19.02.2010, 10:52 Uhr
Der Störtebeker-Schädel im Museum (Foto: dpa)Nach dem Diebstahl des angeblichen Schädels von Klaus Störtebeker aus einem Hamburger Museum tauchen jetzt neue Gerüchte über den möglichen Verbleib des Totenschädels auf. Angeblich soll er sich im Besitz der Hells Angels befinden, berichtet die "Hamburger Morgenpost". Das Symbol der Rockerbande ist ein geflügelter Totenkopf.
Ein 58-jähriger Harley-Fahrer aus dem Umfeld der Hells Angels sagte zur "Hamburger Morgenpost: "Klar, die Rot-Weißen haben den Schädel. Sie haben ihn zwar nicht selbst geklaut, aber der Dieb hat den Jungs das geile Teil geschenkt. Warum auch immer." Wenn sich dieses Gerücht erhärten würde, müsste die Polizei allerdings noch herausfinden, in welcher lokalen Gruppe der Hells Angels sich das Museumsstück befindet.
Die Polizei selbst teilte am Donnerstag in Hamburg mit, dass sie noch keine heiße Spur habe: "Es gab einige Hinweise - der FC St. Pauli hat ihn, ein Grufti im Keller, die Hells Angels - dabei herausgekommen ist jedoch nichts", sagte ein Polizei-Sprecher.
Am 9. Januar wurde das Fehlen des rund 600 Jahre alten Schädels bemerkt, doch erst Ende Januar wurde die Öffentlichkeit informiert. Seitdem ist er spurlos verschwunden. Das Museum für Hamburgische Geschichte hatte die Bevölkerung um Unterstützung bei der Suche gebeten.
Der Schädel sei materiell zwar so gut wie bedeutungslos, habe für Hamburg und viele Geschichtsbegeisterte aber einen geradezu unschätzbaren ideellen Wert, sagte die Museumsdirektorin Lisa Kosok. Es sei ein Fund, der "in seiner Dimension weit über die eines einfachen Totenschädels hinausgeht". Eine Belohnung von bis zu mehreren tausend Euro wurde ausgesetzt. Nach Museumsangaben wurde der Schädel tagsüber während der Öffnungszeiten aus einer großen Glasvitrine gestohlen, in der als Teil einer Inszenierung zu sehen war. Die Polizei hatte die Ermittlungen aufgenommen.
Der von einem Nagel durchbohrte Schädel war 1878 beim Bau eines Hafenbeckens neben der Hamburger Speicherstadt an einem Ort entdeckt worden, an dem früher Seeräuber enthauptet und ihre Köpfe zur Abschreckung auf Holzbalken genagelt wurden. Das Museum für Hamburgische Geschichte stellt ihn seit 1922 als Kopf des sagenumwobenen Piratenanführers aus, der im 14. Jahrhundert auf der Ost- und Nordsee sein Unwesen trieb und die reichen Kaufleute aus Hamburg und Bremen zur Weißglut trieb.
Der historischen Legende nach wurde Störtebeker 1401 bei einer Strafexpedition der Hanseaten gefasst und mit etwa 30 Getreuen vor den Toren Hamburgs hingerichtet. Als Symbol für Glücksrittertum und als eine Art norddeutscher "Robin Hood" ist er noch heute populär und dient als Filmheld.
Ob der Hamburger "Störtebeker-Schädel" tatsächlich von dem Freibeuter stammt, lässt sich seriös indes nicht mehr klären. Nach gerichtsmedizinischen Analysen steht seit ein paar Jahren fest, dass er zu einem etwa 25 bis 35 Jahre alten Mann gehörte, der etwa zu Zeiten des Seeräubers (um 1360 bis vermutlich 1401) lebte. Aus der sorgfältigen Art der Präparierung mit dem Nagel schlossen die Fachleute ferner, dass es ein prominentes Hinrichtungsopfer war, auf dessen öffentliche Zurschaustellung die Hamburger stolz waren.
Aber 2004 scheiterte endgültig der Versuch, DNA-Material aus den Knochen zu gewinnen und für einen Abgleich mit potenziellen Nachfahren zu verwenden. "Dieser Weg war leider eine Sackgasse, so dass das Mysterium um den Kopf noch ungelöst ist", betonte Museumsexperte Ralf Wiechmann.
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Quelle: AFP , t-online.de
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