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Heilbronner Polizistenmord: Wattestäbchen-Hersteller soll zahlen

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Wattestäbchen-Hersteller drohen Konsequenzen

27.03.2009, 16:56 Uhr

Wattestäbchen der Polizei waren wohl schon vor der Spurensicherung mit Genmaterial kontaminiert (Quelle: imago) Wattestäbchen der Polizei waren wohl schon vor der Spurensicherung mit Genmaterial kontaminiert (Quelle: imago)

Jahrelang sucht die Polizei eine Serienmörderin und Einbrecherin, die europaweit an 40 Tatorten ihre DNA-Spur hinterlassen hat. Und nun läuft alles darauf hinaus, dass es die "Phantommörderin von Heilbronn" gar nicht gibt. Weil Wattestäbchen mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor dem Gebrauch mit fremdem Genmaterial verunreinigt waren, stehen die Ermittler möglicherweise vor einem Scherbenhaufen. Der Hersteller der eventuell verunreinigten Stäbchen muss sich auf juristische Konsequenzen einstellen.

Im Falle eines Fehlers bei Herstellung oder Verpackung der Stäbchen will das Land Baden-Württemberg Schadensersatzansprüche prüfen. "Dann wird einiges auf die Firma zukommen", sagte Innenminister Heribert Rech (CDU) den "Stuttgarter Nachrichten". Durch die Beteiligung mehrerer Landeskriminalämter seien erhebliche Kosten entstanden, sagte Rech.

Suche nach dem Phantom Die Frau ohne Gesicht
ChronologieHier hinterließ das Phantom seine Spuren
Foto-SeriePolizistenmord in Heilbronn

Tausende von Überstunden angefallen

Allein bei der Heilbronner Sonderkommission "Parkplatz" zur Aufklärung des Mordes an der 22-jährigen Polizistin Michèle K. sind rund 16.000 Überstunden angefallen. Zeitweise haben bis zu 100 Beamte an der Aufklärung der Serie gearbeitet.

DNA-Proben "ein wirksames Ermittlungsinstrument"

Gleichzeitig warnte Resch davor, die grundsätzliche Zuverlässigkeit von DNA-Proben anzuzweifeln. "DNA-Tests und deren hohe Bedeutung stehen für mich weiterhin außer Frage. Das ist ein außerordentlich wirksames Ermittlungsinstrument", sagte der CDU-Politiker.

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Stäbchen werden massenhaft überprüft

Im Kriminaltechnischen Institut des Stuttgarter LKA werden derweil massenhaft unbenutzte Wattestäbchen auf DNA-Spuren des "Phantoms" getestet. Parallel dazu ermittelt die Polizei auch bei allen mit der Herstellung der Stäbchen beteiligten Firmen. "Wir versuchen die Herstellungswege und -stationen nachzuvollziehen. Die Komponenten stammen nicht von ein- und demselben Hersteller", sagte LKA-Sprecher Horst Haug. Mitarbeiter der Firma, von der aus die Wattestäbchen dann in Umlauf gebracht wurden, sollen Speichelproben abgeben - erste Ergebnisse soll es bald geben.

Zweifel nach Leichenfund im Saarland

Die Zweifel an der Echtheit des "Phantoms von Heilbronn" gehen auf einen Leichenfund im Saarland zurück. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken mitteilte, sollten die DNA-Spuren des unbekannten Toten und die eines vermissten Asylbewerbers verglichen werden. Dazu hätten die Ermittler Gen-Material aus Fingerabrücken herausgearbeitet, die der Asylbewerber vor längerem bei seinem ausländerrechtlichen Verfahren hatte abgeben müssen. Dabei seien plötzlich Spuren des "Phantoms" aufgetaucht. "Das konnte einfach nicht sein", sagte der Sprecher.

Nächste Panne für Polizei in Baden-Württemberg

Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, gerät die Polizei in Baden-Württemberg erneut unter Druck. Schließlich liegt ihre letzte Panne erst zwei Wochen zurück: Einen Tag nach dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen mit 16 Toten präsentierte Rech eine angebliche Internetankündigung des Amoklaufs, die wahrscheinlich eine Fälschung war.

Erklärungen immer weniger plausibel

Zudem müssten die Ermittler wohl alle ungelösten Kriminalfälle, die mit der DNA-Spur des vermeintlichen Phantoms in Verbindung gebracht wurden, neu beleuchten. Dabei stellten die Polizisten schon früh erste Ungereimtheiten fest. Und mit jedem neuen Fall konnten die Sachverhalte immer weniger plausibel erklärt werden.

Immer wieder Ungereimtheiten

Bereits nach den tödlichen Schüssen auf die Polizistin in Heilbronn im April 2007 hatten sich die Fahnder gewundert, dass es keine Zeugen gab. Weitere Ungereimtheiten tauchten im Zusammenhang mit dem Mord an drei Georgiern im hessischen Heppenheim auf. Im Auto eines inzwischen verurteilten Verbindungsmannes des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz wurde der genetische Fingerabdruck der mutmaßlichen Heilbronner Polizistenmörderin gefunden. Bereits früh deutete nichts auf eine direkte Verbindung zwischen dem Fall der Georgier und der unbekannten Serientäterin hin.

Mögliche Fehler im sichernden Bereich

Spätestens seit diesem Zeitpunkt stellten sich die Ermittler die Frage, ob Fehler bei DNA-Untersuchungen gemacht wurden. "Gibt es im Untersuchungsprozess in den Laboren unter Umständen Anhaltspunkte für Fehler?", habe man sich damals gefragt, erzählt der Leiter des Kriminaltechnischen Instituts des LKA in Stuttgart, Werner Kugler. Experten hätten diese Frage verneint. Von da an waren die Beamten möglichen Fehlern im sichernden Bereich auf der Spur, ohne aber die Öffentlichkeit darüber zu unterrichten.

Spekulationen schon 2008

Dass Utensilien zur Spurensicherung möglicherweise verunreinigt sein könnten und das Phantom gar nicht existiert, hatte bereits Ende des Jahres der Münsteraner Rechtsmediziner Bernd Brinkmann vermutet. LKA-Sprecher Haug in Stuttgart hatte dies damals noch als "Spekulation" zurückgewiesen: "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass irgendetwas eingeschleppt wurde." Innenminister Rech erklärt nun, die Frage der Verunreinigung werde seit April 2008 von mehreren Ermittlungsbehörden geprüft.




Quelle: AFP , dapd , dpa

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