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Hartz-IV-Kompromiss kostet den Bund wohl 23,5 Milliarden Euro

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Bericht: Hartz-IV-Kompromiss kostet den Bund 23,5 Milliarden Euro

28.02.2011, 09:27 Uhr

Kritik an Hartz-IV-Reform: SPD-Chef Gabriel spricht von "großen Risiken" (Foto: dpa)

Kritik an Hartz-IV-Reform: SPD-Chef Gabriel spricht von "großen Risiken" (Foto: dpa)

Der Hartz-IV-Kompromiss wird einem Medienbericht zufolge deutlich teurer als bekannt: Er werde im Bundeshaushalt bis zum Jahr 2015 zu Mehrkosten von 23,5 Milliarden Euro führen, schreibt der "Focus" und beruft sich auf eine Aufstellung des Finanzministeriums. Danach müsse der Bund im laufenden Jahr durch die Neuregelung zwei Milliarden Euro mehr ausgeben, bis 2015 steige der Jahresbetrag dann auf 6,6 Milliarden Euro zusätzlich.

Profitieren werden demnach die Kommunen, die bis 2015 um rund zwölf Milliarden Euro geringere Ausgaben haben dürften. Die Bundesländer würden mit jährlich 60 bis 80 Millionen Euro entlastet. Grund für die Kostensteigerung beim Bund sei vor allem dessen Bereitschaft, stufenweise die Sozialkosten der Gemeinden für arme Rentner zu übernehmen.

Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag nach einem langen Ringen für eine Neuregelung der Hartz-IV-Sätze gestimmt, in deren Folge die Regelsätze bis Anfang 2012 um insgesamt acht Euro steigen.

Bedenken von Gewerkschaften und Opposition

Auch nach dem Beschuss hagelt es Kritik von allen Seien: DGB-Chef Michael Sommer hält die Hartz-IV-Reform für verfassungswidrig und kündigte an, Mitgliedern des Deutschen Gewerkschaftsbundes Rechtsschutz bei Klagen zu gewähren. Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hält ein erneutes Scheitern der Reform vor dem Bundesverfassungsgericht für möglich. Unterdessen fordert Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt Korrekturen am Hartz-IV-Kompromiss von Regierung und Opposition, dem Bundestag und Bundesrat an Freitag zugestimmt hatten.

"Wir haben große Zweifel, ob die neuen Hartz-IV-Regelsätze den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes genügen", sagte Sommer dem "Hamburger Abendblatt". Der DGB-Chef kritisierte, dass es bei der Zeitarbeit beim Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" zu keiner Einigung gekommen ist. "Die Bekämpfung von Lohndumping und Missbrauch von Leiharbeit müssen weiter auf der Tagesordnung stehen", forderte er. "Die Ablehnung der Regierungsparteien von Equal Pay ist ein gesellschaftlicher Skandal."

Sommer: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit"

Sommer nannte es unverantwortlich, dass vor allem die FDP bei der Frage der Leiharbeit blockiert und die Position der Arbeitgeber ergriffen habe. Er kündigte an, weiter Druck zu machen, "bis wir den Grundsatz 'Gleicher Lohn für gleiche Arbeit' durchgesetzt haben."

In der "Bild am Sonntag" bekräftigte auch Gabriel seine Zweifel, dass die Berechnung der Regelsätze verfassungskonform ist. Nach seiner Ansicht ist Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) "da große Risiken eingegangen". Die SPD habe nur keinen Sinn mehr darin gesehen, weiter darüber zu streiten. "Wir haben lieber das Bildungspaket verbessert und weitere Mindestlöhne durchgesetzt", sagte Gabriel.

BDA warnt vor milliardenschweren Belastungen

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sieht durch den Hartz-IV-Kompromiss milliardenschwere Belastungen auf die Beitragszahler der Arbeitslosenversicherung zukommen. "Der Bundesagentur für Arbeit ein dauerhaftes Defizit," sagte BDA-Präsident Hundt der "Rheinpfalz am Sonntag".

Bis zum Jahr 2015 rechnet die BA nach internen Hochrechnungen dadurch mit einem kumulierten Defizit von bis zu 26 Milliarden Euro. Allein in den Jahren 2012 und 2013 dürften es zusammen 13,2 Milliarden Euro sein, geht aus Zahlen hervor, die dem BA-Verwaltungsrat vorliegen.

Hundt warnte davor, die Finanzlücke mit einer Erhöhung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung ausgleichen zu wollen: "Das würde zulasten von Wirtschaftswachstum und Beschäftigung gehen." Das müsse verhindert werden, sagte Hundt. "Deshalb fordere ich die Politik auf, eine Gegenfinanzierung durch Strukturreformen in der Arbeitslosenversicherung sicherzustellen."

Gute Vorschläge lägen dafür seit Jahren auf dem Tisch. Nach BDA-Vorstellungen soll unter anderen der Eingliederungsbeitrag, mit dem sich die Nürnberger Agentur seit 2008 an den Verwaltungskosten der Langzeitarbeitslosen beteiligt, abgeschafft werden. Das seien rund 4,6 Milliarden Euro jährlich.


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Quelle: AFP , dpa

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