27.05.2010, 10:31 Uhr
Friedensschluss in Hannover: Rechtsanwalt Götz von Fromberg zwischen Bandidos-Mitglied Peter M. (rechts) und dem Hells-Angels-Präsident von Hannover, Frank Hanebuth (links) (Foto: Reuters)
Die verfeindeten Rockerbanden der Hells Angels und Bandidos haben ihren Konflikt für beendet erklärt und sich faktisch auf eine Aufteilung der Bundesrepublik geeinigt. Die in Hannover präsentierte und unter Vermittlung des Prominentenanwalts Götz von Fromberg zustande gekommene Vereinbarung sieht vor, dass es in den Städten immer nur eine der beiden Gruppen geben soll. Zudem sollen keine ehemaligen Mitglieder der jeweils anderen Rockerorganisation aufgenommen werden und mindestens innerhalb des nächsten Jahres auch keine Neugründungen erfolgen.
"Hells Angels und Bandidos hätten sich abgesprochen, Zuwiderhandlungen gegen die "friedliche Koexistenz" zu sanktionieren. Auf Nachfragen, was darunter zu verstehen sei, sagten Sprecher beider Gruppen, es handele sich um den Ausschluss aus dem jeweiligen Club. Von Fromberg, in dessen Kanzlei auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder in Bürogemeinschaft arbeitet, bestritt vor Journalisten einen Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion der Innenminister über ein Verbot der Rockergruppen: "Das ist rein zufällig." Vielmehr habe man über Monate verhandelt. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass Ruhe einkehrt", sagte der Anwalt.
Die Anhänger beider Gruppen hatten sich in den vergangenen Monaten in mehreren Bundesländern blutige Auseinandersetzungen geliefert. Nach Erkenntnissen der Polizei sind zudem beide Gruppen in Drogen- und Waffenhandel sowie das Prostitutionsgewerbe verstrickt. In dem jetzt vereinbarten Papier heißt es, beide Seiten hätten eingesehen, "dass das Verhalten einzelner Mitglieder in der Vergangenheit zu starker Verunsicherung der Bevölkerung und auch der ganzen Biker-Szene geführt hat".
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bezeichnete das Abkommen als "reines Medienspektakel". "Dies wird keine Auswirkungen haben auf polizeiliche und politische Maßnahmen", sagte Schünemann. Zur Diskussion über ein Verbot der Gruppen fügte er hinzu: "Ich bin nicht glücklich über diese Ankündigungen einiger Kollegen, darüber spricht man nicht, sondern man sammelt Fakten und dann wird entschieden." Das Problem der Rockerbanden soll auch auf der am Donnerstag in Hamburg beginnenden Innenministerkonferenz zur Sprache kommen.
Polizeiliche Ermittler beobachten den Friedensschluss mit großer Skepsis. "Wir werden sehen, ob in diesem Umfeld keine Straftaten mehr geschehen, ob es im Bereich Drogenhandel und Menschenhandel einen Rückgang geben wird. Das müsste ja zwangsläufig der Fall sein", sagte Bernhard Witthaut, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. "Ich halte diesen Friedensschluss im Hinblick darauf, dass die Innenminister über ein Verbot beraten wollen, letztlich für eine taktische Maßnahme."
Quelle: AFP , dpa
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