Mordprozess in Kaiserslautern: Mitglieder des Motorradclubs Outlaws mit einem Transparent (Foto: dpa)Der Mordprozess gegen zwei Angehörige der Rocker-Gruppe Hells Angels vor dem Landgericht Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz ist bereits eine Stunde nach dem Auftakt vertagt worden. Einer der Verteidiger stellte einen Antrag, in dem er dem Gericht unter anderem einen Besetzungsfehler im Falle einer beisitzenden Richterin vorwarf. Auch zweifelte er die Zuständigkeit der Kammer an.
Das Gericht vertagte den Prozess auf den nächsten anberaumten Termin am 7. Januar. Dann soll auch über den Antrag entschieden werden.
Hunderte Polizisten im Einsatz
Der Prozess begann unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen. Die Angeklagten sollen vor einem halben Jahr ein führendes Mitglied der konkurrierenden Rockergruppe Outlaws getötet haben. Ein dritter Beschuldigter ist noch flüchtig. Die Polizei sicherte das Gerichtsgebäude und die Stadt mit mehreren Hundertschaften. Rund 1000 Angehörige der beiden Rocker-Gruppen hielten sich laut Polizei in Kaiserslautern auf.
Angriff war Racheaktion
Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft geriet das 45-jährige Opfer am 26. Juni zufällig in das Visier der Beschuldigten. Einer der beiden Angeklagten, ein 42-jähriger Maschinenschlosser aus dem pfälzischen Rockenhausen, sei drei Tage zuvor in Bad Kreuznach von einem Mitglied der Outlaws verprügelt worden. Dafür habe er sich an einem anderen Mitglied des Clubs rächen wollen. Angeklagt ist auch ein 28-jähriger Nachtclubbetreiber aus Mannheim.
Die drei Beschuldigten hätten am Abend des 26. Juni ein Lokal im pfälzischen Marnheim beobachtet, das als Treffpunkt der Outlaws bekannt sei. Als das spätere Tatopfer das Lokal verließ, sei ihm das Trio in einem Auto gefolgt. Bei Stetten hätten die Tatverdächtigen das Motorrad des 45-Jährigen mit dem Auto überholt und gestoppt.
Mit mehreren Messerstichen getötet
Der 28-Jährige soll mit einem Teleskopschlagstock auf ihn eingeprügelt haben, der 27-Jährige soll ihm mit einem Messer insgesamt sieben Stiche in den Rücken und in die Seite versetzt haben. Anschließend nahm der 28-jährige "Höllenengel" dem Schwerverletzten noch seine Lederweste mit den Club- und Rangabzeichen der Outlaws ab. Die Anklage lautet auf Mord, Raub mit Todesfolge sowie räuberischen Angriff auf einen Kraftfahrer.
Beide Beschuldigte in U-Haft
Das Opfer starb zwei Stunden später im Krankenhaus. Der Getötete war Präsident einer regionalen Untergliederung der Outlaws und führte das sogenannte Chapter Donnersberg. Zu seiner Beerdigung am 30. Juni kamen im pfälzischen Mettenheim rund 1000 Rocker aus ganz Deutschland zusammen. Der 42-jährige Beschuldigte wurde am gleichen Tag in der Pfalz festgenommen, der 28-Jährige am 6. August in Portugal. Beide sitzen in Untersuchungshaft. Ein 27-jähriger Mannheimer, der ebenfalls unter dringendem Tatverdacht steht, ist noch flüchtig.
Outlaws sind ältester Motorradclub der Welt
Die Outlaws wurden nach eigener Darstellung 1935 in McCook, einem Vorort von Chicago, gegründet und sind damit einer der ältesten Motorradclubs der Welt. Der deutsche Zweig geht auf die 1973 im fränkischen Kitzingen gegründeten Ghost Riders zurück, die sich 2001 den Outlaws anschlossen. Der Club hat im Bundesgebiet knapp 40 regionale Untergliederungen, die sogenannten Chapter.
Polizei beschlagnahmte Waffen
Allein das Gerichtsgebäude wurde von rund 300 Polizisten gesichert. In der Stadt bemühte sich die Polizei um Trennung der beiden Rocker-Gruppen und beschlagnahmte Dutzende Messer, Schlagringe und Tränengas-Spraydosen.