30.05.2011, 09:42 Uhr
Zelaya in Honduras: Rot gekleidete Anhänger feiern die Rückkehr des aus dem Amt geputschten, weiß behemdeten und behüteten Ex-Präsidenten (Foto: AP) (Quelle: AP)
Fast zwei Jahre nach dem Militärputsch in Honduras ist der frühere Präsident des Landes, Manuel Zelaya, aus dem Exil zurückgekehrt. Der 58-Jährige landete am Samstag an Bord einer venezolanischen Maschine auf dem Flughafen der Hauptstadt Tegucigalpa. Das mit Zelaya geschlossene Versöhnungsabkommen sichert dem mittelamerikanischen Staat Zugang zu internationalen Hilfen.
Der ehemalige Rinderzüchter Zelaya traf aus Nicaragua ein, wo er zuvor eine Nacht verbracht und dann von Präsident Daniel Ortega feierlich am Flughafen von Managua verabschiedet wurde. "Wir kommen voller Optimismus an und wollen einen Weg aus dieser Krise suchen", sagte Zelaya, der unter anderen von seiner Ehefrau Xiomara Castro begleitet wurde. Zehntausende in Rot gekleidete Menschen hatten bei Temperaturen von 30 Grad Celsius auf einem Platz neben dem Flughafen auf Zelayas Rückkehr gewartet. Einige Menschen erlitten wegen der Hitze einen Kreislaufkollaps.
Der Staatschef von Venezuela, Hugo Chávez, feierte die Rückkehr Zelayas als "großen Sieg" für das honduranische Volk. "Nieder mit Diktaturen! Lang lebe die Macht des Volkes, lang lebe die wahre Demokratie", schrieb der Linkspopulist über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.
Zelaya hatte 16 Monate lang im Exil in der Dominikanischen Republik gelebt. Er war im Juni 2009 von der Armee aus dem Amt geputscht worden. Soldaten nahmen den 2006 gewählten Staatschef mit Billigung des Kongresses und des Obersten Gerichts des Landes fest. Es sollte verhindert werden, dass Zelaya eine Verfassungsänderung durchsetzen konnte, die einem Präsidenten die Kandidatur für eine zweite Amtszeit ermöglicht hätte. Seine Gegner befürchteten, Zelaya wolle sich dadurch so wie sein Verbündeter Chávez dauerhaft die Macht sichern.
Zelayas Rückkehr wurde durch die Entscheidung eines Gerichts möglich, das Anfang Mai die gegen ihn laufenden Verfahren wegen Korruption und Verrats gestoppt hatte. Zelayas Nachfolger Porfirio Lobo hatte daraufhin versprochen, Zelaya wieder einreisen zu lassen und seine Partei zu Wahlen zuzulassen. Im Gegenzug wird das Land wieder in die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) aufgenommen, aus der es nach dem Putsch ausgeschlossen worden war.
Nach dem Treffen mit seinen Anhängern wurde Zelaya von Lobo im Präsidentenpalast empfangen. Beide hatten am vergangenen Wochenende in Kolumbien ein Versöhnungsabkommen unterzeichnet. Damit soll das bislang diplomatisch isolierte Land auch wieder Zugang zu internationalen Hilfen und Investitionen erhalten - dringend nötig in einem Staat, in dem 70 Prozent der knapp acht Millionen Einwohner von weniger als drei Euro pro Tag leben müssen. "Er war der einzige Präsident, der an uns, die Armen, gedacht hat", sagte die 75-jährige Bäuerin Maria Elisa Ferrufino, eine der vielen Anhänger Zelayas, die eigens mit Bussen und Autos nach Tegucigalpa gekommen waren.
Zelaya selbst kann wegen der Verfassung voraussichtlich kein weiteres Mal Präsident werden, seine Anhänger wollen daher seine Ehefrau als Kandidatin für die Wahl 2013 vorschlagen. "Heute beginnen wir mit der wahren Versöhnung in Honduras", sagte die 51-Jährige bei ihrer Ankunft. Eine Möglichkeit bleibt jedoch noch für Zelaya selbst: Eine im Februar verabschiedete Verfassungsreform sieht Referenden zu bestimmten Themen vor; dies könnte auch die Aufhebung des Verbots einer weiteren Amtszeit für einen Präsidenten sein.
Quelle: dpa
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