Hat Oettinger der Polizei Hubschrauber weggeschnappt?
08.04.2009, 14:48 Uhr
Ministerpräsident Oettinger am Tag des Amoklaufs in Winnenden (Foto: dpa)
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger wurde am Tag des Amoklaufs von Winnenden von einem Hubschrauber aus Mainz abgeholt und zum Tatort geflogen, obwohl das Fluggerät für operative Einsätze gebraucht worden wäre. Das berichtet die Online-Ausgabe des "Stern".
Oettinger war am 11. März in Mainz Gast der rheinland-pfälzischen CDU-Landtagsfraktion, als er über den Amoklauf informiert wurde. Da er schnell am Tatort sein wollte, telefonierte sein Tross nach einem Helikopter der baden-württembergischen Polizeihubschrauber-Staffel. Auf dem Stuttgarter Flughafen habe man eine Bereitstellung zunächst abgelehnt, da alle Maschinen gebraucht würden.
Der angeforderte Hubschrauber wurde Oettinger dann doch zur Verfügung gestellt - und zwar auf Anweisung des baden-württembergischen Landespolizeipräsidenten Erwin Hetger. Diese Entscheidung löste in Polizeikreisen offenbar erhebliche Verstimmung aus.
Denn am Tag des Amoklaufs waren auch Beamte des in Göppingen stationierten polizeilichen Spezialeinsatzkommandos (SEK) nach Winnenden transportiert worden - nach einem Bericht der "Neuen Württembergischen Zeitung" allerdings nur "zum Teil im Hubschrauber". Womöglich fehlte genau der den Regierungschef Oettinger zum Flug nach Winnenden benutzte, um dort gegen 12.30 Uhr vor die Fernsehkameras zu treten.
Innenminister in der Kritik
In der Kritik steht auch Oettingers Innenminister Heribert Rech wegen seiner Informationspolitik im Zusammenhang mit dem Amoklauf. Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, dass sich das Ende des Amoklaufs in Wendlingen in einem wesentlichen Punkt anders abgespielt hatte als bisher angenommen: Demnach hatte ein Polizeibeamter den 17-jährigen Täter Tim K. bereits angeschossen, ehe dieser in das Autohaus in Wendlingen laufen und zwei Männer erschießen konnte.
Rech verteidigt sich
Nach einer Sondersitzung des Innenausschusses des Landtags verteidigte Rech am Mittwoch seine Informationspolitik. Mitte der vergangenen Woche seien viele Einzelheiten zur Schlussphase der Bluttat in Wendlingen noch nicht klar gewesen. Deshalb habe er seinerzeit dem Gremium auch noch nicht über die neuen Erkenntnisse berichtet.
Oettinger hält zu Rech
"Ich übernehme nicht eins zu eins, was mir die Polizei ermittelt hat", erklärte Rech, der zudem einen Tag nach dem Amoklauf eine - wie sich herausstellte, gefälschte - Tatankündigung aus dem Internet öffentlich präsentiert hatte. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hatte seinem Innenminister bereits am Dienstag das "volle Vertrauen" ausgesprochen, nachdem die SPD von ihm verlangt hatte, Rechs Amtsführung zu prüfen.