Flüchtlingskomitee UNHCR. Die Menschen aus dem besonders hart getroffenen Süden des Landes flüchten auf der Suche nach Hilfe in die Nachbarländer, aber auch in die Hauptstadt Mogadischu. Die UN schätzt, dass fast zwölf Millionen Menschen am Horn von Afrika Hunger leiden.
Die Vereinten Nationen haben unterdessen wegen der dramatischen Situation in den Dürregebieten Somalias in drei weiteren Regionen des Landes offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Grund sei die steigende Zahl der an akuter Unterernährung leidenden Menschen im Süden und im Zentrum des Bürgerkriegslandes, teilten Ernährungsexperten der UN mit. Auch die Sterberate sei deutlich erhöht.
Nach Einschätzung der zuständigen UN-Organisation FSNAU könnte sich die Situation in den Dürregebieten am Horn von Afrika in den nächsten Monaten weiter verschlimmern. Zugleich warnten die Experten, dass die Hilfsleistungen für die leidende Bevölkerung immer noch unangemessen seien. Es sei dringend nötig, die Hilfen aufzustocken. Allein in Somalia sollen 3,7 Millionen Menschen von der Krise betroffen sein. 3,2 Millionen von ihnen benötigen nach Angaben der Helfer sofortige, lebensrettende Maßnahmen. "Die Zukunftsaussichten sind sehr düster", sagte Grainne Moloney von der FSNAU.
Die FSNAU erwartet derweil, dass sich "die Hungersnot in den nächsten vier bis sechs Wochen auf alle Regionen im Süden Somalias ausweiten wird". Es werde sich wahrscheinlich bis mindestens Dezember 2011 auch nichts an dieser Situation ändern.
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Quelle: dapd , dpa
Theresia schrieb:
am 4. August 2011 um 20:59:13
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Hungerzeiten
Sorry, ich weiß, man soll nicht vergleichen, keine Situation ist wie die Andere. Das soll auch nur eine Erinnerung sein: Was
ist nur aus den deutschen Kindern geworden, die wähend und nach dem Krieg in den Hungerzeiten geboren und groß geworden sind? Da sind doch die, welche jetzt bis 67 Jahren arbeiten müssen, damit noch ein paar Monate eine kärgliche Rente erhalten, bevor sie endgültig aufgeben.Wo bleibt dabei die Verantwortung der Eltern???
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Schnute schrieb:
am 4. August 2011 um 20:43:43
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Somalia
Seit ich denken kann sehe ich (63) immer wieder mal die gleichen Bilder: großäugige, bis aufs Skelett abgemagerte dunkelhäutige
Kinder mit ihren Müttern. Die Menschen spendeten immer und reichlich, jeder wie er konnte, auch ich. Was hat es bewirkt ? Nichts ! Das Elend blieb. Es wird so lange bleiben wie die Rohheit, Macht- und Geldgier auf der einen und die Dummheit auf der anderen Seite regieren. Es macht sehr traurig !
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urmel schrieb:
am 4. August 2011 um 20:12:33
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hunger
Solange fast jeder Halbwüchsige mit einer AK47 rumrennt und solange jeder
acht Kinder haben muß und solange,kaum daß sie bei uns
angekommen in
vielen Fällen mit dem Drogendealen angefangen wird. Solange keinen Cent !
Die Kinder können einem schon leidtun. Aber man muß leider davon ausgehen,
daß sie später die gleichen Idioten werden wie die Alten.
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