03.08.2011, 13:41 Uhr | Ein Kommentar von James Shikwati
Die Menschen am Horn von Afrika leiden unter der Hungersnot (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Hungernde Menschen sind die Opfer eines menschengemachten Problems und das Ergebnis einer Politik der Ausgrenzung. Dafür darf Dürre keine Ausrede sein. Die Länder im Nahen Osten haben teilweise eine noch geringere Niederschlagsrate als die Region am Horn von Afrika und dennoch verfügen diese Staaten über Strategien, um ihre Bevölkerung zu ernähren. Die negativen Folgen der Dürre für die Nahrungsmittelversorgung stehen erst ganz am Ende der Kette von Faktoren, die Menschen verhungern lassen.
Die Regierungen am Horn vom Afrika sind nicht entwicklungsorientiert. Ihre Politiker wirtschaften in die eigene Tasche, ethnische Balkanisierungsprozesse werden absichtlich verstärkt. Das untergräbt die Bildung einer stabilen öffentlichen Ordnung.
Schätzungsweise 80 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Doch anstatt Produktivitätssteigerungen voranzutreiben, scheint die Politik vor allem darauf abzuzielen, systemische Korruption zu verankern. Wer gute Beziehungen zur Regierung hat, wird gut durch den Import von Nahrungsmitteln verdienen, wenn der Notstand ausgerufen wird. Diese Personen haben kein Interesse daran, einzelne Landwirte vor Ort dabei zu unterstützen, eine ausreichende Ernährungssicherung zu gewährleisten.
Die Clanstrukturen tragen ihr übriges dazu bei. Ethnizität wird als Druckmittel eingesetzt, um die Freizügigkeit von ethnischen Gruppierungen innerhalb der Landesgrenzen zu verhindern. Doch dadurch wird auch die Verbreitung von Arbeit und Wissen verhindert. Signale des Marktes kommen gar nicht erst bei den Kleinbauern an und verhindern, dass die Landbevölkerung sinnvoll auf Angebot und Nachfrage reagieren kann. Sie ist dazu gezwungen, sich auf die politischen Eliten zu verlassen. Das Ergebnis: Die Bittstellerkultur wird weiter vorangetrieben, Produktivität wird kompromittiert, das schnelle Geld siegt über die langfristige Sicherung der Nahrungsversorgung.
Gleichzeitig versuchen die Industrienationen vor allem die eigene Versorgung zu gewährleisten. Laut dem ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan hat das dazu geführt, dass weltweit fast eine Milliarde Menschen Hunger leiden muss. Wachsender Protektionismus, einseitige Exportverbote, Landraub - allein 2009 erwarben Hedgefonds geschätzte 60 Millionen Hektar Land und gesonderte Vereinbarungen, die auf den Nahrungsmittelbedarf der Reichen und nicht auf den der Armen abgestimmt sind - sind für die Lebensmittelkrise verantwortlich.
Laut dem Rat für Auswärtige Beziehungen ist das globale Nahrungsmittelsystem von starken Preisschwankungen betroffen. Diese erschweren es zusätzlich, die Ernährungssicherheit in armen Ländern zu gewährleisten. Die Unberechenbarkeit der Nahrungsmittelpreise wird durch sechs Faktoren verursacht: (a) hohe Energiepreise und die gestiegene Nachfrage nach Biokraftstoffen, (b) der steigende Getreideverbrauch, um den steigenden Fleischbedarf zu decken, (c) die wachsende globale Mittelschicht, (d) Spekulationen aufgrund des Eintritts von Hedgefonds in den Landwirtschaftssektor, (e) Klimawandel und (f) eine Handelspolitik, die sich gegen Nahrungsmittelexporte stellt.
Am Ende kommt so einiges zusammen: Internationale Faktoren werden verstärkt durch regionale Interessen und unfähige Politiker, welche die Märkte kontrollieren. Die afrikanische Bevölkerung muss endlich darin bestärkt werden, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, um den Hunger zu bekämpfen.
James Shikwati: Der Wirtschaftswissenschafter kommt aus Kenia, sein Fokus liegt auf afrikanischer Entwicklungspolitik. Shikwati gründete das Wirtschaftsmagazin “The African Executive” und das “Inter Region Economic Network”, die er beide leitet. Als Direktor des kenianischen Programms der Initiative “Students Free Enterprise” koordiniert er Bildungsprogramme an 16 Universitäten.
Ein Kommentar von James Shikwati
Angel schrieb:
am 3. August 2011 um 21:03:22
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Hungernot
Da muss ich Klara zustimmen-- wie können die Reichen nur so genießen wenn es doch so eine starke Hungersnot gibt, da sind ja die
Hartz 4 Empfänger noch reich gegen.Trotz alle dem --nur wir alle zusammen auf dieser Erde können was ändern- wenn wir es denn wollen- fangen wir bei der Regierung an!!!
Und die Spenden die kommen eh nie da an wohin sie sollen.Eine Thema ohne Ende...
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aida schrieb:
am 3. August 2011 um 21:00:00
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hunger
seit wann ist das was neues ??? das problem gibt es seit jahrzehnten !
und auch in afrika können europäer in den großstädten die
miete nicht mehr bezahlen ??? hier gibt es probleme, aber die sind hausgemacht !
dieser kontinent könnte langsam mal eigenverantwortung übernehmen !
aber es ist wie auf der gesamten welt, die bessergestellten schauen im eigenen land von oben herab auf das prekariat, wie in der völlig verarmten BRD !
die schickt ihre kinder auch hungrig zur schule !
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Alex!! schrieb:
am 3. August 2011 um 20:38:31
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Hunger in Afrika
Mit normalen Mitteln kommt man da nicht gegen an. Jedes Land der ersten Welt müsste sich für ein Land der dritten Welt
verantwortlich fühlen. In D. zB. müsste jedes Bundesland für eine andere Provinz eines armen Landes, sagen wir Uganda, verantwortlich sein. Man müsste die Menschen da gewnauso wie in D. in einem Bundesland, ausbildungsmäßig, arbeitsmäßig, rentner- ui. krankheitsmäßig, behandeln. Alles kostet nur Bruchteile wie bei uns. Nach 20 o. 30 Jahren würden die genauso dastehen wie wir.
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