19.05.2011, 15:48 Uhr
Königin Elisabeth zeigt große Anteilnahme In Dublin Castle hielt die Queen ihre mit Spannung erwartete Rede. Sie bekundete "tiefes Mitgefühl" mit allen Opfern des britisch-irischen Konflikts.
Der historische Staatsbesuch der britischen Königin Elizabeth II. entwickelt sich zu einer Versöhnungsreise, die Millionen von Iren rührt. Bei ihrer einzigen Rede auf der viertägigen Reise sprach die Queen ihr "tiefes Mitgefühl" für alle Opfer des jahrhundertelangen britisch-irischen Konflikts aus. Dabei scheint es ihr tatsächlich zu gelingen, das traditionell schwierige Verhältnis zu entspannen. Irische Zeitungen sind voll des Lobes für den großen Schritt zur Aussöhnung, der noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre.
"Mit dem Gewinn der historischen Einsicht können wir alle Dinge sehen, von den wir wünschten, sie wären anders gemacht worden oder gar nicht passiert", sagte die 85-Jährige bei einem Staatsbankett im Dubliner Schloss. Da die Queen keine politische Rolle spielt, kann sie sich nicht für die Taten der britischen Kolonialmacht entschuldigen. Doch allgemein wurden ihre Worte in diese Richtung interpretiert.
Auch andere symbolisch aufgeladene Gesten lösen tiefe Emotionen bei den Iren aus. So besuchte die Queen unter anderem ein Sportstadion in Dublin, das 1920 Schauplatz eines Massakers an Iren durch britische Soldaten war. An dem "Bloody Sunday" (Blutsonntag) genannten Tag waren in Croke Park 14 Iren erschossen worden. Der Überfall war ein Racheakt für die Erschießung von 14 britischen Agenten durch irische Nationalisten.
Dieser erste "Bloody Sunday" war in Irland über Jahrzehnte Symbol für die britische Unterdrückung. Er hatte die gewaltsame Unabhängigkeitsbewegung der 1920er Jahre mit ausgelöst, an dessen Ende sich der Süden Irlands von der Herrschaft Großbritanniens löste. In der Nähe des Stadions protestierte eine Gruppe anti-britischer Republikaner, die jedoch von der Polizei in Schach gehalten wurde.
Zuvor hatte die Monarchin den Blick auf ein oft vergessenes Kapitel der britisch-irischen Geschichte gelenkt. Sie legte einen Kranz an einer Gedenkstätte für die fast 50.000 irischen Soldaten nieder, die im Ersten Weltkrieg für die Briten gekämpft und dabei ihr Leben verloren hatten.
Es gab aber auch weniger förmliche Momente: Die Queen und ihr Mann, Prinz Philip, besuchten am Vormittag das Guinness Storehouse und die Gravity Bar, von der man einen Panoramablick auf Dublin hat. Ein Braumeister bot ihr ein Glas der irischen Bierspezialität an, das die Königin breit lächelnd ablehnte. Philip schaute nach Einschätzung von Augenzeugen durchaus interessiert auf das Glas, lehnte aber ebenfalls ab.
Die irische Präsidentin Mary McAleese bezeichnete den Besuch der Queen als "Höhepunkt des Friedensprozesses". Der britische Premierminister David Cameron nannte die Reise der Queen "bemerkenswert" und sagte, die Beziehungen zwischen Großbritannien und der Republik Irland seien nie stärker gewesen. Elizabeth II. "heile die Wunden der Vergangenheit", schaue aber auch voraus in die "strahlende Zukunft" der beiden Länder.
Auch der Chef der nationalistischen Sinn-Fein-Partei, Gerry Adams, hat die Rede der britischen Königin begrüßt. Er halte das von der Queen zum Ausdruck gebrachte Mitgefühl für die Opfer des Konflikts zwischen Irland und seiner einstigen Kolonialmacht für echt, erklärte Adams. Der Politiker, dessen Partei für eine Eingliederung der britischen Provinz Nordirland in die Irische Republik kämpft, galt als einer der erbittertsten Gegner des Besuchs der Queen. Bei Bekanntgabe der Reisepläne hatte er gesagt, er halte die Staatsvisite für verfrüht. Sie sei für viele Iren eine Beleidigung, "vor allem für die Opfer der britischen Herrschaft".
Die Beziehungen zwischen den Ländern waren jahrhundertelang gespannt und oft von Gewalt gezeichnet. Nordirland gehört bis heute zu Großbritannien und ist trotz einiger erfolgreicher Friedensbemühungen nicht zur Ruhe gekommen. Der Konflikt zwischen pro-britischen Protestanten und republikanischen Katholiken hat dort noch bis in die frühen 1990er Jahre hunderte von Opfern gefordert.
Quelle: dapd , AFP , dpa
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